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Samstag ist Anreisetag. Angelika und Brigitte kommen aus Dresden, Ralf und Matthias aus Frankfurt. Die zwei aus Dresden können wegen starken Nebels über Antalya nicht landen und werden erst einmal nach Dalaman geschickt. Mit zweistündiger Verspätung landen sie dann glücklich in Antalya. Hier beginnt unser Törn. Abends wird etwas Proviant eingekauft und dann gibt’s noch die Törnbesprechung mit der Sicherheitseinweisung. Alle kennen die „Orion“, aber bei Brigitte, Matthias und Ralf ist es schon eine Weile her, dass sie an Bord waren.
Angelika wird zum Schiffsführer ernannt, Ralf ist ihr Stellvertreter und Brigitte Finanzminister. Matthias und Andreas werden Urlaub machen und das Segeln genießen, sagen sie. Doch dann unterstützt Andreas beim Navigieren und Matthias beim Segelsetzen. So hat jeder seine Aufgabe.
Das erste Abendessen findet in einer kleinen Strandkneipe an der Riviera statt. Dann verbringen alle die erste Nacht auf der „Orion“.

1. Tag

Am Sonntag um 10 laufen wir aus der Celebi-Marina Antalya aus.
Um etwas vorzugreifen: Brigittes erste 400 Fotos werden bereits am ersten Tag geschossen und so begleitet das Ablegemanöver ein „Blitzlichtgewitter“. Die Segel werden schon im Vorhafen gesetzt. Wir gehen mit 2 bis 3 Windstärken Richtung Kemer. Kreuzen ist angesagt, weil der Wind am Tage immer aus Süden kommt. 14 Meilen nach Südosten und dann die Wende, danach können wir Kurs Kemer anlegen.
Die leichte Brise am Anfang wird uns von Andreas mit etwas Gitarrenspiel „garniert“.
Die „Orion“ läuft sehr gut. Mit einem Wendewinkel von etwa 90 Grad müssen wir etwa das 1,5 fache der direkten Entfernung zurücklegen. Das sind am Ende des Tages so etwa 26 Seemeilen.
200 m vor der Hafeneinfahrt bergen wir die Segel und melden uns per Funk im Hafen an.
Wir werden bereits erwartet. Das Personal im Dinghi hilft uns beim Festmachen. Angelika fährt das Anlegemanöver ohne auch nur ein Schiff rechts oder links zu berühren. Übrigens fährt sie in diesem Törn alle An- und Ablegemanöver.
Ein heftiger Gewitterguss verhagelt uns ein wenig das gemeinsames Abendessen im Freien des „Navigator“, dem Hafenrestaurant.
Brigitte, Ralf und Matthias lassen es sich nicht nehmen, später noch in eine Disko zu gehen.

2. Tag

Aufstehen, frühstücken und 9.30 Uhr legen wir ab. Wir wollen weiter in den Süden und möglichst schnell die 5 Inseln, welche mit einer Landzunge das Kap bilden, hinter uns lassen.
Wieder ist Kreuzen angesagt, denn der Wind bläst mit 5 bis 6 aus Süd. Wir reffen das erste Mal. Mit mehreren Kreuzschlägen kommen wir zwar weiter in den Süden, aber es reicht nicht. Wir erreichen unser Ziel, den Hafen von Finike nicht. Aber warum nicht mal in einer lauschigen Bucht ankern? Gut geeignet dafür ist Cavus Limani. Eine weite Bucht, aber idyllisch gelegen.
Brigitte ist von den hohen Bergen, die direkt in das Meer übergehen beeindruckt und fotografiert unentwegt.
Punkt 17.00 Uhr schläft der Wind ein und wir laufen die letzte Meile unter Motor, dabei räumen wir das Schiff auf. Der Anker ist schnell ausgebracht. Aber wir müssen uns noch einmal verholen. Da der Wind aus den Bergen zu stark in die Bucht weht, suchen wir uns einen Platz im Schutz eines Felsens. Das ist goldrichtig.
Für das Highlight des Abends sorgen Matthias und Ralf – sie kochen an Bord. Da sie vehement behaupten, es nicht zu können, hält Brigitte alles im Bild fest. Die anderen drei vertreiben sich die Wartezeit mit Baden. Das tun sie ausgiebig, da die Zubereitung des Menüs doch etwas länger dauert. Als alle aus dem Wasser kommen bietet sich das gleiche Bild wie vorher. Weitere Fotos entstehen, die sind kein bisschen anders als vorhin. Es ist tiefschwarze Nacht, als endlich aufgetischt wird.

