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Mittwoch

Unser Motto: „Wer weit kommen will, muss früh aufstehen“. Damit beginnt unser Törn.
Um 6.30 Uhr heißt es „Reise, Reise“, frühstücken, Schiff klar machen und auf Crewmitglied Gitta warten.
Stefan und Daniel sind mit Andreas schon seit Sonntag hier. Sie vertrieben sich die Zeit mit Sightseeing und einigen Aktivitäten, die sie fast an die Grenze ihrer sportlichen Leistungsfähigkeit brachten. Dies hatten sie ihrem Ehrgeiz und Andreas zu verdanken, der die beiden zur Teilnahme an seinen Morgenläufen inspiriert hatte. Nun, Ehrgeiz ist löblich, kann aber auch schmerzhaft sein. Die zwei quasi Jugendlichen hätten wissen müssen, dass der Ältere zwar schon ganz schön alt, jedoch nicht zum alten Eisen zu zählen ist.

Angelika, die unser Schiffsführer sein wird, kommt nachts an und Gitta wird pünktlich 8.30 Uhr in den Hafen in Antalya gebracht. Jetzt sind wir zu fünft und vollzählig.

9.30 Uhr legen wir ab und laufen, da kein Wind, unter Motor Richtung Süden. Die Crew weiß noch nicht, dass ihr eine Nachtfahrt bevorsteht, damit in den fünf zur Verfügung stehenden Tagen ein „runder“ Törn zustande kommt. Als sie es erfährt, ist sie begeistert und ungläubig zugleich. Ungläubig deshalb, weil sie meint, dass es nicht möglich sei, in 24 Stunden von Antalya nach Griechenland zu segeln.

Nach einer halben Stunde werden die Segel gesetzt und den fünf Inseln am Kap entgegen gekreuzt.
Angelika versucht mit viel Geduld der Crew einige nautische Lektionen zu erteilen. Das ist ihre Stärke. Da könnte sich mancher Pädagoge ein Beispiel nehmen. Die meiste Zeit wird zum Lernen der Knoten verwendet. Für einen, der sie kann ist es manchmal schwierig zu verstehen, warum es manche nicht können!
Abends gibt es gegrillten Wolfsbarsch, der hier Levrek heißt, mit Reis und Salat. Wir kochen gemeinsam und so kommt keine Langeweile auf. Als die Nacht hereinbricht erreichen wir das Kap. Angelika und Andreas teilen sich die Nachtwachen und werden von den Crewmitgliedern unterstützt.
Da der Wind mehrmals einschläft, muss wiederholt die Maschine mitlaufen.

Donnerstag

In der Nacht weht der Wind schwach bis mäßig. Lange vor Sonnenaufgang sehen wir das Leuchtfeuer von Kastellorizou. Es ist eine kleine, der türkischen Südküste vorgelagerte griechische Insel mit zwei Häfen, einen kleinen Flugplatz und allem, was man so braucht. Vor allem mit unzähligen Kneipen, die sich um den Hafen ranken. Den erreichen wir am Morgen.

Mitten in der Einfahrt liegt ein U-Boot. An Deck wird emsig gearbeitet.
Wir wollen ankern, doch beim Klarieren der Ankerwinde stellt Andreas fest, dass die Hauptsicherung durchgebrannt ist. Jetzt wird nicht nur auf dem U-Boot emsig gearbeitet…

Doch in 10 Minuten ist die Sicherung getauscht und wir können ankern und mit dem Heck an der Pier anlegen. Der Anleger ist uns bereits vertraut. Da haben wir im vorigen Jahr schon gelegen. Die Kneipen ringsherum sind noch geschlossen. Und außer einer Peri Yacht und einem weiteren Segelboot, sind wir die einzigen Fremden.
So fremd sind wir nicht, denn schon kommt Giorgio, der Wirt der Kneipe gegenüber. Er begrüßt uns.

Wir frühstücken und duschen, dann teilen sich die Aktivitäten.
Andreas und Angelika schlafen sich aus, während die drei anderen die Insel erkunden.

