Archiv für die Kategorie: “Törns”

Törnberichte unserer Skipper und Mitsegler…

Samstag ist Anreisetag. Angelika und Brigitte kommen aus Dresden, Ralf und Matthias aus Frankfurt. Die zwei aus Dresden können wegen starken Nebels über Antalya nicht landen und werden erst einmal nach Dalaman geschickt. Mit zweistündiger Verspätung landen sie dann glücklich in Antalya. Hier beginnt unser Törn. Abends wird etwas Proviant eingekauft und dann gibt’s noch die Törnbesprechung mit der Sicherheitseinweisung. Alle kennen die „Orion“, aber bei Brigitte, Matthias und Ralf ist es schon eine Weile her, dass sie an Bord waren.
Angelika wird zum Schiffsführer ernannt, Ralf ist ihr Stellvertreter und Brigitte Finanzminister. Matthias und Andreas werden Urlaub machen und das Segeln genießen, sagen sie. Doch dann unterstützt Andreas beim Navigieren und Matthias beim Segelsetzen. So hat jeder seine Aufgabe.
Das erste Abendessen findet in einer kleinen Strandkneipe an der Riviera statt. Dann verbringen alle die erste Nacht auf der „Orion“.

1. Tag

Am Sonntag um 10 laufen wir aus der Celebi-Marina Antalya aus.
Um etwas vorzugreifen: Brigittes erste 400 Fotos werden bereits am ersten Tag geschossen und so begleitet das Ablegemanöver ein „Blitzlichtgewitter“. Die Segel werden schon im Vorhafen gesetzt. Wir gehen mit 2 bis 3 Windstärken Richtung Kemer. Kreuzen ist angesagt, weil der Wind am Tage immer aus Süden kommt. 14 Meilen nach Südosten und dann die Wende, danach können wir Kurs Kemer anlegen.
Die leichte Brise am Anfang wird uns von Andreas mit etwas Gitarrenspiel „garniert“.
Die „Orion“ läuft sehr gut. Mit einem Wendewinkel von etwa 90 Grad müssen wir etwa das 1,5 fache der direkten Entfernung zurücklegen. Das sind am Ende des Tages so etwa 26 Seemeilen.
200 m vor der Hafeneinfahrt bergen wir die Segel und melden uns per Funk im Hafen an.
Wir werden bereits erwartet. Das Personal im Dinghi hilft uns beim Festmachen. Angelika fährt das Anlegemanöver ohne auch nur ein Schiff rechts oder links zu berühren. Übrigens fährt sie in diesem Törn alle An- und Ablegemanöver.
Ein heftiger Gewitterguss verhagelt uns ein wenig das gemeinsames Abendessen im Freien des „Navigator“, dem Hafenrestaurant.
Brigitte, Ralf und Matthias lassen es sich nicht nehmen, später noch in eine Disko zu gehen.

2. Tag

Aufstehen, frühstücken und 9.30 Uhr legen wir ab. Wir wollen weiter in den Süden und möglichst schnell die 5 Inseln, welche mit einer Landzunge das Kap bilden, hinter uns lassen.
Wieder ist Kreuzen angesagt, denn der Wind bläst mit 5 bis 6 aus Süd. Wir reffen das erste Mal. Mit mehreren Kreuzschlägen kommen wir zwar weiter in den Süden, aber es reicht nicht. Wir erreichen unser Ziel, den Hafen von Finike nicht. Aber warum nicht mal in einer lauschigen Bucht ankern? Gut geeignet dafür ist Cavus Limani. Eine weite Bucht, aber idyllisch gelegen.
Brigitte ist von den hohen Bergen, die direkt in das Meer übergehen beeindruckt und fotografiert unentwegt.
Punkt 17.00 Uhr schläft der Wind ein und wir laufen die letzte Meile unter Motor, dabei räumen wir das Schiff auf. Der Anker ist schnell ausgebracht. Aber wir müssen uns noch einmal verholen. Da der Wind aus den Bergen zu stark in die Bucht weht, suchen wir uns einen Platz im Schutz eines Felsens. Das ist goldrichtig.
Für das Highlight des Abends sorgen Matthias und Ralf – sie kochen an Bord. Da sie vehement behaupten, es nicht zu können, hält Brigitte alles im Bild fest. Die anderen drei vertreiben sich die Wartezeit mit Baden. Das tun sie ausgiebig, da die Zubereitung des Menüs doch etwas länger dauert. Als alle aus dem Wasser kommen bietet sich das gleiche Bild wie vorher. Weitere Fotos entstehen, die sind kein bisschen anders als vorhin. Es ist tiefschwarze Nacht, als endlich aufgetischt wird.

3. Tag

Gegen 5.30 Uhr wird der Anker gelichtet und frühstücken auf See ist angesagt. Wir laufen unter Motor bis zu den „Bes Adalar“ (deutsch: fünf Inseln). Es weht kein Wind. Nach 5 Meilen haben wir die Inseln erreicht. Ab jetzt könnten wir Kurs auf Finike nehmen, doch wir haben noch immer keinen Wind. Eine Weile laufen wir noch unter Motor. Dann baden wir. Vorsichtshalber setzen wir dazu das Groß, um die erste Brise nicht zu verpassen.
Auch Brigitte traut sich in das warme kühle Nass. Zugegeben, es ist schon außergewöhnlich, bei mehr als 1000 m Wassertiefe.

Bis Rasmus sich nach Stunden erweichen lässt, und uns eine Brise Wind schickt, versuchen wir uns an einem Quiz, das sich Andreas ausgedacht hat. Ralf gewinnt haushoch. Als Sieger darf er das Restaurant heute für das Abendessen auswählen. Endlich ist bei 1 bis 2 Windstärken das Segeln nun doch noch möglich.
Plötzlich bietet die vor uns liegende See ein einmaliges Schauspiel. Wir sehen Delfine, die vor einem vorbeifahrenden Frachter bis zu 3 Meter aus dem Wasser springen. Wie schön!
Am frühen Nachmittag laufen wir in der Setur Marina in Finike ein. Vor der Hafeneinfahrt bergen wir die Segel. Anmeldung beim Hafen über Funk und das Dinghi wartet bereits auf uns, um beim Festmachen zu helfen. Zusätzlich werden wir von einem amerikanischen Paar unterstützt, das gerade dabei ist, sein Schiff aufzuräumen und dabei fast den gesamten Steg mit seinem Inventar zumüllt. Damit haben wir noch eine Menge Spaß.
Das „Mit-dem-Wind-Anlegen“ ist jetzt nicht so einfach, da er in dieser Zwischenzeit ganz schön zugelegt hat. Doch mit unserer Crew geht das problemlos.
Nach dem obligatorischen Anlegerbier ist Landgang angesagt.
Ralf darf als Gewinner des Quiz eine Kneipe auswählen. Er entdeckt einen Wegweiser zu einem kleinen Bergrestaurant. Soll ein paar Stufen hinaufgehen…

Nach mindestens 20 Minuten Treppensteigen – und schwitzend – werden wir durch einen atemberaubenden Blick über Stadt und Hafen und mit einem türkischen Tee entschädigt.
Auf dem Rückweg zum Hafen machen wir noch im „Deniz“-Restaurant zum Abendessen Halt. Es gibt frischen Fisch und Köfte.
Auf dem Rückweg kauft Andreas noch eine neue Sicherung für die elektrische Ankerwinde. Er bekommt sie, kostet allerdings 16 Euro. Zu Hause hätten wir sie für 3 bekommen. Die Frauen gehen auch nicht leer aus, sie kaufen neue T-Shirts, die zusammen nicht so teuer sind wie die Sicherung. Aber das nimmt Andreas mit einem müden Lächeln zur Kenntnis.
Der Abend an Deck wird gemütlich und wir haben unseren Spaß mit den schiffaufräumenden Amerikanern, deren Inventar noch immer auf dem Steg liegt. Jetzt wird erst mal das Sternenbanner gewaschen. Natürlich mit dem Schlauch aus 4 Meter Entfernung. Das war’s dann. Wir waschen unsere „Orion“ selbstverständlich auch jeden Tag und befreien sie vom aggressiven Salzwasser. Dabei hat sich der neue Frischwasseranschluss am Heck hervorragend bewährt.