3. Tag

Gegen 5.30 Uhr wird der Anker gelichtet und frühstücken auf See ist angesagt. Wir laufen unter Motor bis zu den „Bes Adalar“ (deutsch: fünf Inseln). Es weht kein Wind. Nach 5 Meilen haben wir die Inseln erreicht. Ab jetzt könnten wir Kurs auf Finike nehmen, doch wir haben noch immer keinen Wind. Eine Weile laufen wir noch unter Motor. Dann baden wir. Vorsichtshalber setzen wir dazu das Groß, um die erste Brise nicht zu verpassen.
Auch Brigitte traut sich in das warme kühle Nass. Zugegeben, es ist schon außergewöhnlich, bei mehr als 1000 m Wassertiefe.

Bis Rasmus sich nach Stunden erweichen lässt, und uns eine Brise Wind schickt, versuchen wir uns an einem Quiz, das sich Andreas ausgedacht hat. Ralf gewinnt haushoch. Als Sieger darf er das Restaurant heute für das Abendessen auswählen. Endlich ist bei 1 bis 2 Windstärken das Segeln nun doch noch möglich.
Plötzlich bietet die vor uns liegende See ein einmaliges Schauspiel. Wir sehen Delfine, die vor einem vorbeifahrenden Frachter bis zu 3 Meter aus dem Wasser springen. Wie schön!
Am frühen Nachmittag laufen wir in der Setur Marina in Finike ein. Vor der Hafeneinfahrt bergen wir die Segel. Anmeldung beim Hafen über Funk und das Dinghi wartet bereits auf uns, um beim Festmachen zu helfen. Zusätzlich werden wir von einem amerikanischen Paar unterstützt, das gerade dabei ist, sein Schiff aufzuräumen und dabei fast den gesamten Steg mit seinem Inventar zumüllt. Damit haben wir noch eine Menge Spaß.
Das „Mit-dem-Wind-Anlegen“ ist jetzt nicht so einfach, da er in dieser Zwischenzeit ganz schön zugelegt hat. Doch mit unserer Crew geht das problemlos.
Nach dem obligatorischen Anlegerbier ist Landgang angesagt.
Ralf darf als Gewinner des Quiz eine Kneipe auswählen. Er entdeckt einen Wegweiser zu einem kleinen Bergrestaurant. Soll ein paar Stufen hinaufgehen…

Nach mindestens 20 Minuten Treppensteigen – und schwitzend – werden wir durch einen atemberaubenden Blick über Stadt und Hafen und mit einem türkischen Tee entschädigt.
Auf dem Rückweg zum Hafen machen wir noch im „Deniz“-Restaurant zum Abendessen Halt. Es gibt frischen Fisch und Köfte.
Auf dem Rückweg kauft Andreas noch eine neue Sicherung für die elektrische Ankerwinde. Er bekommt sie, kostet allerdings 16 Euro. Zu Hause hätten wir sie für 3 bekommen. Die Frauen gehen auch nicht leer aus, sie kaufen neue T-Shirts, die zusammen nicht so teuer sind wie die Sicherung. Aber das nimmt Andreas mit einem müden Lächeln zur Kenntnis.
Der Abend an Deck wird gemütlich und wir haben unseren Spaß mit den schiffaufräumenden Amerikanern, deren Inventar noch immer auf dem Steg liegt. Jetzt wird erst mal das Sternenbanner gewaschen. Natürlich mit dem Schlauch aus 4 Meter Entfernung. Das war’s dann. Wir waschen unsere „Orion“ selbstverständlich auch jeden Tag und befreien sie vom aggressiven Salzwasser. Dabei hat sich der neue Frischwasseranschluss am Heck hervorragend bewährt.