Gegen 13 Uhr haben wir ausgeschlafen und die Insel ist erkundet. Bei Giorgio nehmen wir noch Wasser. Stefan spendiert für alle Ouzo und Espresso. Dann wollen wir weiter.

Genau gesagt, treten wir nun schon die Rückreise an. Wir haben aber vor, dabei an den schönsten Flecken zu verweilen.

Also legen wir ab und nehmen Kurs auf Kekova.

Der Wind kommt genau aus der Richtung in die wir wollen und somit müssen wir kreuzen. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit, nicht mehr im Hellen die zwei schwierigen Passagen kurz vor der Ankerbucht zu meistern.

Wir sind entzückt von einem Delfin, der auf hoher See mit einem ausgedienten Autoreifen spielt. Da der Wind immer stärker wird, müssen wir reffen. Nach einer Stunde muss das Reff aber wieder raus. Es gibt eben immer was zu tun.

Es ist schon 19.00 Uhr, etwas zu spät, als wir die Segel einholen. Nun motoren wir was das Zeug hält.
Als wir die erste Einfahrt, die Westpassage erreichen, dämmert es bereits. Aber die Durchfahrt ist recht unkompliziert. Die Zweite zur Ücagizbucht nicht mehr und es ist dunkel. Radar, Ausguck und die üblichen Methoden werden aktiviert um die schmale, felsige Einfahrt in das „Reich der versunkenen Stadt“ zu überwinden. Jeder hat seine Aufgabe und wir erreichen gegen 21 Uhr unseren Ankerplatz auf 5 m Wassertiefe. Jetzt noch die vorbereiteten Lammkoteletts grillen, mit dem schönen Ambiente den Absacker genießen und ab in die Kojen.

Karfreitag

Nach einem Bad im Meer, an dem nur die Männer beteiligt sind, lichten wir den Anker. Die Kulisse genießend durchfahren wir die Straße von Kekova und nehmen dabei an Deck das Karfreitagfrühstück ein.
Ein schöner sonniger Tag steht uns bevor.
Daniel hat bereits einen Sonnenbrand, vor allem seine Nase sieht ziemlich mitgenommen aus. Doch auch wir anderen müssen uns vor der intensiven Sonne schützen.
Als wir die Kekovastraße verlassen, setzen wir Segel und es geht wieder Richtung Bes Adalar, den fünf Inseln entgegen.
Am Kap muss der Motor wieder mitschieben. Das bestätigt wiederholt unsere Feststellung, dass man das Kap nicht umsegeln kann!
Nach dem Runden segeln wir wieder und kochen. Diesmal gibt es Spagetti-Bolognese.
An der Wasserinsel schläft der Wind ein und wir nehmen die Segel runter. Fünf Meilen noch bis Cavus Limani. Dort ist uns ein schöner Ankerplatz sicher.
Heute gibt es einen Superanleger (-ankerer), der sich bis nach Mitternacht hinzieht.

Ostersonnabend

Wir frühstücken ausgiebig noch in der Bucht liegend, nachdem der Badehunger gestillt ist. Heute haben wir viel Zeit. Es nur 22 Meilen bis zu unserem nächsten Ziel: Kemer.
Unser Schiffsführer lässt noch in der Bucht Segel setzen und wir versuchen aus der Bucht zu kreuzen. Das ist dort nicht so einfach, da der Wind hier sehr launisch ist.
Die letzte Meile bis zur Pirateninsel müssen wir motoren und danach schläft der Wind ein!!!
Jetzt ist wieder ausgiebig Baden angezeigt.
Gegen 14 Uhr setzen wir den Spinnaker, denn jetzt haben wir schwachen achterlichen Wind. Langsam nähern wir uns Kemer.

Abends gibt es für jeden ein Omelett. Andreas hat es zubereitet und allen schmeckt es superlecker.
Nach dem Essen bekommen wir Appetit auf unser tägliches Anlegegetränk. Damit wir nicht mehr so lange darauf warten müssen, werfen wir für die restlichen fünf Meilen den Motor an, da inzwischen auch Rasmus seine Arbeit eingestellt hat.
Gegen 19.30 Uhr laufen wir unter Assistenz des Hafenpersonals in Kemer ein.