4. Tag

Ralf, Angelika und Matthias besorgen Brot und frisches Gemüse und haben, dabei ähnliche Erlebnisse wie wir es nur von Andreas kennen. Also Schwierigkeiten beim Wechseln von Geldscheinen und so weiter.
Am Morgen liegt das Gerassel der Amis immer noch auf dem Steg. Sie wuseln beständig und räumen und tun, der Berg der wird dennoch nicht kleiner. Aber sie sind sehr nett und wir haben unsere Freude.
Nach dem Frühstück verlassen wir Finike. Die ersten fünf Meilen schiebt uns der Motor, da der Wind hier erst später angeschaltet wird.
Unser Ziel ist heute Kas. Der Wind, der jetzt kommt, weht allerdings aus Südwest und genau dort müssen wir hin. Das heißt kreuzen, etwa 45 Meilen. Da die Windstärke nie über 3 Beaufort geht, wird es wohl ein langer Segeltag.
Nachdem unser Sonnendach aufgebaut ist, wird die Hitze erträglicher. Die Sonne brennt doch schon ganz schön.
Als der Wind am Nachmittag nur noch schwach weht, entschließen wir uns nicht nach Kas zu gehen sondern Kastellorizo, eine kleine griechische Insel etwa fünf Meilen vor Kas, anzulaufen.
Vier Meilen vor dem Ziel nehmen wir die Segel runter, da wir einige Inseln umfahren und Untiefen beachten müssen.
Ralf und Matthias tauschen noch die türkische gegen die griechische Gastflagge. Nur gut dass sie schon eine halbe Stunde vor dem Einlaufen damit beginnen… Die Knoten, die Knoten, die Knoten… Brigittes Kamera hält die Prozedur selbstverständlich wieder für die Ewigkeit fest.
Beim Einlaufen in die Bucht sind wir total verzückt. Wir hatten zwar schon davon gehört, aber dass es sooo schön ist! Das sollten sich Segler, die dieses Revier befahren, nicht entgehen lassen.
Von der Pier, die eigentlich eine Kneipenmeile ist, winkt uns von Weitem ein Mann an einen freien Liegeplatz. Es ist Giorgio, einer der Kneipenbesitzer.
Wir machen fest und liegen vor Buganker mit dem Heck an der Pier und dem Backbordbug an einer kleinen etwa 15 Quadratmeter großen Vorpier. Die Rückenlehnen der Stühle, auf denen wir später sitzen und essen, stehen keinen Meter von unserer Reling entfernt! Die blanke Idylle! Ein paar hundert Menschen wohnen auf der Insel. Es gibt auch ein paar Touristen und Tagesgäste aus Kas, die mit einer Fähre einmal am Tage gebracht und wieder abgeholt werden.
Giorgio serviert uns das Anlegerbier direkt auf die Orion.
Doch es gibt noch einmal Anspannung, denn wir müssen einklarieren. Darauf werden wir von einem Polizeibeamten aufmerksam gemacht.
Im Polizeibüro gibt es Stress. Etwa 15 Personen vor und im Gebäude diskutieren erhitzt und ziemlich planlos. Wir müssen warten.
Als Andreas fragt, was los ist, geben die Beamten zu verstehen, dass es Probleme mit den „Yachties” gibt. Andreas erklärt, dass wir keine machen werden. Die „stressigen Gäste“ werden aus dem Gebäude verbannt und wir ordentlich bedient. Wir bezahlen 20 Euro, bekommen unser Paper und verschwinden.
Auf dem Rückweg lassen wir uns noch in einer der unzähligen Kneipen an der Pier nieder.
Plötzlich sehen wir, wie eben diese Männer und Frauen mit 5 Schiffen fluchtartig den Hafen verlassen.
Mittlerweile erfahren wir auch den Grund für die Aufregung. Sie wollten zollfrei einkaufen, aber die dafür vorgeschriebene Zeit von mindestens 10 Stunden nicht bleiben, weil dann die nämlich eine Liegegebühr fällig geworden wäre. Nun ja, wer segeln will, um Geld zu sparen, den trifft es eben manchmal hart. Plötzlich liegen wir ganz allein und unglaublich beschaulich.
Der Abend erinnert an die Gelage des sächsischen Hofes, von denen wir manchmal von Brigitte aus ihrem Buch verlesen bekommen. Ein Tag der einfach nicht vergehen dürfte.

5. Tag

Der schönste Tag ist immer der, der vor uns liegt. Frühstück und Frühschoppen und keiner will weg
Wir sind unschlüssig. Die Wasservorräte sind durchs Schiffwaschen verbraucht. Auch mit dem Rest Strom aus den Batterien ist es nicht mehr weit her. Bis Kas sind es nur 5 Meilen. Kein Törn auf den man sich freuen kann. Was tun? Ein Highlight könnte Kekova sein, mit Hassan dem „Besten Koch des Mittelmeeres“. Doch bis dahin sind es 20 Meilen und wir müssen Ankern und den nächsten Tag noch einmal. Da müssen Batterien und Wassertank voll sein.
Doch Giorgio, der Kneiper hilft. Wir bekommen Strom und Wasser. Alles kein Problem, jetzt brauchen die Batterien noch drei Stunden zum Laden. Die Frauen spazieren durch den idyllischen Ort und lernen eine Deutsche kennen, die sich hier mit ihrem griechischen Mann niedergelassen hat. Brigitte bekommt einen sehr schönen Kalender geschenkt, der die Erinnerung an unsere Erlebnisse wach halten wird.
Wir essen noch eine Kleinigkeit und lassen unseren Frühschoppen gegen 13.30 ausklingen.
14.00 Uhr laufen wir aus und setzen die Segel. Wind kommt von hinten und wir müssen reffen. Die Ansteuerung von „Hassans Bucht“ ist nicht ohne. Sie besteht aus zwei Meerengen, davon eine in der versunkenen Stadt. Da kann man leicht mit dem Kiel an einem Bauwerk hängen bleiben. Wir nehmen die Segel runter und navigieren vorsichtig unter Motor. Das tut auch den Batterien gut.
Der Anker fällt etwa 300 m von der Stadt entfernt. Mit uns ankern noch viele andere Schiffe in dieser herrlichen Landschaft. Wir baden und freuen uns auf das Essen bei Hassan.
Ein kurzer Anruf bei Hassan genügt. Er lässt uns mit einem Dinghi abholen. Doch mitten in der Fahrt fällt der Motor beim Dinghi aus. Der Tankanschluss ist nicht dicht und zieht Luft. Nach wenigen Minuten ist das Problem behoben und wir legen einen Meter neben dem für uns reservierten Tisch an.
Das Essen ist typisch türkisch und hat Qualität. Von unserem Platz aus können wir sogar noch den Stapellauf einer Gulet beobachten.
Später bringt uns das Dinghi nonstop wieder zu unserer Orion.
Wir baden noch einmal bei Dunkelheit und dann geht’s in die Kojen. Angelika und Andreas teilen sich die Ankerwachen. Sie schlafen abwechselnd auf dem Deck.

6. Tag

Bevor der Anker gelichtet, wird erst ausgiebig gebadet und gefrühstückt. Vorsichtig navigieren wir wieder über die Häuser der versunkenen Stadt und setzen danach die Segel.
Wenn früh um 10 der Wind schon mit 5 Beaufort bläst, braucht man in den kommenden Stunden nicht unbedingt mit einer Flaute rechnen. Als wir die geschützte Kekova Road verlassen, geht es richtig zur Sache. Jetzt müssen wir halsen, denn wir wollen wieder um die 5 Inseln herum oder mitten durch wenn es geht.
Der Wind frischt auf und kommt aus Südwest. Nicht so schlecht – aber halb so stark wäre er uns lieber.
Mittlerweile haben wir 7 Beaufort und das 1. Reff gesetzt. Wir sind schnell, im Durchschnitt 8,5 Knoten. Das liegt schon über unserer theoretischen Rumpfgeschwindigkeit. Der Wind nimmt zu und die Wellen werden höher. Als Windstärke 8 in der Anzeige erscheint, reffen wir das 2. Mal. Das Schiff lässt sich jetzt wieder besser steuern, auch werden wir nicht langsamer.
Angelika und Andreas wechseln sich am Steuer ab. Wir umsegeln die 5 Inseln um das Kap, obwohl das fünf Meilen mehr sind. Sicher ist sicher, wer weiß, was in der Düse zwischen den Inseln passiert.
Mit 11,5 Knoten erreichen wir die Spitzengeschwindigkeit. Die Wellen sind über 3 Meter hoch und kommen achterlich. Am Ende segeln wir in 5 Stunden 40 Seemeilen
Nach einer Q-Wende, kommen wir langsam unter Landschutz. Erst durch die Inseln und dann durchs Festland. Plötzlich wird der Wind abgeschaltet und wir dümpeln vor Cavus Limani, der uns bereits bekannten Bucht. Schnell beschließen wir, diese anzulaufen.
Da wir noch Proviant benötigen, blasen wir das Beiboot auf, doch wieder weht der Wind in der Bucht ziemlich stark.
Abends um 8 – Windstille. Erst wird gebadet, danach fahren die Männer mit dem Beiboot einkaufen. Als das Beiboot zurück ist, bläst der Wind wieder mit Windstärke 7 in die Bucht, vom Land kommend.
Unser Anker hält nicht, wir müssen uns wieder unter die Felsen verholen. Hier verbringen wir die Nacht.

7. Tag

Zwei Tage bleiben uns noch. Da wir zweimal hintereinander geankert haben, werden wir heute in der Marina in Kemer anlegen.
Promenadensegeln an der türkischen Riviera. Wir setzen den Spinnaker und „schweben“ mit ihm drei Stunden lang in den Norden. Als der Wind zu stark wird, holen wir ihn ein und segeln in die kleine “Moonlight” Bucht südlich vom Hafen. Dort ankern wir vorm Club Med, baden und beobachten das lustige Treiben auf dem Wasser. 18.00 Uhr lichten wir den Anker und legen ohne Motor los. Ein schönes Manöver!
Es sind nur noch 1,5 Meilen bis zum Hafen.
Wir essen wieder im Navigator-Restaurant. Bei der Bestellung geht allerdings Einiges schief. Statt einer Vorspeisenplatte werden uns sage und schreibe sieben serviert. Da hat der Kellner die Bestellung nicht durchdrungen. Glücklicherweise können wir die Hauptgerichte wieder abbestellen.
Keiner von uns hatte zuvor so viele Vorspeisen gegessen. Es ist trotzdem gut.
Andreas empfiehlt unserer Diskocrew das „Red Room“, die angeblich angesagteste Disco hier. Enttäuscht kommt sie zurück, da diese Disko pleite gemacht hat.