4. Tag

Ralf, Angelika und Matthias besorgen Brot und frisches Gemüse und haben, dabei ähnliche Erlebnisse wie wir es nur von Andreas kennen. Also Schwierigkeiten beim Wechseln von Geldscheinen und so weiter.
Am Morgen liegt das Gerassel der Amis immer noch auf dem Steg. Sie wuseln beständig und räumen und tun, der Berg der wird dennoch nicht kleiner. Aber sie sind sehr nett und wir haben unsere Freude.
Nach dem Frühstück verlassen wir Finike. Die ersten fünf Meilen schiebt uns der Motor, da der Wind hier erst später angeschaltet wird.
Unser Ziel ist heute Kas. Der Wind, der jetzt kommt, weht allerdings aus Südwest und genau dort müssen wir hin. Das heißt kreuzen, etwa 45 Meilen. Da die Windstärke nie über 3 Beaufort geht, wird es wohl ein langer Segeltag.
Nachdem unser Sonnendach aufgebaut ist, wird die Hitze erträglicher. Die Sonne brennt doch schon ganz schön.
Als der Wind am Nachmittag nur noch schwach weht, entschließen wir uns nicht nach Kas zu gehen sondern Kastellorizo, eine kleine griechische Insel etwa fünf Meilen vor Kas, anzulaufen.
Vier Meilen vor dem Ziel nehmen wir die Segel runter, da wir einige Inseln umfahren und Untiefen beachten müssen.
Ralf und Matthias tauschen noch die türkische gegen die griechische Gastflagge. Nur gut dass sie schon eine halbe Stunde vor dem Einlaufen damit beginnen… Die Knoten, die Knoten, die Knoten… Brigittes Kamera hält die Prozedur selbstverständlich wieder für die Ewigkeit fest.
Beim Einlaufen in die Bucht sind wir total verzückt. Wir hatten zwar schon davon gehört, aber dass es sooo schön ist! Das sollten sich Segler, die dieses Revier befahren, nicht entgehen lassen.
Von der Pier, die eigentlich eine Kneipenmeile ist, winkt uns von Weitem ein Mann an einen freien Liegeplatz. Es ist Giorgio, einer der Kneipenbesitzer.
Wir machen fest und liegen vor Buganker mit dem Heck an der Pier und dem Backbordbug an einer kleinen etwa 15 Quadratmeter großen Vorpier. Die Rückenlehnen der Stühle, auf denen wir später sitzen und essen, stehen keinen Meter von unserer Reling entfernt! Die blanke Idylle! Ein paar hundert Menschen wohnen auf der Insel. Es gibt auch ein paar Touristen und Tagesgäste aus Kas, die mit einer Fähre einmal am Tage gebracht und wieder abgeholt werden.
Giorgio serviert uns das Anlegerbier direkt auf die Orion.
Doch es gibt noch einmal Anspannung, denn wir müssen einklarieren. Darauf werden wir von einem Polizeibeamten aufmerksam gemacht.
Im Polizeibüro gibt es Stress. Etwa 15 Personen vor und im Gebäude diskutieren erhitzt und ziemlich planlos. Wir müssen warten.
Als Andreas fragt, was los ist, geben die Beamten zu verstehen, dass es Probleme mit den „Yachties” gibt. Andreas erklärt, dass wir keine machen werden. Die „stressigen Gäste“ werden aus dem Gebäude verbannt und wir ordentlich bedient. Wir bezahlen 20 Euro, bekommen unser Paper und verschwinden.
Auf dem Rückweg lassen wir uns noch in einer der unzähligen Kneipen an der Pier nieder.
Plötzlich sehen wir, wie eben diese Männer und Frauen mit 5 Schiffen fluchtartig den Hafen verlassen.
Mittlerweile erfahren wir auch den Grund für die Aufregung. Sie wollten zollfrei einkaufen, aber die dafür vorgeschriebene Zeit von mindestens 10 Stunden nicht bleiben, weil dann die nämlich eine Liegegebühr fällig geworden wäre. Nun ja, wer segeln will, um Geld zu sparen, den trifft es eben manchmal hart. Plötzlich liegen wir ganz allein und unglaublich beschaulich.
Der Abend erinnert an die Gelage des sächsischen Hofes, von denen wir manchmal von Brigitte aus ihrem Buch verlesen bekommen. Ein Tag der einfach nicht vergehen dürfte.