Wir genießen das Hafenambiente und resümieren den Tag.

Ostersonntag

Die Ostereier verzehren wir beim Frühstück wieder an Deck. Schiff waschen und Landgang.
Die Crew stattet noch dem Nomadenmuseum einen Besuch ab, während Andreas die „Orion“ schon zum Ablegen vorbereitet.

Das Ablegemanöver gelingt dieses Mal nicht so besonders, da wir Stefan nicht ausreichend im Umgang mit Leinen eingewiesen haben. So landet die Steuerbordheckleine im Wasser. Das ist an sich nicht weiter schlimm, leider hängt sie aber nicht an der „Orion“. Unser hilfsbereiter Bootsnachbar und das Hafenpersonal entschärfen die Situation und werfen uns die Leine an Bord.
Wir sind über uns selbst ziemlich verärgert und lernen daraus, unsere Mitsegler noch viel intensiver einzuweisen, als wir es bisher schon tun.

Trotz allem wird es noch einmal ein schöner Segeltag, auch mit Badeeinlagen. Wir laufen unter Segeln in den Hafen von Antalya ein und bergen die Segel im Vorhafen.
Das Anlegemanöver wird noch einmal kompliziert, da mitten in der Boxengasse plötzlich der Wind um 180 Grad dreht.
Aber Skipper Angelika hat die Sache im Griff und so kommen wir unbeschadet wieder in Antalya an.

Mit einem Abendessen im Fischereihafenrestaurant „Tayfun“, das Gitta, Daniel und Stefan spendieren, beenden wir die schöne gemeinsame Zeit.

Auch an das werden wir uns gern erinnern: an das Gittarrespiel unseres Profis Stefan, an die Erzählfreude von Gitta, an Angelikas unendliche Geduld beim nautischen Schulen und an Daniels Ausdauer, sich mit seinem Sonnenbrand auseinanderzusetzen. Und daran, dass Andreas immer etwas zu meckern hatte. Aber so kennen wir ihn.

Wir freuen uns trotzdem schon auf das nächste Mal!

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1. Tag

Wer reist wird viel erleben. Mit einem Segelboot im Mittelmeer zu reisen klingt unspektakulär, denkt man doch immer an schönes Wetter.
Unser Schiff, die „Orion“ liegt in Antalya und von hier wollen wir nach Zypern reisen.
Die Insel umrunden wollen wir nicht, da das allein 400 Seemeilen sind. Die Windsituation wird das einfach nicht hergeben und motoren wollen wir nur im äußersten Fall.
Segler haben meist nicht den richtigen Wind. Entweder er ist zu schwach, zu stark oder kommt nicht aus der optimalen Richtung. Die ungünstigste Variante ist zu schwach und nicht aus der richtigen Richtung.
Auf Nachtfahrten wollen wir möglichst verzichten, da man am Tage bei Temperaturen von über 40 Grad nicht so toll schlafen kann.
So entschließen wir uns, an der türkischen Riviera ostwärts zu segeln, danach in den türkischen Teil von Zypern und dort einen Hafen anlaufen.