8. Tag

Unser letzter Segeltag. Wir wollen zeitig los, weil die Crew noch die Altstadt in Antalya unsicher machen möchte.
Halb neun laufen wir aus, setzen Segel setzen und gleiten bei Windstärke 2 und knapp 2 Knoten dahin.
Jetzt muss wieder der Spinnaker ran, sonst kommen wir heute nicht mehr ans Ziel. Damit geht es gut mit 4 Knoten. Wind nimmt zu. Bei 4 Beaufort segeln wir jetzt mit 7,5 Knoten und Antalya kommt schnell näher.
Nach 3,5 Stunden kommt eine Gewitterfront aus den Bergen. Der Spinnaker muss weg. Es blitzt und donnert und ein paar Tropfen fallen. Doch wir kommen trocken in den Hafen.
Angelika fährt das letzte Anlegemanöver und wir sind wieder da.
233 Seemeilen zeigt das Log am Ende unseres Törns an.

Heute erfährt Andreas noch, dass er bald Großvater wird. Da verfliegt die Wehmut über den zu Ende gegangenen Segeltörn und es kommt Freude auf. Ein Grund zum Feiern.

Das machen wir beim Abendessen in einem alten Hotel. Ein Rundgang durch die Altstadt, am alten Hafen vorbei, dann bricht die letzte kurze Nacht auf der Orion an.

Bis zum nächsten Mal! In der Zwischenzeit können wir uns ja die 800 Fotos von Brigitte ansehen.

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1. Tag

Wer reist wird viel erleben. Mit einem Segelboot im Mittelmeer zu reisen klingt unspektakulär, denkt man doch immer an schönes Wetter.
Unser Schiff, die „Orion“ liegt in Antalya und von hier wollen wir nach Zypern reisen.
Die Insel umrunden wollen wir nicht, da das allein 400 Seemeilen sind. Die Windsituation wird das einfach nicht hergeben und motoren wollen wir nur im äußersten Fall.
Segler haben meist nicht den richtigen Wind. Entweder er ist zu schwach, zu stark oder kommt nicht aus der optimalen Richtung. Die ungünstigste Variante ist zu schwach und nicht aus der richtigen Richtung.
Auf Nachtfahrten wollen wir möglichst verzichten, da man am Tage bei Temperaturen von über 40 Grad nicht so toll schlafen kann.
So entschließen wir uns, an der türkischen Riviera ostwärts zu segeln, danach in den türkischen Teil von Zypern und dort einen Hafen anlaufen.

Wir starten morgens in Antalya. Nach ein paar Manövern unter Motor, um alle Systeme zu testen, setzen wir Segel und es geht mit gutem Südostwind ostwärts.
Wir genießen die türkische Riviera mit den zahlreichen Hotels, welche nach unterschiedlichen Motiven errichtet wurden. Die Berge im Hintergrund, die allesamt zum Taurusgebirge gehören, runden die Kulisse ab.
Wir können das wirklich genießen, denn von See sieht so ein Hotel nicht bedrohlich aus. Immerhin verbringen dort Menschen ihren wohlverdienten Pauschalurlaub.
Das ist nicht unser Ding aber es stört uns nicht.
Nachmittags schläft der Wind ein bzw. er weht nur noch schwach und kommt aus Ost, das bedeutet kreuzen und sehr langsam vorwärtskommen. Unser erstes Ziel Alanya werden wir deshalb teilen müssen und entschließen uns für die Ankerbucht Side 40 Meilen östlich von Antalya.
Der Wind dreht dann doch wieder südlich und wir können bei langsamer Fahrt unseren Badehunger stillen. An unserer Spinnakerschwimmleine macht das Spaß und sorgt für die notwendige Kühlung.
Gegen 19 Uhr erreichen wir die Bucht unter Segeln und ankern mit anderen Schiffen auf ca. 5 Meter Wassertiefe.
Die Bucht bietet ein beeindruckendes Panoptikum von allen Fun Watersports:
Jetski, Gleitboote, geschleppte Wasserfahrzeuge von denen durch das Zugboot versucht wird, die Mitfahrer durch Fahren enger Kurven abzuwerfen. Parasailor und ein Ultraleichtflugzeug geben der Geräuschkulisse das gewisse Etwas.
Mit Einbruch der Dunkelheit zieht erst einmal Stille ein. Doch jetzt sind die Diskos dran. Deren Stehvermögen und natürlich das der Besucher ist beachtlich. Da wir unser Schlaflager nach draußen verlegt haben, bekommen wir von alledem einen stabilen Eindruck. Die Kulisse mit der alten beleuchteten Festung runden diesen ab.
Wir entdecken das An-Deck-Schlafen und genießen es.

2. Tag

Nach Alanya sind es etwa 40 Seemeilen. Wir laufen kurz nach 6 Uhr aus, setzen Segel, frühstücken auf See und spannen unsere Persenning als Sonnenschutz flach über das Cockpit, damit sie uns bei den Manövern nicht mehr als nötig behindert. Ständig der Sonne bei 40 Grad ausgeliefert zu sein ist irgendwie auch gefährlich, obwohl man die Hitze nicht so direkt mitbekommt.
Der Wind dreht auf Ost und wir müssen an die Kreuz. Damit werden aus den 40 Meilen ungefähr 60. Gegen 14 Uhr motoren wir, da der Wind einschläft. Die Zeit davor nutzen wir wieder zum ausgiebigen Baden auf hoher See an unserer Schwimmleine bei 1 bis 2 Knoten Fahrt.
Die Kulisse ist, bedingt natürlich durch die Berge, faszinierend.
Langsam verlassen wir den Westtaurus und begeben uns in den Ostteil. 15 Uhr kommt der Wind wieder und weht schwach aus Süd. Wir können wieder segeln und baden, da es sehr langsam vorwärts geht.
18 Uhr machen wir den Motor an, räumen das Schiff auf und erreichen 19 Uhr Alanya. Im neugebauten Yachthafen eine Meile westlich der alten Festung machen wir fest. Alles ist noch etwas steril, zum Teil werden noch Läden gebaut aber der Service ist in Ordnung. Der Hafen befindet sich außerhalb von Alanyas Zentrum das etwas weiter östlich liegt.
Da uns am 2. Tag unser viel gepriesener und nicht billiger Computer im Stich lässt, benötigen wir noch etwas detailliertes Kartenmaterial und weitere Informationen.
Durch den Erwerb des neuesten Revierführers erfahren wir, dass die etwas vernachlässigte östliche Region in den letzten Jahren aufgeholt hat.
Bemerkenswert ist auch noch, dass wir bis jetzt kein einziges segelndes Boot gesehen haben. Wir glauben also die Einzigen zu sein, die so einen Trip wagen.
Wir lassen den Tag ausklingen und genießen wieder draußen schlafend die Nacht.

3. Tag

Gegen 10 Uhr laufen wir aus. denn wir wollen nur bis Gazipascha etwa 30 Seemeilen östlich von Alanya.
Mit dem neuen Informationsmaterial planen wir um, denn ursprünglich wollten wir von Alanya direkt nach Zypern gehen, was mindestens eine Nacht auf See bedeutet hätte. Mit jeder Minute östlicher Reise verkürzt sich die Überfahrt.
Außerdem spricht der beständige Ostwind dagegen.
Der Tag verläuft unspektakulär mit viel Badespaß und unzähligen Kreuzschlägen. Wieder ist uns kein einziges segelndes Schiff begegnet.
Wir laufen gegen 18 Uhr in Gazipascha ein. Festmacher gibt es nicht und wir ankern mitten im Hafen mit zwei weiteren Segelschiffen.
Nach einem köstlichen Abendessen an Bord, blasen wir mit unserem Kompressor das Beiboot auf und gehen auf Landgang.
Der Ort besteht aus einem schönen Strand, einigen Häusern, einem kleinen Hafenkiosk mit ca. 4 Quadratmetern Verkaufsfläche und vielen Fischern, die unermüdlich arbeiten.
Eine beleuchtete Burgruine runden das Ambiente ab.
Wir planen noch den nächsten Tag und entschließen uns, noch weiter nach Osten zu gehen, um das berühmte Kap Anamur mit einem der weltbekannten Leuchttürme zu runden.