5. Tag

Der schönste Tag ist immer der, der vor uns liegt. Frühstück und Frühschoppen und keiner will weg
Wir sind unschlüssig. Die Wasservorräte sind durchs Schiffwaschen verbraucht. Auch mit dem Rest Strom aus den Batterien ist es nicht mehr weit her. Bis Kas sind es nur 5 Meilen. Kein Törn auf den man sich freuen kann. Was tun? Ein Highlight könnte Kekova sein, mit Hassan dem „Besten Koch des Mittelmeeres“. Doch bis dahin sind es 20 Meilen und wir müssen Ankern und den nächsten Tag noch einmal. Da müssen Batterien und Wassertank voll sein.
Doch Giorgio, der Kneiper hilft. Wir bekommen Strom und Wasser. Alles kein Problem, jetzt brauchen die Batterien noch drei Stunden zum Laden. Die Frauen spazieren durch den idyllischen Ort und lernen eine Deutsche kennen, die sich hier mit ihrem griechischen Mann niedergelassen hat. Brigitte bekommt einen sehr schönen Kalender geschenkt, der die Erinnerung an unsere Erlebnisse wach halten wird.
Wir essen noch eine Kleinigkeit und lassen unseren Frühschoppen gegen 13.30 ausklingen.
14.00 Uhr laufen wir aus und setzen die Segel. Wind kommt von hinten und wir müssen reffen. Die Ansteuerung von „Hassans Bucht“ ist nicht ohne. Sie besteht aus zwei Meerengen, davon eine in der versunkenen Stadt. Da kann man leicht mit dem Kiel an einem Bauwerk hängen bleiben. Wir nehmen die Segel runter und navigieren vorsichtig unter Motor. Das tut auch den Batterien gut.
Der Anker fällt etwa 300 m von der Stadt entfernt. Mit uns ankern noch viele andere Schiffe in dieser herrlichen Landschaft. Wir baden und freuen uns auf das Essen bei Hassan.
Ein kurzer Anruf bei Hassan genügt. Er lässt uns mit einem Dinghi abholen. Doch mitten in der Fahrt fällt der Motor beim Dinghi aus. Der Tankanschluss ist nicht dicht und zieht Luft. Nach wenigen Minuten ist das Problem behoben und wir legen einen Meter neben dem für uns reservierten Tisch an.
Das Essen ist typisch türkisch und hat Qualität. Von unserem Platz aus können wir sogar noch den Stapellauf einer Gulet beobachten.
Später bringt uns das Dinghi nonstop wieder zu unserer Orion.
Wir baden noch einmal bei Dunkelheit und dann geht’s in die Kojen. Angelika und Andreas teilen sich die Ankerwachen. Sie schlafen abwechselnd auf dem Deck.

6. Tag

Bevor der Anker gelichtet, wird erst ausgiebig gebadet und gefrühstückt. Vorsichtig navigieren wir wieder über die Häuser der versunkenen Stadt und setzen danach die Segel.
Wenn früh um 10 der Wind schon mit 5 Beaufort bläst, braucht man in den kommenden Stunden nicht unbedingt mit einer Flaute rechnen. Als wir die geschützte Kekova Road verlassen, geht es richtig zur Sache. Jetzt müssen wir halsen, denn wir wollen wieder um die 5 Inseln herum oder mitten durch wenn es geht.
Der Wind frischt auf und kommt aus Südwest. Nicht so schlecht – aber halb so stark wäre er uns lieber.
Mittlerweile haben wir 7 Beaufort und das 1. Reff gesetzt. Wir sind schnell, im Durchschnitt 8,5 Knoten. Das liegt schon über unserer theoretischen Rumpfgeschwindigkeit. Der Wind nimmt zu und die Wellen werden höher. Als Windstärke 8 in der Anzeige erscheint, reffen wir das 2. Mal. Das Schiff lässt sich jetzt wieder besser steuern, auch werden wir nicht langsamer.
Angelika und Andreas wechseln sich am Steuer ab. Wir umsegeln die 5 Inseln um das Kap, obwohl das fünf Meilen mehr sind. Sicher ist sicher, wer weiß, was in der Düse zwischen den Inseln passiert.
Mit 11,5 Knoten erreichen wir die Spitzengeschwindigkeit. Die Wellen sind über 3 Meter hoch und kommen achterlich. Am Ende segeln wir in 5 Stunden 40 Seemeilen
Nach einer Q-Wende, kommen wir langsam unter Landschutz. Erst durch die Inseln und dann durchs Festland. Plötzlich wird der Wind abgeschaltet und wir dümpeln vor Cavus Limani, der uns bereits bekannten Bucht. Schnell beschließen wir, diese anzulaufen.
Da wir noch Proviant benötigen, blasen wir das Beiboot auf, doch wieder weht der Wind in der Bucht ziemlich stark.
Abends um 8 – Windstille. Erst wird gebadet, danach fahren die Männer mit dem Beiboot einkaufen. Als das Beiboot zurück ist, bläst der Wind wieder mit Windstärke 7 in die Bucht, vom Land kommend.
Unser Anker hält nicht, wir müssen uns wieder unter die Felsen verholen. Hier verbringen wir die Nacht.