Wir starten morgens in Antalya. Nach ein paar Manövern unter Motor, um alle Systeme zu testen, setzen wir Segel und es geht mit gutem Südostwind ostwärts.
Wir genießen die türkische Riviera mit den zahlreichen Hotels, welche nach unterschiedlichen Motiven errichtet wurden. Die Berge im Hintergrund, die allesamt zum Taurusgebirge gehören, runden die Kulisse ab.
Wir können das wirklich genießen, denn von See sieht so ein Hotel nicht bedrohlich aus. Immerhin verbringen dort Menschen ihren wohlverdienten Pauschalurlaub.
Das ist nicht unser Ding aber es stört uns nicht.
Nachmittags schläft der Wind ein bzw. er weht nur noch schwach und kommt aus Ost, das bedeutet kreuzen und sehr langsam vorwärtskommen. Unser erstes Ziel Alanya werden wir deshalb teilen müssen und entschließen uns für die Ankerbucht Side 40 Meilen östlich von Antalya.
Der Wind dreht dann doch wieder südlich und wir können bei langsamer Fahrt unseren Badehunger stillen. An unserer Spinnakerschwimmleine macht das Spaß und sorgt für die notwendige Kühlung.
Gegen 19 Uhr erreichen wir die Bucht unter Segeln und ankern mit anderen Schiffen auf ca. 5 Meter Wassertiefe.
Die Bucht bietet ein beeindruckendes Panoptikum von allen Fun Watersports:
Jetski, Gleitboote, geschleppte Wasserfahrzeuge von denen durch das Zugboot versucht wird, die Mitfahrer durch Fahren enger Kurven abzuwerfen. Parasailor und ein Ultraleichtflugzeug geben der Geräuschkulisse das gewisse Etwas.
Mit Einbruch der Dunkelheit zieht erst einmal Stille ein. Doch jetzt sind die Diskos dran. Deren Stehvermögen und natürlich das der Besucher ist beachtlich. Da wir unser Schlaflager nach draußen verlegt haben, bekommen wir von alledem einen stabilen Eindruck. Die Kulisse mit der alten beleuchteten Festung runden diesen ab.
Wir entdecken das An-Deck-Schlafen und genießen es.

2. Tag

Nach Alanya sind es etwa 40 Seemeilen. Wir laufen kurz nach 6 Uhr aus, setzen Segel, frühstücken auf See und spannen unsere Persenning als Sonnenschutz flach über das Cockpit, damit sie uns bei den Manövern nicht mehr als nötig behindert. Ständig der Sonne bei 40 Grad ausgeliefert zu sein ist irgendwie auch gefährlich, obwohl man die Hitze nicht so direkt mitbekommt.
Der Wind dreht auf Ost und wir müssen an die Kreuz. Damit werden aus den 40 Meilen ungefähr 60. Gegen 14 Uhr motoren wir, da der Wind einschläft. Die Zeit davor nutzen wir wieder zum ausgiebigen Baden auf hoher See an unserer Schwimmleine bei 1 bis 2 Knoten Fahrt.
Die Kulisse ist, bedingt natürlich durch die Berge, faszinierend.
Langsam verlassen wir den Westtaurus und begeben uns in den Ostteil. 15 Uhr kommt der Wind wieder und weht schwach aus Süd. Wir können wieder segeln und baden, da es sehr langsam vorwärts geht.
18 Uhr machen wir den Motor an, räumen das Schiff auf und erreichen 19 Uhr Alanya. Im neugebauten Yachthafen eine Meile westlich der alten Festung machen wir fest. Alles ist noch etwas steril, zum Teil werden noch Läden gebaut aber der Service ist in Ordnung. Der Hafen befindet sich außerhalb von Alanyas Zentrum das etwas weiter östlich liegt.
Da uns am 2. Tag unser viel gepriesener und nicht billiger Computer im Stich lässt, benötigen wir noch etwas detailliertes Kartenmaterial und weitere Informationen.
Durch den Erwerb des neuesten Revierführers erfahren wir, dass die etwas vernachlässigte östliche Region in den letzten Jahren aufgeholt hat.
Bemerkenswert ist auch noch, dass wir bis jetzt kein einziges segelndes Boot gesehen haben. Wir glauben also die Einzigen zu sein, die so einen Trip wagen.
Wir lassen den Tag ausklingen und genießen wieder draußen schlafend die Nacht.

