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Hallo, wir sind die neue Crew. Wir, das sind Simone, Raik, Sabine und Wolfgang.
Nachfolgend möchten wir einige Gedanken und Begebenheiten für die „Nachwelt“ niederschreiben.

Samstag, 11.08.2007 – Stralsund

Unsere Tour beginnt gleich mit einem sehr prägenden Erlebnis.
Recht angenehm und staufrei angereist, stehen wir vier „Landeier“ mit einem leichten Kribbeln im Bauch und ein bisschen nervös – was wird die Woche uns wohl bringen? – auf dem Bootsanleger und warten auf unsere Skipper. Die sind noch unterwegs und stärken sich vorsichtshalber noch mal. Während wir so staunend die in den Hafen einlaufenden Segelboote beobachten, donnert eine Yacht in unserer Nähe heran. Eine Frau hechtet vom Bug des Schiffes auf den Steg und ruft genervt: „Danke für die Hilfe!“. Wir vier sehen uns an und drehen uns um, um zu sehen, wem die „Dankesrede“ wohl gilt. Aber da ist niemand, … nur wir. Wir ziehen die Köpfe ein und verschwinden zügig in Richtung Mole, da schon die nächsten Segler im Anmarsch sind. Als uns dann unsere Skipper, Angelika und Andreas, begrüßen, können wir ihnen gleich unsere Story brühwarm erzählen. Die beiden amüsieren sich köstlich trotz unserer entrüsteten Gesichter. Ihnen ist klar, sie haben es hier eindeutig mit einer „BT-Truppe“ (nur Eingeweihten bekannt) zu tun.
Den ersten Tag lassen wir in einem urigen Fischrestaurant gleich im Hafen ausklingen und bei einem Ramazzotti noch einmal Revue passieren. Amüsiert stellen wir fest, dass nur drei der sechs Ramazzotti-Gläser auf unserem Tisch gleich aussehen.

Sonntag, 12.08.2007 – Stralsund – Wieck (Greifswald)

Der erste Tag auf See. Wir sind schon alle sehr gespannt.
Das Wetter meint es nicht besonders gut mit uns, denn es ist neblig und feucht. Da wir Richtung Greifswalder Bodden wollen, müssen wir durch die Ziegelgrabenbrücke (Rügendamm). Die Brücke öffnet nur viermal am Tag, da ist der Ansturm der Boote zum Passieren erheblich. Wie bei einer Regatta schießen die vielen Boote davon, als grünes Licht wird. Für uns Anfänger ist das schon ein toller Anblick. Wir lernen bei unseren ersten Seemeilen schon mal die wichtigsten Dinge beim Segeln, um auch selbständig helfen zu können. Ohne Zwischenfälle erreichen wir den Hafen von Wieck.
Nachdem wir sicher im Hafen liegen, machen wir uns sogleich auf den Weg, den kleinen Ort anzuschauen. Angelika und Andreas legen uns das Kloster Eldena besonders ans Herz. Aber hier kommt es auf die richtige Navigation an, die haben wir noch nicht so drauf. Abends gehen wir uns alle sechs gemeinsam noch etwas die Füße dorthin vertreten. Und was sollen wir sagen: es ist ein sehr schönes Kloster!
Endlich ist bei uns die Nervosität abgeklungen, denn wir schlafen wie tot diese Nacht. Nicht bevor wir einen Absacker-Ramazzotti aus unseren sechs kunterbunten Ikea-Bechern zu uns genommen haben.

Montag, 13.08.2007 – Wieck (Greifswald) – Gager (Rügen)

Es ist jeden Morgen ein schöner Moment, die Leinen zu lösen und langsam aus dem Hafen zu laufen, nur mit dem Gedanken: Was werden wir heute Schönes auf See erleben? Manch einer denkt vielleicht, dass ist doch bestimmt langweilig. Doch es gibt so viel zu beobachten, zu lernen, aufzupassen zu machen und zu tun, da kommt einfach keine Langeweile auf.
Wegen der totalen Flaute (das heißt so wenn kein Wind ist) kommen wir zuerst nur mit einem Knoten vorwärts, dann gar nicht mehr. Reichlich Zeit für ein gemeinsames Bad im recht „warmen“ Bodden. Dann liest uns Angelika aus einem Buch heitere Anekdoten rund ums Segeln vor, dabei warten wir geduldig auf Wind.
Das Warten lohnt sich. Am späten Nachmittag kommt doch der ersehnte Wind auf, so dass wir den Hafen von Gager noch in einer guten Zeit erreichen. Abends gehen wir für einen (oder waren es etwa mehrere?) „Absacker“ ins Hafenrestaurant. Eindrucksvoll, wie viele unterschiedliche Sorten an Ramazzotti-Gläsern heute zum Einsatz kommen!