7. Tag

Zwei Tage bleiben uns noch. Da wir zweimal hintereinander geankert haben, werden wir heute in der Marina in Kemer anlegen.
Promenadensegeln an der türkischen Riviera. Wir setzen den Spinnaker und „schweben“ mit ihm drei Stunden lang in den Norden. Als der Wind zu stark wird, holen wir ihn ein und segeln in die kleine “Moonlight” Bucht südlich vom Hafen. Dort ankern wir vorm Club Med, baden und beobachten das lustige Treiben auf dem Wasser. 18.00 Uhr lichten wir den Anker und legen ohne Motor los. Ein schönes Manöver!
Es sind nur noch 1,5 Meilen bis zum Hafen.
Wir essen wieder im Navigator-Restaurant. Bei der Bestellung geht allerdings Einiges schief. Statt einer Vorspeisenplatte werden uns sage und schreibe sieben serviert. Da hat der Kellner die Bestellung nicht durchdrungen. Glücklicherweise können wir die Hauptgerichte wieder abbestellen.
Keiner von uns hatte zuvor so viele Vorspeisen gegessen. Es ist trotzdem gut.
Andreas empfiehlt unserer Diskocrew das „Red Room“, die angeblich angesagteste Disco hier. Enttäuscht kommt sie zurück, da diese Disko pleite gemacht hat.

8. Tag

Unser letzter Segeltag. Wir wollen zeitig los, weil die Crew noch die Altstadt in Antalya unsicher machen möchte.
Halb neun laufen wir aus, setzen Segel setzen und gleiten bei Windstärke 2 und knapp 2 Knoten dahin.
Jetzt muss wieder der Spinnaker ran, sonst kommen wir heute nicht mehr ans Ziel. Damit geht es gut mit 4 Knoten. Wind nimmt zu. Bei 4 Beaufort segeln wir jetzt mit 7,5 Knoten und Antalya kommt schnell näher.
Nach 3,5 Stunden kommt eine Gewitterfront aus den Bergen. Der Spinnaker muss weg. Es blitzt und donnert und ein paar Tropfen fallen. Doch wir kommen trocken in den Hafen.
Angelika fährt das letzte Anlegemanöver und wir sind wieder da.
233 Seemeilen zeigt das Log am Ende unseres Törns an.

Heute erfährt Andreas noch, dass er bald Großvater wird. Da verfliegt die Wehmut über den zu Ende gegangenen Segeltörn und es kommt Freude auf. Ein Grund zum Feiern.

Das machen wir beim Abendessen in einem alten Hotel. Ein Rundgang durch die Altstadt, am alten Hafen vorbei, dann bricht die letzte kurze Nacht auf der Orion an.

Bis zum nächsten Mal! In der Zwischenzeit können wir uns ja die 800 Fotos von Brigitte ansehen.

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vom 9. bis 14. Mai 2008

Die Überschrift macht’s deutlich: wir werden in diesem Jahr nicht wie gewohnt unser Schiff nach Travemünde überführen, sondern in die Nordsee. Am Freitag, dem 9. Mai 2008, gehen dafür Brigitte aus Dresden, Andreas und ich an Bord. Zuvor hatten wir wie jedes Jahr noch unendlichen Stress mit den Vorbereitungen. Unser Start verzögert sich deshalb um zweieinhalb Stunden und wir legen 17 Uhr 30 in Gernsheim ab. Wie in jedem Jahr sind ein paar Freunde am Steg und verabschieden uns, schließlich wird unsere „Orion“ bis Anfang Oktober ihren Heimatliegeplatz nicht mehr sehen.
Die erste Station Rüdesheim erreichen wir kurz vor Einbruch der Dunkelheit. Der Landgang führt zur Drosselgasse. Doch Brigitte hat ihre Brille vergessen, so verzichtet sie darauf, das Tanzbein zu schwingen. Sie möchte wenigstens sehen, mit wem sie tanzt wenn sie tanzt. Und das geht heute leider nicht, schade.

Der nächste Tag verläuft recht unspektakulär. Wir genießen die Landschaft, zuerst das Binger Loch, die Loreley, die Burg Pfalzgrafenstein bei Kaub und haben gegen 11 Uhr schon das Deutsche Eck in Koblenz querab. Um 18 Uhr legen wir im Medienhafen in Düsseldorf an. Matthias ist uns aus Hessen nachgereist und bringt zum Glück Brigittes Brille mit. Den Abend verbringen wir dann noch gemeinsam in der Altstadt.

Sonntag: Ablegen um 7 Uhr 30. Unser heutiges Ziel ist Willemstad in Holland. Matthias fährt wieder nach Hessen, zurück bleiben Brigitte, Andreas und ich. Das Wetter ist genial, Sonne, Sonne, wenig Wind. Wir beobachten die Landschaft, an der wir jetzt vorbeikommen, wechseln uns am Steuer ab und lauschen nebenbei Brigitte, die uns aus „Der Papalagi“ vorliest. Das Buch haben wir vor unserer Reise von Freunden mit auf den Weg bekommen. Es wird uns bis zum Ende unseres Törns begleiten. Es sind die fiktiven Reden des Südseehäuptlings Tuiavii aus Tiavea, der mit einfachen Worten die europäische Zivilisation kritisiert. Wir hören vom „runden Metall und schweren Papier“, „der schweren Krankheit des Denkens“, von „Steintruhen und Steinschluchten“ oder vom „Fleischbedecken der Europäer“…und müssen immer wieder schmunzeln.