4. Tag

Vor uns liegen 44 Meilen und der Wind soll vorerst weiter aus östlichen Richtungen wehen. Das bedeutet wiederum zeitig Anker lichten.
Das Beiboot verstauen wir auf dem Vorschiff. Kreuzen und guter Wind von 4 bis 5 Beaufort lassen das Baden heute vorerst kurz kommen. Gegen 16 Uhr, etwa 8 Meilen vor Kap Anamur schläft der Wind plötzlich ein und wieder siegt die Badelust.
Doch eine halbe Stunde später kommt Rasmus plötzlich aus dem Westen und zwar mit 5 bis 6 Windstärken, in Böen sind es sogar teilweise 7.
Das bedeutet, platt vorm Laken bei 8 bis 9 Knoten surfen und hart arbeiten. Die Fock baumen wir aus und setzen den Bullenstander, um bei einer drohenden Patenthalse größeren Schaden zu vermeiden.
Jetzt macht uns das auf dem Vordeck liegende Beiboot die Arbeit schwer. Die alte Regel: Mache immer das was du machen musst, auch wenn es noch so schwerfällt, bestraft uns. Das Boot aus dem Weg räumen ist jetzt strapaziös aber der Geschwindigkeitsrausch lässt uns diesen Stress schnell vergessen. Und wir werden unser Ziel wieder segelnd erreichen entgegen allen Wahrsagungen einschlägiger Revierkenner, die uns einen motorsegelnden Trip vorhergesagt hatten. Vielleicht unterscheidet uns unsere Geduld von denen.
Übrigens waren wir wieder die Einzigen in unserem Sichtkreis!
Doch zurück zum Segeln. Kap Anamur erreichen wir gegen 17.30 Uhr. Der Leuchtturm mit dem Leuchthaus ist in den Felsen gebaut. Ein faszinierendes Bauwerk. So ist es oft beim Segeln, genießen und arbeiten gleichzeitig, das haben wir gelernt. Jetzt müssen wir halsen. Da wir wissen, dass dieses Manöver bei mehr als 5 Windstärken eine Materialschlacht ist, entscheiden wir uns für die Q-Wende, die „Weicheimethode“. Sie schont aber das Material und führt letztlich zum gleichen Ergebnis, das Heck durch den Wind zu bringen.
Das Manöver gelingt. Die Fock müssen wir nicht schiften, da der Wind jetzt etwas vorlicher über Backbord einfällt.
Wir bereiten uns schon auf das Manöver des Segelbergens unter diesen Wind- und Wellenbedingungen vor, die Wellenhöhe beträgt jetzt ca. 2 Meter, als 3 Meilen vorm Hafen plötzlich der Wind wieder einschläft und, kein Scherz, wir können noch einmal baden!
Nachträglich erfahren wir, dass dieses Kap Anamur für diese Gegebenheit bekannt ist und auch seinen Namen danach erhielt. Anamur kommt von Anemo, was Windrose bedeutet.
Wir laufen als einziges Segelschiff in den Hafen ein, wo uns der Hafenmeister schon sehnsüchtig und Arme schwingend erwartet. Wir gehen längsseits an die verlassene Pier und liegen wieder wunderschön mit tollem Ambiente in Bozyazi.
Später fährt uns der Hafenmeister, der von Beruf eigentlich Taxifahrer sein will, dessen Taxi sich aber infolge eines technischen Defekts in einer Werkstatt befindet, weil ein spezielles Teil fehlt, mit einem 20-Personen-Bus, der höchstens noch 30 km/h fährt, was bei der bergigen kurvenreichen Strecke auch genug ist, nach Anamur in eine stilvolle Kneipe. Wir essen fürstlich und lassen hier den Tag ausklingen.
Wir wollen auch nicht vergessen, dass wir uns hier in anderen Kulturen bewegen, deren Bauwerke teilweise 3000 Jahre alt sind. Können wir doch nur auf eine Kultur von ca. 1000 Jahren zurückblicken. Wer weiß, was bei uns in 2000 Jahren abgeht…
Morgen werden wir den Sprung nach Zypern wagen. Nur noch 50 Meilen bis dahin, die darauf warten, gesegelt zu werden. Vom Festland aus auf eine Insel zu fahren ist immer ein besonderes Erlebnis.

5. Tag

Kurz vor 6 aufstehen, Schiff waschen, Wasser bunkern und ablegen. Nach 15 Minuten unter Motor Segel setzen. Der Wind ist gut, er kommt aus Ost mit 4 Stärken. Das haben wir einer Wärmegewitterfront zu verdanken, die sich etwa 2 bis 3 Seemeilen östlich von uns entfaltet. 3 Stunden können wir von diesem Schauspiel profitieren, dann wird der Wind weniger und dreht ganz langsam über Nord nach West. Die Stärke pendelt zwischen 2 und 3. Damit machen wir 3 bis 4,5 Knoten Fahrt und können segeln. Wir baden ausgiebig und freuen uns, dass wir beim Queren der Schifffahrtslinien keine Kollisionen befürchten müssen, da die Frachter wirklich ausweichen. Es ist 16 Uhr, nun müssen wir rechnen. Bis 20 Uhr ist es hell, also haben wir noch 4 Stunden für 20 Meilen. 4 Knoten Fahrt sind dafür zu wenig.
Was ist eigentlich mit unserem Spinnaker? Der ist neu, hat viel Geld gekostet und sogar einen Bergeschlauch, eine Einrichtung mit der man das große Tuch vom Vordeck aus beim Setzen und Bergen komfortabel bändigen kann. Er befindet sich seit 3 Monaten an Bord. Fürs Spi-Segeln, zumal dieser noch nie gesetzt wurde und wir nicht genau wissen ob er passt, benötigt man eigentlich 3 Personen. Nun gut, der Autopilot ersetzt eine, aber, passt er überhaupt? Also los geht’s. Doch das Beiboot liegt immer noch auf dem Vorschiff. Kompressor raus, abgepumpt und verstaut. Eine Sache von 10 Minuten! Verdammt, das dürfen wir uns nicht wieder antun.
Alles funktioniert und weitere 10 Minuten später ziert der Ballon unser Schiff. Noch ein paar Trimmeinstellungen und alles ist optimal. Gespannt schauen wir auf die Logge…3,5…4…4.3…..4,8…zwischen 5,0 und 5,2 Knoten pegelt sie sich ein. Wir freuen uns als hätten wir etwas erfunden. Also das können wir jetzt unter Segeln schaffen. Die Sicht ist durch die hohe Luftfeuchtigkeit stark eingeschränkt. Es sind kaum mehr als 4 Seemeilen. Somit müssen wir uns für den Ruf „Land in Sicht“ lange gedulden.
Gegen 18.30 Uhr ist es dann soweit, die gewaltige Bergkulisse, es sind immerhin knappe Zweitausender und viele Lichter tauchen aus dem Dunst.
Wir segeln bis kurz vor die Hafeneinfahrt. Dann muss alles schnell gehen. Den Spi haben wir schon vor 20 Minuten geborgen.
Doch was ist das? Der bereits laufende Motor geht aus. Bis zur Einfahrt in den alten Hafen mit der imposanten Kulisse, sind es noch 100 Meter…
Angelika setzt schnell die Fock, somit können wir wieder segeln und sind manövrierfähig. Ich gehe in den Motorraum. Der Anlasser ist wie blockiert, doch es ist nicht der Anlasser, es ist diese vollelektronische Anlasseinrichtung, EVC genannt. Ich habe es immer mit solider Elektromechanik gehalten. Diese Steuerung war mir seit Lieferung suspekt. Immerhin sind der Motor und alles drum herum neu. Das Telefonat mit dem Hersteller am nächsten Tag bestätigt meine Feststellung: die EVC-Einheit muss ausgetauscht werden – ein Serienfehler….
Nach 10 Minuten haben wir die Sache im Griff und der Motor läuft wieder zuverlässig. Fock runter und rein in den alten Hafen von Kyrenia, türkisch auch Girne genannt. Die alte Burg, der Hafen, die Schiffe – einfach überwältigend. Das muss man gesehen haben, da es nicht zu beschreiben ist und es würde den Rahmen meines kleinen Berichtes sprengen. Die Geräuschkulisse ist aber ebenfalls atemberaubend und so empfinden wir es nicht als unangenehm, dass kein Platz für uns frei ist und wir in den Commercial Harbour, indem sich auch der Yachthafen befindet, einlaufen müssen. Der unglaublich beflissene Hafenmeister hilft uns am einzig freien Platz festzumachen, weist uns aber darauf hin, dass wir noch zur Polizei im Fährterminal zum Einklarieren müssen, die Polizeistation aber erst gegen 23 Uhr wieder besetzt ist.
Der Weg zur Polizei führt uns an einigen besetzten, aber klimatisierten und mit Vorhängeschlössern gut gesicherten Gefängniszellen vorbei direkt zum Terminal. Durch die Gitter können wir sogar einige schlafende Gefangene sehen.
Schon stehen wir vor dem Polizisten, ein unglaublich schöner Mann, wie Angelika findet. Er zaubert uns einen riesigen Stempel in den Pass und die Nacht kann beginnen.