Dienstag, 14.08.2007 – Gager (Rügen) – Kröslin (Usedom)

Es ist Brauch, wenn die Segel gesetzt sind, dem Schutzheiligen der Seefahrer zu huldigen. Jeden Morgen spricht ein anderes Crewmitglied zu Erasmus mit der Bitte um mäßig Wind und reichlich Sonnenschein. Das ist auch ein Grund, weshalb wir uns auf das Auslaufen freuen. Schließlich bekommt jeder, nicht nur Erasmus, einem kräftigen Schluck aus der Portweinflasche. Manchmal dauert dann die Umsetzung bei Erasmus etwas länger, aber wir können doch im Großen und Ganzen zufrieden sein. Heute ist so ein Tag. Nachdem wir Gager verlassen, die Segel gesetzt und Erasmus gegrüßt haben, passiert erst mal gar nichts. Erst als wir aus dem Fahrwasser kommen, beschert uns Erasmus eine ganze Mütze voll Wind, die uns fast durchgängig mit halben Wind segelnd nach Kröslin bringt. Beim Landgang bewundern wir die schwimmenden Ferienhäuser und besichtigen die hübsche Dorfkirche. Wir lassen uns sogar dazu überreden, etwas ins Gästebuch der Kirche einzutragen. Den Abend verbringen wir in der Hafen-„Taverne“ mit kurzweiligen Knobeleien und unserem obligatorischen Absacker – für jeden Ramazzotti. Selbst hier beim Italiener finden sich keine sechs gleichen Gläser. Wir werden das weiter beobachten!

Mittwoch, 15.08.2007 – Kröslin (Usedom) – Lohme (Rügen)

Heute geht es Richtung Lohme. Bei unserer Fahrt studieren wir einen Reiseführer, der uns darauf hinweist, dass es im Hafen von Lohme ein „niedliches“ Café geben soll. Wir freuen uns schon sehr darauf und hoffen, dass Erasmus uns gut gesonnen sein wird. Endlich legen wir in dem idyllischen Hafen an und erledigen alle notwendigen Arbeiten. Nun können wir das hoch gepriesene „niedliche“ Café besuchen. Doch uns kommt der Betreiber dieses besagten Cafés entgegen und teilt uns mit, dass er schließen müsse, da kein sauberes Geschirr mehr vorrätig wäre. Es ist nicht zu fassen, uns bleibt der Mund offen stehen und die Spucke weg. Doch dann überreden wir ihn mit Engelszungen und wir bekommen unsere ersehnten Espressi und Eisbecher.

Den Tag beschließen wir wie immer mit einem Absacker, oberhalb in einem Restaurant und blicken von dort auf den verträumten Hafen. Zuvor besichtigen wir noch eine Attraktion von Lohme – den Schwanenstein. Ein großer Findling, der der Sage nach, eine recht traurige Geschichte hat.
Wie nicht anders zu erwarten, bekommen wir unsere sechs Ramazzotti in Gläsern verschiedener Größe und Ausführung serviert.

Donnerstag, 16.08.2007 – Lohme (Rügen) – Vitte (Hiddensee)

Andreas ruft wie jeden Tag den Wetterbericht ab und der verspricht für den heutigen Tag eine stürmische See. Deshalb klingelt schon um 5 der Wecker. Und da wir eine total eingespielte (…)-Truppe sind, laufen wir schon kurz vor 7 aus. Der Wetterbericht hält was er verspricht. Sogar die Lifebelts kommen zum Einsatz. Wir segeln an Kap Arkona vorbei und das nicht „scharf“ (hart), sondern schon „chilischarf“ am Wind und zum Teil Windstärke 8.
Am Abend genießen wir den Absacker im „Godewind“ in Vitte, obwohl der Wirt auch hier keine sechs gleichen Ramazzotti-Gläser vorrätig hat. Aber es kommt ja auf den Inhalt an.

