Hallo, wir sind die neue Crew. Wir, das sind Simone, Raik, Sabine und Wolfgang.
Nachfolgend möchten wir einige Gedanken und Begebenheiten für die „Nachwelt“ niederschreiben.
Samstag, 11.08.2007 – Stralsund
Unsere Tour beginnt gleich mit einem sehr prägenden Erlebnis.
Recht angenehm und staufrei angereist, stehen wir vier „Landeier“ mit einem leichten Kribbeln im Bauch und ein bisschen nervös – was wird die Woche uns wohl bringen? – auf dem Bootsanleger und warten auf unsere Skipper. Die sind noch unterwegs und stärken sich vorsichtshalber noch mal. Während wir so staunend die in den Hafen einlaufenden Segelboote beobachten, donnert eine Yacht in unserer Nähe heran. Eine Frau hechtet vom Bug des Schiffes auf den Steg und ruft genervt: „Danke für die Hilfe!“. Wir vier sehen uns an und drehen uns um, um zu sehen, wem die „Dankesrede“ wohl gilt. Aber da ist niemand, … nur wir. Wir ziehen die Köpfe ein und verschwinden zügig in Richtung Mole, da schon die nächsten Segler im Anmarsch sind. Als uns dann unsere Skipper, Angelika und Andreas, begrüßen, können wir ihnen gleich unsere Story brühwarm erzählen. Die beiden amüsieren sich köstlich trotz unserer entrüsteten Gesichter. Ihnen ist klar, sie haben es hier eindeutig mit einer „BT-Truppe“ (nur Eingeweihten bekannt) zu tun.
Den ersten Tag lassen wir in einem urigen Fischrestaurant gleich im Hafen ausklingen und bei einem Ramazzotti noch einmal Revue passieren. Amüsiert stellen wir fest, dass nur drei der sechs Ramazzotti-Gläser auf unserem Tisch gleich aussehen.
Sonntag, 12.08.2007 – Stralsund – Wieck (Greifswald)
Der erste Tag auf See. Wir sind schon alle sehr gespannt.
Das Wetter meint es nicht besonders gut mit uns, denn es ist neblig und feucht. Da wir Richtung Greifswalder Bodden wollen, müssen wir durch die Ziegelgrabenbrücke (Rügendamm). Die Brücke öffnet nur viermal am Tag, da ist der Ansturm der Boote zum Passieren erheblich. Wie bei einer Regatta schießen die vielen Boote davon, als grünes Licht wird. Für uns Anfänger ist das schon ein toller Anblick. Wir lernen bei unseren ersten Seemeilen schon mal die wichtigsten Dinge beim Segeln, um auch selbständig helfen zu können. Ohne Zwischenfälle erreichen wir den Hafen von Wieck.
Nachdem wir sicher im Hafen liegen, machen wir uns sogleich auf den Weg, den kleinen Ort anzuschauen. Angelika und Andreas legen uns das Kloster Eldena besonders ans Herz. Aber hier kommt es auf die richtige Navigation an, die haben wir noch nicht so drauf. Abends gehen wir uns alle sechs gemeinsam noch etwas die Füße dorthin vertreten. Und was sollen wir sagen: es ist ein sehr schönes Kloster!
Endlich ist bei uns die Nervosität abgeklungen, denn wir schlafen wie tot diese Nacht. Nicht bevor wir einen Absacker-Ramazzotti aus unseren sechs kunterbunten Ikea-Bechern zu uns genommen haben.
Montag, 13.08.2007 – Wieck (Greifswald) – Gager (Rügen)
Es ist jeden Morgen ein schöner Moment, die Leinen zu lösen und langsam aus dem Hafen zu laufen, nur mit dem Gedanken: Was werden wir heute Schönes auf See erleben? Manch einer denkt vielleicht, dass ist doch bestimmt langweilig. Doch es gibt so viel zu beobachten, zu lernen, aufzupassen zu machen und zu tun, da kommt einfach keine Langeweile auf.
Wegen der totalen Flaute (das heißt so wenn kein Wind ist) kommen wir zuerst nur mit einem Knoten vorwärts, dann gar nicht mehr. Reichlich Zeit für ein gemeinsames Bad im recht „warmen“ Bodden. Dann liest uns Angelika aus einem Buch heitere Anekdoten rund ums Segeln vor, dabei warten wir geduldig auf Wind.
Das Warten lohnt sich. Am späten Nachmittag kommt doch der ersehnte Wind auf, so dass wir den Hafen von Gager noch in einer guten Zeit erreichen. Abends gehen wir für einen (oder waren es etwa mehrere?) „Absacker“ ins Hafenrestaurant. Eindrucksvoll, wie viele unterschiedliche Sorten an Ramazzotti-Gläsern heute zum Einsatz kommen!