6. Tag (1. auf Zypern)

Wir wollen Zypern entdecken.
Nach dem Frühstück geht es zum Hafenbüro indem uns eine Frau betreut, die mindesten noch schöner ist als der schöne Polizist von gestern Nacht, wie ich finde.
Die schöne Frau offeriert uns als erstes, dass der schöne Polizist, wahrscheinlich von Angelikas oder der eigenen Schönheit so geblendet war, dass er uns diesen Stempel versehentlich in den Pass gemacht hat und wir damit auch wenn wir noch so schön sind, Probleme vor allem im griechischen Teil, denn die Insel ist politisch geteilt, haben werden.
Also der Stempel muss wieder raus und wir wieder zur Polizei.
Diesmal empfangen uns mehrere Polizisten, die nicht so schön sind wie der von gestern Nacht, aber die sich dafür etwas besser auskennen. Zwar gibt es unterschiedliche Auffassungen über das Entfernen, was darin gipfelt, dass man uns in die Hauptstadt nach Nikosia schicken will, aber es dann doch bei einem sehr einfachen, gestempelten „Cancelled“ belässt.
Verbal bekommt der „Schöne Polizist“ von gestern Nacht keine besonderen Kritiken, was wiederum zeigt, dass es schöne Menschen auch schwer haben können. Nun vielleicht wird er demnächst versetzt an eine Schule für schöne Polizisten und kann dort seine Stempelerfahrungen weitergeben.
Dem Wunsch meinerseits, das „Cancelled“ mit einer Unterschrift zu versehen, wird stattgegeben.
Der Stempel gehört jedenfalls auf ein kleines Blatt Papier „White Paper“ genannt, welches wir immer mitführen müssen.
Inzwischen hat die noch schönere Frau im Hafenbüro auch einen nicht ganz so schönen Mietwagen für uns organisiert.
Nach einiger Wartezeit, die wir im Büro der Schönen mit Internetsurfen verbringen, kommt der Wagen, ein Ford Mondeo Kombi, was aber keine Rolle spielt. Vielmehr aber die Tatsache, dass das Lenkrad rechts eingebaut ist und somit der Fahrer auch rechts sitzen muss, was wiederum darauf hindeutet, dass hierzulande auf der linken Seite gefahren wird. Nun ja, wir lernen….
Wir fahren als Erstes, natürlich auf der linken Straßenseite, zu einem Badestrand, kühlen uns ab und lassen den Tag im alten Hafen mit dem atemberaubenden Ambiente ausklingen.
Natürlich schlafen wir wieder an Deck. Die Musik stört uns schon lange nicht mehr. Der Mond, das beleuchtete Hilarion Kastell, welches wir von unserem Schlafplatz beobachten können und die ein- und auslaufenden Fähren gehören nun zu unserem Leben.

7. Tag (2. auf Zypern)

Wir fahren nach Nikosia. Das sind etwa 40 Kilometer durch bergiges Land. Wie gesagt, das Land ist geteilt, was auch für die Hauptstadt gilt. Der türkische Teil ist eine eigene Republik, die Türkische Republik Zypern. Der andere Teil steht unter griechischer Verwaltung, ist aber ein eigenständiges Land. Die Teilung hat eine politische Geschichte, auf die ich hier nicht weiter eingehen will. Die Türken sind damit ganz glücklich, die Griechen wohl weniger, da Ihnen die schönen Nordstrände fehlen.
Es gibt, übrigens auf beiden Seiten nur unscheinbare Hinweise auf die Grenzübergänge. Wir suchen uns einen Parkplatz und pilgern durch Nikosia. Es ist trotz der Teilung eine interessante Stadt.
Am Grenzübergang in den Südteil holen wir uns den Stempel auf unser „White Paper“ und besuchen den griechischen Teil.
Der Unterschied liegt vor allem in der Religion. Die eine lässt sich eben von der anderen nicht gern unterdrücken.
Dieses Problem haben dann die Türken auf ihre Art und Weise gelöst.
Der Grenzübergang selbst erinnert an DDR-Zeiten. Es geht aber ziemlich entspannt zu.
Im griechischen Teil sitzen wir in einem Straßencafe und trinken Orangensaft im türkischen gehe ich zum Friseur, meine schönen Locken legen lassen, während Angelika shoppt. Mit dem Auto wollen wir noch nach Famagusta an der Ostküste, im türkischen Teil der Insel.
Eine schöne alte Stadt, nur der Hafen ist nicht mit in dieses Ambiente eingebunden.
Bemerkenswert ist noch eine alte romanische Kirche, mit einem Minarett kombiniert. Das nenne ich religiöse Toleranz….
Durch die Berge zurück an die Nordküste nach Kyrenia führt uns unser Weg in unsere „Orionheimat“. Die Bergpässe mit dem Auto zu bereisen ist immer eine Herausforderung. So ungefähr auf dem höchsten Punkt, versagt der Motor unseres Fords plötzlich den Dienst. Wir erinnern uns gleich an den Spruch: „Mit dem Ford fort – mit dem Zug nach Hause…“, können darüber aber dann doch schnell wieder lachen, da wir das Gefährt wieder zum Laufen bringen.
Ein Abendessen wieder im alten Hafen von Kyrenia rundet auch diesen Tag ab.

8. Tag (3. auf Zypern)

Mein Bericht beschreibt heute nicht so sehr die Landschaft, sondern mehr die Erlebnisdetails. Wir finden sie so spannend, dass sie einfach unter dem Motto „Wenn’s läuft, dann läuft’s“ festgehalten werden müssen.