Bis Duisburg ist alles noch wie in jedem Jahr. Aber dieses Mal biegen wir nicht in den Hafenkanal ab sondern bleiben auf dem Rhein. Jetzt kommen noch Wesel, Rees und Emmerich, bevor wir die holländische Grenze überfahren und bei Millingen in die Waal abbiegen. Die nächste größere Stadt ist Nijmegen. Die Universitätsstadt ist die ältestes holländische Stadt mit römischen Wurzeln. Wir sehen von hier aus auch die für Holland typischen Glockengiebel. Die Strecke zieht sich. Nach unserer Schätzung werden wir wohl Willemstad nicht mehr im Hellen erreichen, obwohl es hier weit später dunkel wird, als bei uns zu Hause. Gegen 21 Uhr befinden wir uns auf der Oberen Merwede, einem Unterlauf der Waal. Hier entschließen wir uns, doch schon vorher anzulegen und entdecken einen idyllischen Hafen in Woudrichem. Wir legen in einem Museumshafen an, in dem alte, liebevoll restaurierte Segelschiffe und Fischerboote liegen. Der historische Hafen, so erfahren wir, wurde 1998 im Originalzustand so wie er 1650 war, aufgebaut.
Wir sind begeistert, vor allem beim Landgang. Brigitte ist so entzückt, dass sie unentwegt fotografiert, auch den Sonnenuntergang.

Nach Willemstad ist es nun nicht mehr weit, als wir am nächsten Morgen ablegen. Zuerst teilt sich der Fluss in Untere Merwede und Neue Merwede. Wir biegen in die Neue Merwede ein. Die Autobahnbrücke bei Moerdijk müssen wir mit unserem gelegten Mast noch passieren. Dann befinden wir uns schon in der Hollands Diep. Ab jetzt könnten wir mit gestelltem Mast bis zur Nordsee fahren, denn die noch kommenden Brücken sind Klapp- oder Drehbrücken.
Nach wenigen Kilometer sind wir in Willemstad. Dort liegen wir an der Pier mitten in der Stadt. Es ist Pfingstmontag und eine Menge Leute sind unterwegs. In einer kleinen Kneipe spielt eine Dixi-Band zum Frühschoppen und ein Harley-Treffen findet statt. Der richtige Platz zum Maststellen, findet Andreas. Das ist typisch für ihn, er braucht das Publikum. Mich stören die Leute nicht, ich muss mich darauf konzentrieren, alles richtig zu machen. Und Brigitte freut es, dass es hier nur so von Menschen wimmelt.
Am späten Nachmittag ist dann das Werk vollbracht. Wir haben gar nicht gemerkt, wie die Sonne Gesicht und Arme verbrannt hat.
Wir belohnen uns erst am kommenden Morgen. Willemstad hat einen kleinen Stadtkern mit vielen schön restaurierten Häusern aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Es ist eine typisch holländische kleine Festungstadt. Die Stadtbefestigung von 1602 hat sieben Bastionen, für jede Provinz der damaligen Republik der Niederlande eine. Joggend besichtigen wir den Ort, bunkern Wasser und legen ab.

Wir fahren ein paar Kilometer unter Motor und gelangen an die erste Schleuse. Es ist die Volkerakschleuse. Nach kurzer Wartezeit werden wir mit einigen Berufsschiffern geschleust. Danach werden zum ersten Mal in diesem Jahr die Segel gesetzt. Mit Nordostwind und 3 bis 4 Beaufort erreichen wir gegen 17 Uhr die Krammerschleuse. Die Segel sind schnell eingeholt aber geschleust werden wir erst eine Stunde später.
Danach setzen wir gleich wieder die Segel und es geht weiter mit achterlichem Wind, bis wir am Abend das Südfahrwasser zur Osterschelde erreichen. Um 21 Uhr machen wir in Wemeldinge fest. 35 Seemeilen sind wir heute gesegelt, nicht schlecht für den ersten Tag.