Freitag, 17.08.2007 – Vitte (Hiddensee) – Stralsund

Heute steht uns ein anstrengender Tag bevor. Die letzte Strecke, die es zu bewältigen gilt, ist gespickt mit Herausforderungen: sehr engem und flachem Fahrwasser, schlechten Windverhältnissen und natürlich vielen Wasserfahrzeugen, Fähren, Wassertaxis, Motorbooten und Seglern. Da die Männer unserer Truppe die Navigation der Strecke super vorbereitet haben, können wir ohne Zwischenfälle den sicheren Hafen erreichen. Allerdings nicht ohne noch vorher in einen tüchtigen Regenschauer abzukriegen, dem wir bisher auf unserer gesamten Route immer entkommen konnten. Es soll halt nicht sein.

Nachdem alles aufgeräumt und die erste Wäsche gewaschen und getrocknet ist, nehmen wir unseren Abschiedstrunk im gleichen Hafenrestaurant wie zu Beginn unserer Segeltour, natürlich wie immer Ramazzotti. Es sollte nicht unerwähnt bleiben, dass wir auch heute wieder keine sechs gleichen Ramazzotti-Gläser bekommen. Ist das Zufall? Lustig ist’s allemal.

Samstag, 18.08.2007 – Stralsund

Wir sitzen wir beim letzten Frühstück. Doch so richtigen Appetit hat keiner, denn gleich heißt es Abschied nehmen
Wir verlassen das Schiff mit dem Gefühl, zu einer großen Familie gehört zu haben. Gern werden wir uns an die idyllischen Häfen, wie Lohme, Wieck und Gager, aber auch die recht modernen, wie Kröslin und natürlich Stralsund erinnern.
Die anfänglichen Berührungsängste bei der Bedienung der Toilette sind verflogen. Wir haben uns jetzt so daran gewöhnt, dass wir nun befürchten, bei der anschließenden Wiederherstellungs- und Erholungswoche auf Rügen, im Hotel die Toilettenbürste für Pumpzwecke zu missbrauchen. (Wir können alle beruhigen, alles wurde gut… )

In dieser tollen Segelwoche, haben wir viel gesehen und natürlich viel gelernt und es hat außerdem noch Spaß gemacht. Kein Wunder, wir sind eben eine eingespielte „BT-Truppe“.

Danke!

Simone, Raik, Sabine, Wolfgang

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Von unserem Mitsegler Michael

29. Juli: Endlich ist es soweit: Urlaub, Sonne, Meer und davon reichlich. Nach zügiger Anfahrt von Dresden gehen wir in Glowe an Bord der “Orion”. Wir sind acht Leute: Annett, Vincent, Roland, Stefan, Michael, Daniel, Angelika und Andreas. Die Crew, die vergangene Woche auf der Yacht verbracht hat, wartet schon und schnell wird aus- und umgeladen. Nach einer Stunde ist alles verstaut und gegen 16 Uhr legen wir ab. Unser Ziel ist die Kurische Nehrung, wir wollen innerhalb von zwei Wochen dorthin und zurück an die deutsche Küste segeln.

Die erste Etappe führt uns nach Saßnitz, das wir am frühen Abend erreichen. Die Neuen, Vincent und Daniel, sind relativ ruhig an ihrem ersten Segeltag, ihre Körper stellen sich erst einmal auf das “Schaukeln” ein, deshalb noch eine leichte Blässe um die Nasenspitze. Das ist aber schon alles zum Thema Seekrankheit für die gesamten zwei Wochen.

Saßnitz empfängt uns mit Musik und guter Laune. Wir liegen zufällig in der Nähe des Freiluftkinos, das den Film über Ray Charles zeigt. Einige schauen vom Deck aus zu. Ich gehe früh ins Bett und verschlafe sogar das große Feuerwerk gegen Mitternacht.