Heute wollen wir mit dem Auto den Südteil bereisen und die Städte Larnaka und Limassol besuchen.
Zeitig aufstehen, frühstücken und los.
Die Strecke nach Nikosia kennen wir ja bereits, nun geht es darum, den Grenzübergang für Fahrzeuge zu finden. Das ist nicht einfach, da die Hinweise dazu auf türkischer Seite ziemlich spärlich sind. Später wissen wir, es ist auf der griechischen noch extremer, da die Griechen die zyprisch-türkische Republik bekanntlich nicht anerkennen.
Es soll ein spannender Tag werden, deshalb werde ich mich in meiner Berichterstattung auf das Wesentliche konzentrieren.
Nachdem wir den Checkpoint nach mehreren Anläufen finden, das Grenzprozedere. Auf türkischer Seite keine Kontrolle. Auf griechischer fragt man uns nach der Versicherung für den Ford. Das ist eine spezielle Police, welche man im griechischen Teil haben muss. O.K. – haben wir nicht. Dann verkaufen sie uns bitte eine. Geht nicht, da das Büro nur von Montag bis Freitag geöffnet ist und heute ist Sonntag. Gibt es keine Möglichkeit? Nein, keine.
Was können wir machen?
1. Auto stehen lassen und neues Auto mieten.
2. Auto stehen lassen, mit dem Bus zur Zentralstation und von dort mit dem Bus nach Limassol
3. umkehren und den türkischen Teil der Insel bereisen.
Da sich eine Bushaltestelle unmittelbar an der Grenzstation befindet, entschließen wir uns für eine Kombination aus 1.und 2.
Der Busfahrer begrüßt uns mit einem politisch motiviertem: „Welcome to Cyprus!“ Da stellt sich uns die Frage: Wo waren wir denn bis jetzt?
Wir fahren also zur Zentralstation und versuchen hier ein Mietauto zu bekommen. Alles geht hier ziemlich chaotisch zu und vor unserer Nase schnappt uns gerade einer den letzten freien Wagen weg. Die nächste Autovermietung hat geschlossen.
Verzweifelt fahren wir nun doch mit dem Bus. Der Bus ist neu und klimatisiert. Wo wollen wir denn eigentlich hin? Natürlich nach Limassol. Wir denken: ein Stadtzentrum wird es schon geben und dort wird der Bus schon hinfahren.
Der Bus fährt aber entlang der gesamten Küstenstraße, welche etwas an Piräus erinnert. Zuletzt sitzen, wie wir später wissen, nur noch eine Malteserin, eine Israelin und wir beide im Bus und die Umgebung an der Strecke wird immer industriemäßiger. Schließlich bleibt der Bus im Industriehafen stehen und wir schauen dumm drein. Der Versuch, ein Taxi zu chartern schlägt fehl, da gibt es hier keins und der Bus fährt erst in zwei Stunden zurück!
Glücklicherweise klärt uns ein philippinische Matrose über die Verkehrssituation auf. In 10 Minuten soll ein Stadtbus fahren. Das ist aber nicht so sicher, es kann auch eine Stunde dauern. Es ist heiß und rund herum nur Beton.
Wir verbünden uns mit den zwei jungen Damen und kommen dann nach ca. 40 Minuten, nachdem uns der Stadtbusfahrer noch 20 Minuten im heißen Beton warten lässt, während er sich mit dem anderen aus seinem klimatisierten Cockpit unterhält, mit dem Bus doch noch ins Zentrum und trennen uns von ihnen.
Was machen wir? Erst mal an den Strand, abkühlen. Wenn treffen wir dort? Die Malteserin. Sie erzählz uns, dass sie in Nikosia arbeitet, weil man dort mehr verdient als auf Malta.
Schließlich machen wir doch noch einen Stadtrundgang. Die Wiesen der Uferpromenade sind belagert von Hunderten oder gar Tausenden von Flüchtlingen aus den asiatischen Raum. Alle sind gut gekleidet und stören eigentlich nicht. Auch die Stadt ist voll mit ihnen. Leider müssen wir 15.45 Uhr an einer bestimmten Haltestelle sein, da der letzte Bus nach Nikosia gegen 16 Uhr fahren soll.
Das klappt. Der Bus kommt etwas später, ist aber ein 20-Sitzer, wie der des Taxifahrers in Bozyazi und etwa in dem gleichen technischen Zustand. Die Klimaanlage funktionierte früher einmal. Da alle Fenster geöffnet sind, gibt es nur bei Stoppeinlagen einen enormen Hitzestau, so dass man die Luft anhalten muss, bis es weiter geht.
Erstaunlich ist noch festzustellen, dass nach weiteren drei Haltestellen alle Sitzplätze besetzt sind und niemand mehr mitgenommen wird. Der Bus hält dann an und erklärt den Wartenden dass nichts mehr geht. Sehr anständig…
Jetzt wissen wir auch, warum wir unbedingt an dieser Haltestelle sein mussten…
Allerdings hatten wir bereits mit der Malteserin vereinbart, gemeinsam mit dem Taxi zurück zu fahren, wenn etwas schief gehen sollte.
Schließlich gelangen wir nach Nikosia zur Zentralstation. Nun müssen wir nur noch mit dem Stadtbus zur Grenzstation, wo unser Auto wartet.
Der Busfahrer, übrigens der gleiche, der uns am Morgen fuhr, kennt die Station nicht mehr und will auch nicht mehr wissen, dass er uns am Morgen schon mitgenommen hatte und fährt los.
Als alle Fahrgäste den Bus wieder verlassen haben, bedeutet er uns, dass auch wir aussteigen sollen. Ich übe gehörigen verbalen Druck auf ihn aus. Plötzlich stellt er das Gefährt in einer ziemlich verlassenen Gegend ab, nimmt seine Kasse, steigt aus dem Bus, verschließt ihn von außen und haut ab…
Bevor wir realisieren was abläuft, sind wir in einem Bus gefangen.
Was tun? Scheibe einschlagen? Nach kurzer Inspektion betätige ich die Notentriegelung der Vordertür, ich öffne die Plombe, entlüfte den Federspeicher und ziehe die Tür auf. Wir sind draußen – und erst einmal erleichtert.
Der Busfahrer hat sich in der Zwischenzeit vielleicht 200 Meter vom Bus entfernt.
Da er ja im Moment unser einziger sozialer Ansprechpartner ist, entschließe ich mich, die Verfolgung aufzunehmen. Mit einer Laufeinlage, die mich an meinen Marathonlauf in New York erinnert, komme ich ihm näher. Als er das mitbekommt, rennt er als ginge es um sein Leben. Die Situation ist grotesk.
Angelika bewacht in der Zwischenzeit den verlassenen aber offenen Bus.
Plötzlich kommt Polizei, die wahrscheinlich von einem PKW-Fahrer, den der Busfahrer in seiner Verzweiflung stoppte, gerufen wurde und noch so ziemlich alles was Rang und Namen hat, auch von der Busverwaltung.
Wir klären die Polizisten über die Situation auf. Die Polizei erklärt uns wiederum, dass es ein Problem zwischen Türken und Griechen gibt. Das erscheint uns unlogisch, denn dieses hier liegt eindeutig auf griechischer Seite.
Der Busfahrer, der sich inzwischen wieder an der Basis eingefunden hat, wird in die Mangel genommen und muss wieder in den Bus. Für uns wird ein Taxi bestellt, das uns zur Grenzstation bringt.
Die Rückreise mit unserem Ford verläuft dann problemlos, nachdem wir auf Anweisung des griechischen Grenzpersonals dann doch noch einen Schlenker durch griechisches Territorium, ohne gültige Versicherung, machen müssen, um wieder in die Spur zu kommen. Eigentlich sind wir froh, wieder im türkischen Teil zu sein. Angelika arbeitet den Tag nochmals auf und wir haben noch tagelang viel Spaß damit. Sie hat noch nie in Ihrem Leben einen flüchtenden Busfahrer gesehen.
Übrigens gab ich die Verfolgung auf, weil ich ihn ja hätte verprügeln müssen, um glaubwürdig zu bleiben. Der Gerechtigkeit halber hätte ich dann auch noch den Busfahrer der uns in den Industriehafen fuhr und den Stadtbusfahrer, der uns 20 Minuten in der Hitze stehen ließ und sich aus dem klimatisierten Cockpit seines Busses, mit dem anderen Verprügelungsreifen unterhielt, verprügeln müssen. Das wollte ich uns ersparen, aber es war ja auch so schon erlebnisreich genug.
Der Abend verläuft wie fast immer. Essen im Yachthafenrestaurant, indem man auch zollfrei einkaufen kann.
Wir wollen noch einen Tag länger bleiben und informieren die Mietwagenfirma darüber. Vielleicht fahren wir noch einmal mit Versicherung über die Grenze…
Abends kommt dann der Agent der Mietwagenfirma, um den Mietvertrag zu verlängern.
Im Gespräch über unser Vorhaben erfahren wir dann, dass wir mit diesem Wagen die Reise in den griechischen Teil aus versicherungsrechtlichen Gründen hätten gar nicht antreten dürfen… welche Kausalitäten!
Wir machen unseren Entschluss rückgängig, geben das Auto ab und wollen den nächsten Tag in Kyrenia verbringen.
Was für ein Tag.
Der Abend wird lang, bevor wir einschlafen können. Müssen wir doch das Erlebte noch aufarbeiten.

9. Tag (4. auf Zypern)

Wir bereiten uns auf die Rückreise vor, ruhen uns aus und kaufen noch etwas ein.
Dann gehen wir zeitig schlafen, denn wir wollen gegen Mitternacht auslaufen.
Es soll guten Wind aus West bis Nordwest geben. Damit können wir wieder nach Bozyazi zurück, oder wenn wir die Höhe nicht halten können, nach Aydincik gehen.
Abendessen in der Yachthafenkneipe.
Reminiszierend finden wir die türkische Seite von Zypern etwas gemütlicher und auch die Menschen etwas entspannter.
Da ich auch schon in Griechenland arbeitete und Projekte mit verschiedenen Teams verwirklichte, bestätigt sich mein Eindruck, dass die Türken besser zu uns passen als die Griechen. Aber auch das hat bestimmt etwas mit Kultur und Religion zu tun.

10. Tag

0.00 Uhr ist Ablegen. Wir sind hoch motiviert und haben uns vorbereitet. Beim Auslaufen fällte die Backbordlaterne aus. Früher konnte man noch eine Glühlampe wechseln. Jetzt haben wir LED und den Salat.
Wir setzen Segel und merken bereits an der Dünung, dass uns Einiges bevorsteht.
Und so ist es. In so einem Moment fällt dann noch die neue Instrumentenbeleuchtung aus. Alles ist automatisch und sensorgesteuert…
Wenigstens die Magnetkompassbeleuchtung funktioniert und der Autopilot. Außerdem haben wir eine schöne Maglite-Taschenlampe.
Der Wind kommt mit 5 aus Nordwest und wir können Bozyazi nicht ganz halten. Die Sicht ist unheimlich gut, ich schätze 30 Kilometer.
Der Wind wird stärker und dreht langsam auf West und wir reffen. Jetzt segeln wir besser. In Böen sind es jetzt 7 und die Wellen kommen über. Eine überspült das Schiff und wir sind komplett nass. Das passiert dann noch mehrmals. Das ist aber nicht schlimm, da es warm ist. Die Temperatur beträgt etwa 30 Grad und das nach Mitternacht. Da das Wasser die gleiche Temperatur hat, ist es fast wie entspanntes Baden….
Mit 7 bis 8 Knoten kommen wir sehr schnell voran und gewöhnen uns an die Bedingungen.
Nach 25 Meilen können wir immer noch das beleuchtete Hilarion Kastell sehen, auf der Festlandseite tauchen die ersten Lichter auf.
Die Schifffahrtslinien haben wir im Griff. Das ist bei der Geschwindigkeit leicht. Der Wind nimmt langsam ab
Mittlerweile können wir auch Kurs auf Bozyazi nehmen und freuen uns schon auf den Hafenmeister.
10 Meilen vor dem Ziel müssen wir ausreffen. Der Sonnenaufgang im Osten entschädigt uns von den Strapazen und wir können an Deck frühstücken.
Mit der letzten Mütze Wind erreichen wir schließlich den Hafen und legen mit Hilfe unseres Hafenmeisters an.
Doch was ist das? Ein weiteres Schiff läuft ein. Eine 20 Meter-Ketsch, übrigens bekannt aus der Celebi-Marina in Antalya. Hat aber den Hafen gewechselt und liegt mittlerweile in Finike.
Diesmal kochen wir selbst und unser Hafenmeister ist ein bisschen sauer, kann aber die Crew der Ketsch überreden, mit seinem Bus zur nächsten Kneipe zu fahren.
Sein Taxi sei immer noch defekt. Na ja, vielleicht war es auch nur eine Ausrede.
Nachts kommen dann immer die Angler und belagern die Pier, allerdings sind diese äußerst diszipliniert und tun so als wären sie gar nicht da. Sehr angenehm.

11. Tag

Wir bleiben im Hafen, da der Wind ziemlich stark aus Ost wehen soll.
Wir entspannen und genießen das Ambiente der türkischen Küste.
Touristisch ist hier nicht mehr so viel los wie in Antalya oder Alanya, aber das ist auch sehr angenehm. Die Hotels sind klein und man kann sie an einer Hand abzählen.