Es ist Mittwoch. Früh ist Joggen und Einkaufen angesagt. Erst mittags legen wir ab. Es ist Nordost, unser Kurs Nordwest, Richtung Verse Meer. Nachmittags passieren wir die nächste Schleuse mit Klappbrücke, da ist schon das Verse Meer. Als wir Wolphartsdijk passieren, überlegen wir, ob wir Franz Karl besuchen, der mit seiner Outborn hier im Hafen liegt. Der Blick durchs Fernglas deutet darauf, dass er scheinbar nicht an Bord ist. Also lassen wir es. Als wir eindrehen, sehen wir schon von weitem die gewaltige Basilika von Veere. Noch 12 Kreuzschläge bis zur Hafeneinfahrt. Wir sind 16 Seemeilen gesegelt, als wir in Veere festmachen.
Auch diese Kleinstadt ist wieder malerisch, am schönsten ist für mich der Hafen. Ein wenig erdrückend ist die riesengroße Kirche, aber das sehe vielleicht nur ich so.

Am Donnerstag joggen wir am Morgen und legen mittags ab. Gleich nach der Ausfahrt biegen wir in den Kanaal door Walcheren ab, werden geschleust und fahren unter Motor bis Middelburg. Es ist nicht weit bis dahin und Brigitte und ich freuen sich auf einen ausgiebigen Landgang und vielleicht ein bisschen Shopping.

Von Middelburg bis Vlissingen müssen vier Klapp- und zwei Drehbrücken passiert werden. Das dauert so seine Zeit. Eilig darf man es nicht haben. Mittags erreichen wir am Freitag die Schleuse in Vlissingen, durch die wir in die Westerschelde gelangen. Bis Breskens, unserem Ziel in dieser ersten Woche, ist es nun nur noch ein Katzensprung.
Von hier aus wollen wir nach London starten.
Für Brigitte ist hier die Zeit um, sie verlässt heute unser Schiff.
Wir hoffen, sie ist um ein paar Erfahrungen reicher geworden und freut sich schon aufs nächste Mal.

Angelika

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Sonnabend, 25. August – Travemünde

Nachdem ich gestern meinen ersten Törn ohne Co-Skipper gesegelt bin, bräuchte ich erst einmal eine kleine Verschnaufpause. Daraus wird aber nichts, es ist Crewwechsel. Das bedeutet wie immer Stress – dreimal Waschsalon hin und zurück, Proviantliste durchgeben, klar Schiff machen und, und, und… Zum Glück helfen Peter und Frank mit, die heute wieder nach Dresden reisen werden. Während ich gerade wieder zum Waschsalon haste, gibt es einen Riesenknall im Hafen. Ein Segler, der bei einer mächtigen Brise Wind (allerdings mit dem Wind) ablegen will, kracht mit dem Holzmast seines Schiffes gegen den Klüverbaum der Kogge, die im Fischereihafen festgemacht hat. Der Mast ist breit. Ich bekomme bei der Rückkehr gerade noch mit, wie die zersplitterten Teile demontiert werden und sehe die betretenen Gesichter der Crew.

Aber noch warten wir auf Ulrike, Walter und ihren Sohn Fabian. Nachmittags kommen sie gemütlich an, das Auto voller Proviant und Gepäck. Sie sind schon so oft mit uns gesegelt, so dass sie sich sofort wie zu Hause fühlen. Wir verabschieden Peter und Frank und beschließen, heute nicht mehr zu starten. In Travemünde ist Baltic-Sail, da können wir noch Einiges erleben. Zum Beispiel jede Menge Shanty-Chöre. An jeder Ecke fast begegnen wir einem. Ehe wir bemerken, dass es gar nicht so viele sind, sie nur mehrfach und an verschiedenen Orten auftreten, ist der Tag schon fast vorüber.

Sonntag, 26. August – Travemünde – Wismar

Wir gehen heute bei westsüdwestlichem Wind nach Wismar. Zuerst sieht es so aus, als würde ein Gewitter nach dem anderen über uns kommen, also reffen wir vorsichtshalber. Später treiben die Gewitterwolken aber davon. Mit dem achterlichen Wind kommen wir bis zur Ansteuerungstonne “Offentief”, dort müssen wir halsen. Meine drei Mitsegler können sich nicht erinnern, so ein Manöver schon einmal gefahren zu haben, deshalb erkläre ich es ihnen. Es klappt ganz gut. Wir sind im Fahrwasser nach Wismar, vorbei an Timmendorf mit seinem niedlichen Hafen, am Walfisch und den Dalben mit den Schwedenköpfen in der Hafeneinfahrt. Wir machen im Alten Hafen fest. Abends wird obligatorisch noch ein schöner Spaziergang durch die Altstadt gemacht, wobei ich feststelle, dass die „Volkskammer“ vermutlich für immer geschlossen hat. In dieser ostalgischen Kneipe bekam man die Rechnung noch mit dem HO-Gaststättenaufdruck. In der Vergangenheit war unser Aufenthalt in Wismar immer mit einem Pflichtbesuch dort verbunden.