30. Juli: Erster Morgen an Bord. Mit acht Leuten ist das Schiff gut gefüllt und es gehört schon ein wenig Selbstdisziplin dazu, dass alle ihre Morgentoilette ausreichend durchführen können. Aber das spielt sich in den zwei Wochen gut ein. Überhaupt gehen alle sehr solidarisch miteinander um. Das finde ich sehr wichtig, nur so kann die Reise gelingen. Andreas, unumstrittener Anführer erklärt alles, sorgt für alles und hilft, wo er kann. Sein Frühstück lässt uns jeden Morgen fröhlich in den Tag segeln oder wenn nötig “motoren”. Andreas kennt das Schiff und ist außerdem ein erfahrener Segler. Das beruhigt vor allem in den etwas “stürmischen Momenten” und den unerwarteten Situationen, die unsere Reise hat – sie ist eben ein Abenteuer.

Wir verlassen Saßnitz in Richtung polnische Ostsee. Aber kaum sind wir aus dem Hafen, setzt die erste große Flaute ein. Das hat allerdings auch Vorteile. Es wird ein provisorischer Cockpit-Tisch gebaut, damit wir auch an Deck speisen können, manche baden und es wird gekocht. Das Kochen ist allerdings nicht so einfach, trotz der Flaute ist Dünung vorhanden. Doch Roland, unser Chefkoch, hat alles im Griff. Noch bis zum Abend “kabbeln” wir vor Rügen herum, dann kommt endlich Wind auf und wir segeln in die Nacht. Gegen Mitternacht legen sich einige in die Koje. Nur Annett schläft die meiste Zeit an Deck, sie fühlt sich während des Segelns im Bauch des Schiffes nicht sonderlich wohl. Am Ende der zwei Wochen hat sie wohl die meiste frische Luft genossen.

Angelika und Andreas wechseln sich in der Nacht am Steuer ab. Ich halte an Deck durch bis um drei, verschwinde danach in meiner Kajüte und Stefan löst mich zur Wache ab. Die Nacht auf See ist romantisch. Dunkel hebt sich das Segel vom Sternenhimmel ab und ich fühle mich wie ein Argonaut auf der Suche nach neuen Ländern.

31. Juli: Der Morgen auf hoher See ist etwas grau und müde aber der Kaffe weckt die Lebensgeister. Doch es wird ein sonniger Segeltag und wir kommen gut voran. Unser Ziel ist Leba, das wir nachts schon etwas erschöpft erreichen. Nach wie immer aufregenden Anlegemanövern und Einklarieren durch polnische Grenzbeamte ist gegen ein Uhr Ruhe auf dem Schiff. Wie friedlich schläft es sich doch im Hafen.

1. August: Uns begrüßt ein freundlicher Morgen in einem typischen Ostseeurlauberort. Wir wollen erst am Abend weiter Richtung Klaipeda (Memel). Alle genießen die kleinen Freuden des Lebens: Einkaufen, spazieren, putzen, duschen) Wir bekommen sogar Besuch. Angelikas und Andreas Freunde verbringen gerade eine Woche Urlaub hier und kommen für eine Stunde an Bord. Als wir um 18 Uhr auslaufen, winken und jubeln sie uns von der Mole aus zu. Es ist schon komisch, denn wieder geht es in die Nacht hinein, weil wir doch im Zeitplan bleiben wollen.

2. August: Bis zum Morgen gibt uns ein Gewitter guten Wind. Wir kommen flott vorwärts und mit der Schräglage, in der sich unser Leben abspielt, werden wir gut fertig. Ich schlafe in der Vorderkajüte, da spürt man besonders, wie das Schiff durch die Wellen rollt. An richtig schlafen ist da nicht zu denken. Um 3 weckt mich Stefan, damit ich an Deck dem Steuermann Gesellschaft leiste. Hier habe ich ein weiteres Problem: Bei Seegang in die Sachen zu kommen, samt Ölzeug und Rettungsweste, – das erweist sich als kleines Kunststück, was einige Zeit braucht.

Morgens regnet es ein bisschen. Wir haben 70 Seemeilen hinter uns und ungefähr so viel bis Klaipeda vor uns. Daniel schläft oft und lange – sicher auch eine Seite der Seekrankheit. Ich habe mich gerade hingelegt, da kommt Vincent unter Deck und ruft uns nach oben. Dort spielt sich gerade ein gewaltiges Naturschauspiel ab. Eine Windhose kommt zügig näher und wühlt ganz schön Wassermengen auf. Wir holen schnell die Segel ein und versuchen so gut es geht ihr auszuweichen. Glücklicherweise löst sie sich kurze Zeit später auf.