12. Tag

Weiter geht es Richtung Westen. Es soll Ostwind geben und wir legen zeitig ab.
Die Dünung ist, infolge des starken Windes vom Vortag und nachts, noch hoch und der Wind kommt schwach aus Ost. Segler wissen, dass das kein Traumsegeln zulässt, da die Segel schlagen, weil der Wind sie nicht voll halten kann.
Wir Motoren bis Kap Anamur und genießen noch einmal das Anamurium, eine alte Ruinenstadt und den Leuchtturm bzw. das Leuchthaus.
Dann setzen wir Segel und versuchen alles. Nach 4 Stunden und 12 gesegelten Meilen werfen wir den Motor wieder an.
Wir laufen 4 Stunden unter Motor und erreichen Gazipascha, unser eigentliches Tagesziel. Doch es ist erst 15 Uhr und was wollen wir jetzt schon im Hafen?
Weiter geht es nach Alanya. Der Wind frischt auf und wir setzen Segel, Großsegel und Spinnaker.
18.30 Uhr schläft der Wind wieder ein. Wir räumen auf und gehen die letzten 7 Meilen unter Motor.
Das war heute unser Motortag: 45 von insgesamt 68 Meilen unter Motor.
Na, dann ist dieser wenigstens auch mal wieder eine längere Zeit gelaufen und wir haben etwas Kraftstoff verbraucht. Die Tanks sind ja noch fast voll.
Alanya begrüßt uns mit Abendstimmung und ein tolles Menü im Yachthafenrestaurant auf der Hafenmole, runden den Tag ab. Das Restaurant hat Gourmetqualität und muss sich hinter unserem Yoma-Hafenrestaurant in Antalya nicht verstecken.
Eine alte Bekannte, die „Summerset“, eine 20 Meter Stahlketsch treffen wir an Land liegend. Dieses Schiff sollte vor einiger Zeit in unserer Werft instand gesetzt werden, der Eigner entschloss sich aber für die aufwändigere Methode.
Ich war deshalb mit Angelika extra in Finike um ein umfangreiches Angebot zu erstellen. Das Eignerehepaar aus der Schweiz trafen wir in Alanya nicht.
Wir schlafen, wie immer, an Deck.

13. Tag

9.00 Uhr laufen wir aus und die Bedingungen sind exzellent. Wind aus 60 Grad von Backbord, Stärke 3 bis 4 ein Traumsegeltag, auch mit Badeeinheiten. Unsere Persenning schützt uns vor direkter Sonneneinstrahlung. Gefrühstückt wird wieder an Deck und wir genießen das Ambiente.
Diesmal wollen wir in den alten Hafen von Side. Schon von weitem sehen wir die Ruinen und wir bereiten uns auf das Einlaufen vor. Mit der letzten Mütze Wind schaffen wir es bis vor die Hafeneinfahrt. Ein auslaufendes Boot deutet uns, wir sollten uns weiter Steuerbord halten. Die Strömung drückt uns aber immer wieder nach Backbord. Beim zweiten Versuch klappt es. Der Hafenmeister erwartet uns bereits Arme schwingend und wir legen mit dem Heck zur Pier und dem Buganker an. Das Manöver ist nicht so leicht, da ziemlich viel Schwell im Hafen steht und die Gulets den Rest erledigen. Jedes Manöver wird von dutzenden Schaulustigen begleitet.
Wir sind in Side, einer Touristenhochburg. So geht es hier auch zu. Anmache an jedem Restaurant. Das blieb uns bisher erspart, bewegten wir uns immer außerhalb dieser Ballungen.
Wir wählen ein Restaurant mit der wenigsten Anmache und siehe da, wir treffen unsere alten Bekannten aus Bozyazi.
Die Nacht wird spannend, denn direkt am Hafen gibt es eine High-Tech-Disco und wir sind so gut wie mitten drin. Mit dem Schiff in einer Disko und es gibt Techno vom Feinsten.
Das wussten wir aber vorher und haben es so gewählt.
Angelika schläft diesmal unter Deck, da sie vor Müdigkeit das Ende der Diskonacht gegen 4.00 Uhr nicht miterleben kann.
Die Aktivitäten im Hafen sind nicht zu beschreiben, deshalb möchte ich es auch dabei belassen.
Das Ambiente ist jedenfalls unschlagbar.

14. Tag

Das sollte der Letzte unserer Reise werde. Wir sind natürlich etwas müde und wollen relaxen, laufen 8.00 Uhr aus, liegen 300 m vor dem Hafen in der Flaute und frühstücken.
Beim Auslaufen bei spiegelglatter See sehen wir dann noch das Problem, welches wir beim Einlaufen nur durch Hinweise bemerkten. Da liegen auf der Backbordseite riesige Steinbrocken, die uns womöglich hätten Schwierigkeiten bereiten können.
Nach einer Stunde kommt der Wind, erst schwach, dann immer stärker und weht schließlich mit 5 und er kommt wieder von Backbord. Damit werden die 40 Meilen zum Kinderspiel. Uns ist so als geht es in die Heimat.
Erst recht beim Einlaufen in die Antalyabucht. Hier kennen wir jedes Haus und die Hotels, da wir in vielen bereits wohnten.
Wir machen noch einen kleinen Abstecher und segeln einige Meilen an der Promenade entlang. Das tun wir meistens, wenn die Bedingungen gut sind.
Im Hafen Segel runter. Das Serviceboot hilft uns beim Festmachen und wir sind wieder da.
Noch nicht richtig festgemacht, kommt der Besitzer des Yachtzubehörmarktes und drängt uns, am nächsten Tag die internationale Regatta mitzufahren. Ein Blick in Angelikas Antlitz und wir sagen innerhalb weniger Sekunden zu.

Insgesamt werden wir 5. und in unserer Klasse 2. Leider war sehr wenig Wind und wir haben am Anfang ein paar gravierende Fehler gemacht, sonst hätten wir wahrscheinlich gewonnen. Doch das gehört sich nicht beim ersten Gastspiel!!

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Von Anett

Törn: Kiel – Aarhus Länge: 159 sm Zeit: 05.07.-10.07.2008 Schiff: Orion
Skipper: Frank Crew: Judith, Thorsten, Andreas (mein Mann) und ich, Anett

Freitag, 4.7.2008

Im Lauf des Nachmittags ruft uns Frank an und teilt uns mit, dass er mit der Orion im Hafen des Kieler Yachtclubs liegt und uns dort morgen gegen Mittag erwartet. Wir wissen damit jetzt, wo unser Törn beginnt. Die Route kennen wir noch nicht, aber das stört uns nicht, weil wir uns freuen, dass es mit dem Törn überhaupt geklappt hat.

Samstag, 5.7.2008

Um 8.20 Uhr holen uns Thorsten und Judith, die auf direktem Weg aus Erlangen kommen, mit dem Mietwagen, einem Skoda Roomster, ab. Der Kofferraum ist bis unters Dach voll mit Taschen und Proviant, und auch die Rückbank macht nicht den Eindruck, als würden dort noch 2 Erwachsene für die 360 km von Berlin nach Kiel Platz finden. Nachdem die verständlicherweise übermüdeten Judith und Thorsten irgendwie doch auf der Rückbank Platz nehmen, wir noch kurz tanken und Richtung Kiel aufbrechen, beginnt trotz Müdigkeit und Konzentration aufs Fahren ein reger Erfahrungsaustausch zwischen den Seglern. Judith und Thorsten sind bereits mit dem SKS dekoriert, meinem Mann steht die Praxisprüfung noch bevor. Für ihn gilt es, in den kommenden Tagen die erforderlichen Seemeilen zu versegeln und so viel wie möglich zu lernen. Klingt anstrengend, aber er freut sich sehr darauf. Ich bin relativ still und gespannt, was mich die nächsten Tage erwartet. Ich versuche meine Gedanken an eine mögliche Seekrankheit zu verdrängen.
Nachdem wir zügig durchkommen, erwartet uns Frank schon am Kieler Yachthafen. Gemeinsam mit ihm geben Judith und Thorsten den Mietwagen ab, entsorgen das Leergut und erledigen die letzten Einkäufe. Andreas und ich lösen schon mal das Rätsel der Bettbezüge und genießen dann die Kieler Sonne an Deck der Orion. Nach einer kurzen Einweisung zum Schiff, der Benutzung der Rettungswesten und einer Wiederholung des Webeleinsteks legen wir gegen 15.00 Uhr ab. Wir setzen Segel und nehmen Kurs auf Strande. Vorbei an vielen Seglern – unter anderem begegnen uns die „Gorch Fock“ (leider unter Motor) und zwei America´s Cupper – geht´s die Kieler Förde entlang, vorbei an der Holtenauer Schleuse, der Einfahrt in den Nord-Ostsee-Kanal, und Laboe, dem Marinedenkmal.
Nach 2 Stunden machen wir in Strande fest. Die wichtigsten Handgriffe habe ich mir bei Judith abgeschaut. Ich bin froh, beim Anlegemanöver keinen Fender verloren zu haben und genieße den Anleger. Es war doch tatsächlich noch dänisches Dosenbier an Bord – das musste ich probieren. Während Judith und Thorsten Nudeln mit Gorgonzola-Sauce zubereiten, steht für Andreas und mich Landgang auf dem Programm, aber der Reiz des kleinen Örtchens liegt eindeutig in der Küstenlage. Im Hintergrund sind die Bausünden von Schilksee zu sehen – Plattenbauten, die man überall, aber nicht an dieser schönen Küste vermutet (wer dafür wohl die Baugenehmigung erteilt hat?).
Frank repariert ein Problem am Ruder und ist erleichtert, als nach einigen Stunden alles wieder wie gewohnt funktioniert. K. o., aber zufrieden falle ich in meine Koje und freue mich auf morgen.