Dienstag, 14.08.2007 – Gager (Rügen) – Kröslin (Usedom)
Es ist Brauch, wenn die Segel gesetzt sind, dem Schutzheiligen der Seefahrer zu huldigen. Jeden Morgen spricht ein anderes Crewmitglied zu Erasmus mit der Bitte um mäßig Wind und reichlich Sonnenschein. Das ist auch ein Grund, weshalb wir uns auf das Auslaufen freuen. Schließlich bekommt jeder, nicht nur Erasmus, einem kräftigen Schluck aus der Portweinflasche. Manchmal dauert dann die Umsetzung bei Erasmus etwas länger, aber wir können doch im Großen und Ganzen zufrieden sein. Heute ist so ein Tag. Nachdem wir Gager verlassen, die Segel gesetzt und Erasmus gegrüßt haben, passiert erst mal gar nichts. Erst als wir aus dem Fahrwasser kommen, beschert uns Erasmus eine ganze Mütze voll Wind, die uns fast durchgängig mit halben Wind segelnd nach Kröslin bringt. Beim Landgang bewundern wir die schwimmenden Ferienhäuser und besichtigen die hübsche Dorfkirche. Wir lassen uns sogar dazu überreden, etwas ins Gästebuch der Kirche einzutragen. Den Abend verbringen wir in der Hafen-„Taverne“ mit kurzweiligen Knobeleien und unserem obligatorischen Absacker – für jeden Ramazzotti. Selbst hier beim Italiener finden sich keine sechs gleichen Gläser. Wir werden das weiter beobachten!
Mittwoch, 15.08.2007 – Kröslin (Usedom) – Lohme (Rügen)
Heute geht es Richtung Lohme. Bei unserer Fahrt studieren wir einen Reiseführer, der uns darauf hinweist, dass es im Hafen von Lohme ein „niedliches“ Café geben soll. Wir freuen uns schon sehr darauf und hoffen, dass Erasmus uns gut gesonnen sein wird. Endlich legen wir in dem idyllischen Hafen an und erledigen alle notwendigen Arbeiten. Nun können wir das hoch gepriesene „niedliche“ Café besuchen. Doch uns kommt der Betreiber dieses besagten Cafés entgegen und teilt uns mit, dass er schließen müsse, da kein sauberes Geschirr mehr vorrätig wäre. Es ist nicht zu fassen, uns bleibt der Mund offen stehen und die Spucke weg. Doch dann überreden wir ihn mit Engelszungen und wir bekommen unsere ersehnten Espressi und Eisbecher.
Den Tag beschließen wir wie immer mit einem Absacker, oberhalb in einem Restaurant und blicken von dort auf den verträumten Hafen. Zuvor besichtigen wir noch eine Attraktion von Lohme – den Schwanenstein. Ein großer Findling, der der Sage nach, eine recht traurige Geschichte hat.
Wie nicht anders zu erwarten, bekommen wir unsere sechs Ramazzotti in Gläsern verschiedener Größe und Ausführung serviert.
Donnerstag, 16.08.2007 – Lohme (Rügen) – Vitte (Hiddensee)
Andreas ruft wie jeden Tag den Wetterbericht ab und der verspricht für den heutigen Tag eine stürmische See. Deshalb klingelt schon um 5 der Wecker. Und da wir eine total eingespielte (…)-Truppe sind, laufen wir schon kurz vor 7 aus. Der Wetterbericht hält was er verspricht. Sogar die Lifebelts kommen zum Einsatz. Wir segeln an Kap Arkona vorbei und das nicht „scharf“ (hart), sondern schon „chilischarf“ am Wind und zum Teil Windstärke 8.
Am Abend genießen wir den Absacker im „Godewind“ in Vitte, obwohl der Wirt auch hier keine sechs gleichen Ramazzotti-Gläser vorrätig hat. Aber es kommt ja auf den Inhalt an.
Freitag, 17.08.2007 – Vitte (Hiddensee) – Stralsund
Heute steht uns ein anstrengender Tag bevor. Die letzte Strecke, die es zu bewältigen gilt, ist gespickt mit Herausforderungen: sehr engem und flachem Fahrwasser, schlechten Windverhältnissen und natürlich vielen Wasserfahrzeugen, Fähren, Wassertaxis, Motorbooten und Seglern. Da die Männer unserer Truppe die Navigation der Strecke super vorbereitet haben, können wir ohne Zwischenfälle den sicheren Hafen erreichen. Allerdings nicht ohne noch vorher in einen tüchtigen Regenschauer abzukriegen, dem wir bisher auf unserer gesamten Route immer entkommen konnten. Es soll halt nicht sein.
Nachdem alles aufgeräumt und die erste Wäsche gewaschen und getrocknet ist, nehmen wir unseren Abschiedstrunk im gleichen Hafenrestaurant wie zu Beginn unserer Segeltour, natürlich wie immer Ramazzotti. Es sollte nicht unerwähnt bleiben, dass wir auch heute wieder keine sechs gleichen Ramazzotti-Gläser bekommen. Ist das Zufall? Lustig ist’s allemal.
Samstag, 18.08.2007 – Stralsund
Wir sitzen wir beim letzten Frühstück. Doch so richtigen Appetit hat keiner, denn gleich heißt es Abschied nehmen
Wir verlassen das Schiff mit dem Gefühl, zu einer großen Familie gehört zu haben. Gern werden wir uns an die idyllischen Häfen, wie Lohme, Wieck und Gager, aber auch die recht modernen, wie Kröslin und natürlich Stralsund erinnern.
Die anfänglichen Berührungsängste bei der Bedienung der Toilette sind verflogen. Wir haben uns jetzt so daran gewöhnt, dass wir nun befürchten, bei der anschließenden Wiederherstellungs- und Erholungswoche auf Rügen, im Hotel die Toilettenbürste für Pumpzwecke zu missbrauchen. (Wir können alle beruhigen, alles wurde gut… )
In dieser tollen Segelwoche, haben wir viel gesehen und natürlich viel gelernt und es hat außerdem noch Spaß gemacht. Kein Wunder, wir sind eben eine eingespielte „BT-Truppe“.
Danke!
Simone, Raik, Sabine, Wolfgang

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