Gegen 21 Uhr kommen die Lichter von Klaipeda in Sicht. Aber es dauert noch fast vier Stunden, bis wir am Ziel sind. Erschöpft aber glücklich, diese entscheidende Etappe geschafft zu haben. Vor uns fährt noch ein Frachter in den Hafen ein, dem wir folgen. Wir fühlen uns ein wenig wie in einer anderen Welt, als uns dieser Moloch von Hafen in sich aufnimmt. Trotz der vielen Lampen sind riesige Schiffe und Kräne in düsteres Licht getaucht. Andreas hatte die Zollbehörden per Funk zwar schon über unser Eintreffen informiert aber wie sollen wir in der Dunkelheit und diesem Wust von Eisen und Beton eine bestimmte Pier finden? Nach einigem Umherirren, an bewachten Kriegsschiffen vorbei, finden wir sie doch noch. Gegen 2 Uhr legen wir dann endlich an einer Mauer am Ufer des Dane-Flusses an, hinter der sich einige Ruinen befinden.

3. August: Der Tag lässt alles in besserem Licht erscheinen. Ich werde durch die Wellen eines großen Schiffes geweckt. Wir liegen fast im Zentrum von Klaipeda. Das große Schiff ist die Fähre von Kleipeda auf die Kurische Nehrung und die Ruinen von gestern Nacht entpuppen sich als Großbaustelle: Hier wird viel gebaut und liebevoll restauriert. Gleich um die Ecke ist der Yachthafen “Old Castle Port”. Hier finden wir einen guten Anleger mit Wasser- und Stromanschluss.

Dann geht es in die Stadt. Wir wollen Ännchen von Tharau besuchen, eine verlässliche Seekarte vom Kurischen Haff kaufen, gemütlich bummeln und speisen. Es wird ein wunderbarer Nachmittag in der Altstadt und die Tourist-Information bietet tatsächlich eine Seekarte für das Haff, die von Andreas allerdings misstrauisch beäugt wird. Der Weg nach Nida weist einige Untiefen auf, die für uns gefährlich werden könnten. Laut der Karte ist das Fahrwasser aber gut mit Tonnen markiert, so dass wir uns entschließen, bis Nida zu segeln.

4. August: Ausgeschlafen geht es auf den Weg nach Nida. Alle sind gespannt. Anfangs etwas verwirrend aber später sind wir im Fahrwasser. Hinter Juodkrante (Schwarzort) sehen wir die ersten mächtigen Sanddünen . Davor segeln wir noch an einem Wald aus totem Holz vorbei. Hier lebt eine riesige Kormoran-Kolonie.

Nach Pervalka und dem Leuchtturm von Preila kommt die große Düne in Sicht. Unterhalb davon liegt Nida. Auch das Sommerhaus von Thomas Mann sehen wir schon vom Wasser aus. Als wir in den Hafen von Nida einlaufen sind wir verblüfft – er ist knackevoll. Wer konnte ahnen, dass gerade an diesem Wochenende hier eine Segelregatta stattfindet?

Aber wir finden noch einen Anlegeplatz und schauen auf das Gewirr von Musik und Segelbooten. Das wird eine laute Nacht. Die sanitären Anlagen sind durch den Ansturm überfordert. Wasser können wir auch nur mit Eimern bunkern. Ein Sturm vom Festland lässt die Schiffe im Hafen mächtig schaukeln.

5. August: Nach ausgiebigem Frühstück erkunden wir die Düne: ein beeindruckendes Naturschauspiel. Anschließend geht es über das Bernsteinmuseum und den Friedhof zum Thomas-Mann-Haus.

Als wir am Nachmittag zum Schiff kommen, hat ein polnischer Segler an uns angelegt – allerdings etwas ungeschickt – eines unserer Positionslichter wird dabei ruiniert – sozusagen leichter Kollisionskurs. Der Sturm nimmt noch weiter zu, da lassen drei Schiffe aneinander für die kommende Nacht nichts Gutes erwarten. Deshalb verholen wir den polnischen Segelfreund mit samt seiner Crew und Schiff an eine andere Stelle im Hafen.