Montag, 27. August- Wismar – Timmendorf

In der Nacht kommt Andreas. Ich bin sehr froh darüber und das in mehrerer Hinsicht. Beim heutigen Starkwind legen wir erst mittags ab. Der Wind weht bis 8 Beaufort. Wir nehmen uns deshalb kein allzu großes Stück vor und segeln, weiterhin gerefft, nur bis Timmendorf. Nach dem total harten Anlegemanöver sind wir fix und fertig und verschwinden heut schon zeitig in unseren Kajüten.

Dienstag, 28. August – Timmendorf – Kühlungsborn

Der starke Wind hat auch über Nacht nicht nachgelassen. Tagsüber wird es nur unwesentlich weniger. Nachdem sich Walter und Fabian eine Riesencurrywurst mit Pommes gegönnt haben, fällt der Entschluss, auszulaufen. Aus dem Hafen heraus ist es stressig aber später ist es reinstes Bilderbuchsegeln mit Nordwestwind Stärke 6 gen Kühlungsborn. Zuletzt treffen noch einige Böen bis 7 auf uns. In Kühlungsborn fahre ich einen Heckanleger während einer solchen Bö. Bin wieder froh, dass Andreas mir mit seinen Tipps zur Seite steht.
Abends schauen wir uns auf Fabians Reise-DVD-Player noch „Asterix erobert Rom“ auf sächsisch an, dann versinken wir in tiefen Schlaf.

Mittwoch, 29. August – Kühlungsborn

Unsere drei aus Bayern interessiert es, wie es dort aussieht, wo der letzte G 8-Gipfel stattfand. Und Andreas und ich wollen ihnen gern eine Fahrt mit der Schmalspurbahn, dem „Molly“, nahe bringen. Also verbinden wir alles, erklären diesen Tag zum „Hafentag“ und ziehen los. Zuerst von Kühlungsborn-Ost nach Kühlungsborn-West zu Fuß, mit dem „Molly“ nach Heiligendamm, kleiner Rundgang und zurück. Heiligendamm scheint sie nicht sooo sehr beeindruckt zu haben.

Donnerstag, 30. August – Kühlungsborn – Burgstaaken

Heute bekommen wir wieder so richtig was auf die Mütze. Bei Südwest- bis Westwind und teilweise acht Windstärken segeln wir von Kühlungsborn nach Fehmarn. Zuletzt geht es so richtig gegen an. Fabian hält tapfer durch, aber so kennen wir ihn.
Während er sich heute Abend einen anderen Asterix-Film, dieses Mal auf hessisch hereinzieht, ziehen wir vier Großen auf einen Absacker noch einmal in die berühmte „Haifischbar“ von Burgstaaken ein.

Freitag, 31. August – Burgstaaken – Wismar

Nicht nur für unsere Crew, auch für mich ist heute letzter Segeltag. Wir wollen nach Travemünde. Der Südwestwind, der laut Vorhersage auf West drehen soll, dreht nicht und lässt uns unser Ziel vergessen. Um uns nicht zu sehr weh zu tun, wählen wir nach zweistündigem Wellenreiten Plan B. Das ist Wismar. Mit dem nun raumen Wind kommen wir gut zurecht und müssen uns nicht zu sehr quälen. Auch heute ist Fabian klasse. Er nörgelt nicht und erträgt auch den Regen ohne zu murren. Wir sind stolz auf ihn.
In Wismar sind wir zwar nun schon zum zweiten Mal, doch heute wählen wir einen anderen Hafen, da sind die Eindrücke auch anders. Wir legen im Wasserwanderhafen an.
Abends lassen wir uns die von Andreas wieder so lecker zubereiteten Schollen schmecken und schauen zum letzten Mal einen Asterix-Film.

Sonnabend, 31. August – Wismar

Bevor Ulrike, Walter und Fabian abreisen, bekommt Fabian heute noch ein Geschenk von mir, weil er diese Woche, in der zumeist echtes Schwerwettersegeln angesagt war, so tapfer durchgestanden hat. Er sucht sich das Geschenk selbst aus, es ist natürlich ein Schiff, allerdings von Lego, logo.
Andreas und ich sind zuversichtlich, dass es den drei’n wieder ganz gut bei uns gefallen hat.
Bis zum nächsten Mal!

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