Sonntag, 6.7.2008

Alle scheinen guter Laune zu sein und frühstücken ausgiebig mit frischen Brötchen. Als Ziel für heute schwankt Frank zwischen Flensburg und Kappeln in der Schlei – mal sehen, wie sich der Wind entwickelt. Als die Segel gesetzt sind, grüße ich Rasmus mit einem Schluck Portwein und wünsche uns „mäßig Wind und reichlich Sonnenschein“ – ein lustiger Brauch.
Umgeben von schöner Landschaft und frischer Seeluft segeln wir entlang der Küste nach Norden. Die Sonne kämpft sich immer wieder durch, aber wir brauchen auch schon die Jacke vom Ölzeug. Meine Rettungsweste habe ich an und den Horizont fest im Blick. Da der Wind nicht ganz so ergiebig weht, fällt die Wahl auf Kappeln.
Bei Schleimünde lässt der Wind nach, und wir segeln mit 1-2 kn die Schlei entlang. Alle anderen überholen uns unter Motor. Die kommen wahrscheinlich alle von Tages- oder Wochenendtörns zurück und wollen schnell nach Hause. Kurz bevor wir anlegen, erwischt uns dann doch noch ein Schauer, aber unser Skipper legt souverän in der letzten freien Box an. Die Crew ist mittlerweile eingespielt, macht fest und hat sich den Anleger unter Deck verdient. Wir warten bis der Regen nachlässt und genießen dann einen entspannten Abend beim Italiener in Kappeln.

Montag, 7.7.2008

Wir schlafen tief und fest und freuen uns am Morgen über das Wetter, dass sich von seiner besten Seite zeigt – blauer Himmel, Sonne und weiße Schönwetterwolken. Mit klarer Aufgabenverteilung bereiten wir das Ablegen vor und verlassen im Laufe des Vormittags Kappeln. Nachdem wir die Schlei hinter uns gelassen haben, nehmen wir Kurs auf Dänemark, genauer gesagt, den Kleinen Belt. Bei mäßigem Wind trübt sich das Wetter zeitweise ein. T-Shirt und Ölzeug wechseln sich als geeignete Bekleidung mehrfach ab, aber was soll´s: auch diese Launen der Natur machen den Törn ja spannend. Als am Horizont ein Gewitter aufzieht, fängt Frank einen skeptischen Blick von mir auf und antwortet mit einem lockeren Schulterzucken, das wohl „Alles klar. Kein Problem!“ ausdrücken soll. Und tatsächlich – irgendwie bleiben wir von Schlimmsten verschont und segeln zwischen den stärkeren Schauern hindurch, ohne wirklich nass zu werden.
Am späten Nachmittag kommen wir in Aerosund an und erreichen damit unseren ersten dänischen Hafen. Leider ist keine Box mehr frei, so dass wir uns ins Päckchen legen müssen. Im Laufe des Abends legt ein weiterer Segler an unserer Steuerbordseite an. Da sich unsere Koje im Vorschiff befindet, werden wir im Lauf der Nacht noch mehrfach akustisch daran erinnert, dass man fremde Schiffe nicht durchs Cockpit, sondern über das Vorschiff überquert. Judith und Thorsten kochen Pasta mit Gemüse und nach dem Essen beginnt eine heiß umkämpfte Partie „Mensch ärgere Dich nicht!“.

Dienstag, 8.7.2008

Heute werden wir vom Regen geweckt – gleich ein Grund mich noch mal umzudrehen. Andreas geht wie immer Brötchen holen. Daran kann man sich gewöhnen. 10 Minuten später wird plötzlich der Motor gestartet. Als ich an Deck komme, um nachzusehen, was los ist, steht unser Skipper mit müden Augen am Steuer und ist dabei abzulegen. Unsere dänischen Nachbarn hatten kurz zuvor signalisiert, dass sie gleich ablegen wollen, so dass wir das Päckchen „auflösen“ müssen. Als der Däne den Hafen verlässt, legen wir erstmal wieder an und frühstücken in aller Ruhe. Andreas und mir wird bewusst, dass wir bereits Bergfest haben. Judith und Thorsten fahren noch eine Woche länger, aber für uns ist am Donnerstag schon Schluss.
Bis hierher brauchte ich weder meine prophylaktisch besorgten Reisekaugummis, die ich ständig in meiner Brusttasche parat habe, noch meine Akupressur-Armbänder – aber besser „man hat“ als „man hätte“. Nach einigen Blicken in Richtung Himmel gibt Frank die Devise „Ölzeug und Gummistiefel“ aus. Es dauert dann auch nur noch eine halbe Stunde, bis die vereinzelten sonnigen Abschnitte verschwunden sind und uns erste Regentropfen erreichen. Nachdem der Schauer vorüber ist, klart es wieder etwas auf und das Schlimmste ist für heute vorbei.
Wir segeln im Kleinen Belt weiter nach Norden. Ich suche mir achtern meinen Platz an der Reling und genieße die Ruhe – bis die Orion plötzlich krängt und ich den Eindruck habe, auf einmal einen Meter höher zu sitzen, während an der Steuerbordseite das Deck fast ins Wasser gedrückt wird. Frank und Andreas bleiben aber ganz gelassen. „Da gehen noch 20 Grad mehr“ meint Frank. Ich halte mich an der Reling fest und denke, dass mir die Krängung auch so schon reicht. Irgendwann in der nächsten Zeit erwischt uns dann eine Bö mit Windstärke 7 und wir machen kurzzeitig sogar 9 kn Fahrt. Es sollte der Topspeed des Törns bleiben. Für den Rest der Crew scheint das Segeln jetzt erst anzufangen, aber ich bin froh, als wir das flussähnliche Nordende des Kleinen Belts erreichen. Fast wie in einem Binnenrevier segeln wir unter zwei großen Brücken hindurch.
Als wir Fredericia hinter uns gelassen und uns entschlossen haben, Bogense an Fünens Nordküste anzusteuern, springt Frank plötzlich auf und läuft zum Bug. Er hat den Schweinswal als erster gesehen.
Nach diesem aufregenden Segeltag kommen wir in Bogense an und müssen bei ziemlich viel Wind anlegen. Als wir uns zum Landgang bereit machen, kommt die Sonne wieder richtig durch. Wir machen einen Spaziergang durch dieses kleine Städtchen, und ich stelle fest, dass ich mir Dänemark genau so vorgestellt habe: ruhig, beschaulich, bunte Fassaden der Häuser und leckeres Vanille-Softeis.

Mittwoch, 9.7.2008

Für Andreas und mich ist heute der letzte Segeltag. Nachdem wir uns in Bogense mit frischen Schollen versorgt haben, laufen wir am späten Vormittag aus und nehmen Kurs auf Aarhus. Der Wind ist schwach und nach einigen Meilen entscheidet sich Frank, Fock und Großsegel als „Schmetterling“ anzuordnen. Das sieht sehr imposant aus und lässt uns den Wind offensichtlich besser ausnutzen.
Unter blauem Himmel geht´s vorbei an einigen Inseln nach Norden. Kurz vor dem Ziel – es ist mittlerweile gegen 20.00 Uhr – kommt Frank nicht umhin, den Motor zu starten. Der Wind hat zu sehr abgeflaut, und wir wollen schließlich noch kochen.
Vor dem Hafen haben wir noch mal Glück und sehen Schweinswale, die gerade dabei sind, sich ihr Abendbrot aus den Fischernetzen zu holen – ganz schön dreist. Es ist bereits deutlich nach 21.00 Uhr, als wir festmachen und den Herd anheizen. Gemeinsam mit Frank und Andreas bereite ich das Abendessen zu – Scholle auf Gemüsebett. Ob es an dem frischen Fisch, der frischen Luft oder an der bereits aufkommenden Wehmut liegt, weiß ich nicht, aber das Essen war sehr lecker und der Abend wurde dann noch ziemlich lang.

Donnerstag, 10.7.2008

Das Aufstehen fällt schwer, aber bevor Peter aus Münster eintrifft und wir mit seinem Mietwagen abreisen, muss noch gepackt werden. Gegen 11.00 Uhr machen wir uns auf die 650 km Richtung Berlin und – wie abgesprochen – kurz nachdem wir Aarhus hinter uns lassen, öffnet der Himmel seine Schleusen. Bis Berlin begleitet uns der Regen und tröstet uns damit über das Ende des Törns hinweg.
Für mich waren es sehr schöne Tage und ich bin froh, dass Andreas´ Überredungskünste im Vorfeld erfolgreich waren. 2009 möchte Andreas seinen Ausbildungstörn für den SKS machen. Wann ich das nächste Mal auf der Orion bin, steht noch in den Sternen – aber es wird ein nächstes Mal geben.

Last but not least: Herzlichen Dank an Frank, unseren Skipper, mit dem der Törn wahnsinnig viel Spaß gemacht hat, und das Team der Yachtschule Wolke.

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