Am Abend spielen wir “Name-Stadt-Land”. Nach mehrmaligem Auszählen gewinnen die beiden Frauen. Die Regatta endet mit lauter Live-Musik und Feuerwerk. Die Leute hier trinken den Schnaps wie Wasser.

6. August: Nun hält uns der immer noch starke Wind langsam auf. Wir machen uns mit einem Strandbummel auf der Ostseite der Nehrung Hoffnung, bald los zu kommen. Hier scheint die Sonne und der Wind ist mäßig. Doch die Wassertemperatur lässt uns erschauern – sie beträgt 12°C.

Auf der 1,5 Kilometer langen Strecke zwischen Haff und Ostsee fährt ein witziger Bus mit einem Schilfdach, den wir auf der Rückfahrt zum Hafen nutzen. Unsere Sprachversuche auf Englisch ob einer Fahrkarte pariert der Busfahrer mit der Bitte, Deutsch mit ihm zu sprechen, das könne er am Besten. Seit acht Jahren lebe er hier, erzählt er uns, und er sei immer noch begeistert. Zum Abschied empfiehlt er uns noch, unbedingt das Nationalgericht: Zimthering zu probieren.

Am Abend gehen einige noch mal auf die Düne, ein paar auf ein Bier oder bleiben an Bord.

7. August: Der Wind lässt langsam nach. Wir können uns zurück auf den Weg nach Klaipeda machen. Dort kaufen wir noch etwas ein und bevorraten die Tanks mit Diesel und klarieren aus. Am frühen Abend geht es zurück in Richtung polnische Ostseeküste. Langsam werden die Lichter von Klaipeda immer kleiner, bis wir sie nicht mehr sehen. Wir fahren in eine stürmische Nacht.

Auf dem Deck geht es zu wie in Hauffs “Gespensterschiff”. Böiger Sturm, donnernde Segel, ein ächzender Mast, die Leinen surren, der Rumpf gibt auch ganz merkwürdige Geräusche von sich. Ich habe sogar das Gefühl, dass auch die Kojen drohen auseinander zu fallen. Ab und an ein Kommando, Schritte hin und her. Keiner kann schlafen. Als ich gegen 2 Uhr an Deck komme, ist der Spuk vorbei. Roli und Annett schlafen an Deck, Geli steuert und der Wind ist nur noch mäßig.

8. August: Ein reiner Segeltag. Nur wenige Schiffe sind unterwegs. Spät am Nachmittag erreichen wir Wladislawowo am Westrand der Danziger Bucht. Ein kurzer Besuch der Stadt reicht mir, ich verbringe den Rest des Abends an Bord. Nur den Leuchtturm finde ich imposant. Die Anderen, die am Abend noch einmal auf Exkursion gehen, entdeckenn doch noch ein paar interessante Ecken.

9. August: Als wir morgens in Richtung Ustka ablegen, ist es warm. Doch auf See ist es wechselhaft und wir können einem Gewitter gerade noch so entwischen. Nach einigen vergeblichen Versuchen zu segeln, werfen wir dann doch den Motor an und fahren an der Küste entlang. Auch hier gibt es gewaltige Sanddünen. Überhaupt ist die polnische Ostseeküste zauberhaft schön.

22 Uhr laufen wir in Ustka ein. In der Nähe unseres Liegeplatzes befinden sich einige Spielautomaten – zur Freude der jungen Menschen. Bis Mitternacht wird noch gespielt. Zwei Segelschiffe legen jetzt noch ab. Sie wollen nachts nach Kolobrzeg (Kolberg), weil sie gehört haben, dass ein militärisches Sperrgebiet vor Ustka nur nachts befahren werden darf.

10. August: Nach dem Auslaufen erfahren wir, dass diese Information eine Ente ist. Das Sperrgebiet ist auch tagsüber zur Durchfahrt freigegeben. Wir ändern also schnell unseren geplanten Kurs und nehmen den kürzesten Weg nach Kolobrzeg.

Bei schwachem Wind lösen sich Segel und Motor ab. Wir setzen auch den Spinnaker. Doch als der Wind auffrischt, bewahrheitet sich, dass Andreas’ sorgenvoller Blick nicht unbegründet ist. Mit lautem Knall zerreißt der Spinnaker. Und ehe wir noch reagieren können, verfängt sich zu allem Überfluss die Leine eines Fischernetzes mit samt einer Fahne im Ruder. Alle sind erst einmal ratlos. Doch Andreas entpuppt sich auch hier wieder als Kenner der Materie. Motor an und entgegen der Richtung, in der wir in die Leine getrieben sind, manövriert er vorsichtig wieder heraus. Das war gerade noch einmal gut gegangen. Endlich wieder frei, die Aufregung flaut langsam ab und gegen Mitternacht laufen wir in Kolobrzeg ein. Alle denken nur noch an Schlaf.

11. August: Wir frühstücken auf See, da wir heute noch die deutsche Küste erreichen wollen. Die nächste Crew steht schon in den Startlöchern und uns steht morgen noch die Fahrt nach Dresden bevor. Wir genießen unseren letzten Segeltag, auch ein bisschen froh, das geschafft zu haben, was wir uns vorgenommen hatten.

Am Abend erreichen wir über den Peenestrom die Marina Kröslin, vorbei an den alten Bunkern der V 1 und V 2- Versuchsstationen und einem beleuchteten Kraftwerk aus vergangenen Zeiten. Das ist der Schlusspunkt unserer Reise. Wir beenden den Abend mit einem gemeinsamen Abendessen im Hafenrestaurant.

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Von unserer Mitseglerin Stefanie

Am letzten Sonnabend im Mai kommen wir, Stefanie und Ralf, an Bord, um uns in der folgenden Woche von Segellehrer Andreas ausbilden zu lassen. Unser Ziel: die praktische Prüfung für den Sportküstenschifferschein nächsten Freitag in Stralsund.

Schon am Nachmittag verlassen wir Travemünde und steuern Grömitz an. Noch ist alles friedlich und nach einem gemeinsamen Abendessen nutzen wir die Zeit zum Landgang.

Doch schon am nächsten Tag kommen wir aus dem Grömitzer Hafen nicht raus. Nach einer Sturmwarnung und Windstärken um die 8 Beaufort ist Auslaufen nicht möglich. So lassen wir uns theoretisch in Navigation, Seemannschaft und Wetter bilden und haben sogar noch ein bisschen Freizeit.

Am Montag steuern wir Warnemünde an. Zum Schlafen bleibt wenig Zeit, denn das nächste Ziel soll am Dienstag Hiddensee sein. Es wird eine sehr lehrreicher Törn, denn das Fahrwasser zur Insel ist nur durch exaktes Steuern bezwingbar. Dazu sind wir auch noch seekrank und erholen uns erst am Abend im Hafen von Vitte wieder. Dienstags gegen 11 geht es bei herrlichem Sonnenschein mit Kurs auf Stralsund weiter und am Abend erreichen wir die Hansestadt mit leichtem Sonnenbrand in den Gesichtern.

Mittwoch und Donnerstag trainieren wir Halsen, Wenden, Beiliegen, Rettungsmanöver unter Motor und Segel, An- und Ablegen. Allein die Ankermanöver behandeln wir nur theoretisch. Am Abend vor unserer Prüfung üben wir dann noch einmal alle Knoten.

Freitags schließlich stehen wir schon um sechs auf. Noch vor Prüfungsbeginn üben wir einige An- und Ablegemanöver. Um neun beginnt die Prüfung, gegen elf ist alles vorbei. Mit fröhlichen, glücklichen Gesichtern laufen wir wieder in den Hafen ein – die Prüfung ist bestanden. So lassen wir den Tag in Stralsund mit einem Landgang und danach gemütlich ausklingen. Bis die neue Crew am Sonnabend eintrifft, haben wir noch genügend Zeit, das Schiff innen und außen zu putzen.

Nach einer anstrengenden Woche fahren wir glücklich und zufrieden nach Hause. Noch einmal herzlichen Dank für die intensive Vorbereitung auf die SKS-Praxisprüfung in Stralsund, wenngleich es viel Geduld, Nerven, Ausdauer und … kostete.

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