3. Tag

Gegen 10 Uhr laufen wir aus. denn wir wollen nur bis Gazipascha etwa 30 Seemeilen östlich von Alanya.
Mit dem neuen Informationsmaterial planen wir um, denn ursprünglich wollten wir von Alanya direkt nach Zypern gehen, was mindestens eine Nacht auf See bedeutet hätte. Mit jeder Minute östlicher Reise verkürzt sich die Überfahrt.
Außerdem spricht der beständige Ostwind dagegen.
Der Tag verläuft unspektakulär mit viel Badespaß und unzähligen Kreuzschlägen. Wieder ist uns kein einziges segelndes Schiff begegnet.
Wir laufen gegen 18 Uhr in Gazipascha ein. Festmacher gibt es nicht und wir ankern mitten im Hafen mit zwei weiteren Segelschiffen.
Nach einem köstlichen Abendessen an Bord, blasen wir mit unserem Kompressor das Beiboot auf und gehen auf Landgang.
Der Ort besteht aus einem schönen Strand, einigen Häusern, einem kleinen Hafenkiosk mit ca. 4 Quadratmetern Verkaufsfläche und vielen Fischern, die unermüdlich arbeiten.
Eine beleuchtete Burgruine runden das Ambiente ab.
Wir planen noch den nächsten Tag und entschließen uns, noch weiter nach Osten zu gehen, um das berühmte Kap Anamur mit einem der weltbekannten Leuchttürme zu runden.

4. Tag

Vor uns liegen 44 Meilen und der Wind soll vorerst weiter aus östlichen Richtungen wehen. Das bedeutet wiederum zeitig Anker lichten.
Das Beiboot verstauen wir auf dem Vorschiff. Kreuzen und guter Wind von 4 bis 5 Beaufort lassen das Baden heute vorerst kurz kommen. Gegen 16 Uhr, etwa 8 Meilen vor Kap Anamur schläft der Wind plötzlich ein und wieder siegt die Badelust.
Doch eine halbe Stunde später kommt Rasmus plötzlich aus dem Westen und zwar mit 5 bis 6 Windstärken, in Böen sind es sogar teilweise 7.
Das bedeutet, platt vorm Laken bei 8 bis 9 Knoten surfen und hart arbeiten. Die Fock baumen wir aus und setzen den Bullenstander, um bei einer drohenden Patenthalse größeren Schaden zu vermeiden.
Jetzt macht uns das auf dem Vordeck liegende Beiboot die Arbeit schwer. Die alte Regel: Mache immer das was du machen musst, auch wenn es noch so schwerfällt, bestraft uns. Das Boot aus dem Weg räumen ist jetzt strapaziös aber der Geschwindigkeitsrausch lässt uns diesen Stress schnell vergessen. Und wir werden unser Ziel wieder segelnd erreichen entgegen allen Wahrsagungen einschlägiger Revierkenner, die uns einen motorsegelnden Trip vorhergesagt hatten. Vielleicht unterscheidet uns unsere Geduld von denen.
Übrigens waren wir wieder die Einzigen in unserem Sichtkreis!
Doch zurück zum Segeln. Kap Anamur erreichen wir gegen 17.30 Uhr. Der Leuchtturm mit dem Leuchthaus ist in den Felsen gebaut. Ein faszinierendes Bauwerk. So ist es oft beim Segeln, genießen und arbeiten gleichzeitig, das haben wir gelernt. Jetzt müssen wir halsen. Da wir wissen, dass dieses Manöver bei mehr als 5 Windstärken eine Materialschlacht ist, entscheiden wir uns für die Q-Wende, die „Weicheimethode“. Sie schont aber das Material und führt letztlich zum gleichen Ergebnis, das Heck durch den Wind zu bringen.
Das Manöver gelingt. Die Fock müssen wir nicht schiften, da der Wind jetzt etwas vorlicher über Backbord einfällt.
Wir bereiten uns schon auf das Manöver des Segelbergens unter diesen Wind- und Wellenbedingungen vor, die Wellenhöhe beträgt jetzt ca. 2 Meter, als 3 Meilen vorm Hafen plötzlich der Wind wieder einschläft und, kein Scherz, wir können noch einmal baden!
Nachträglich erfahren wir, dass dieses Kap Anamur für diese Gegebenheit bekannt ist und auch seinen Namen danach erhielt. Anamur kommt von Anemo, was Windrose bedeutet.
Wir laufen als einziges Segelschiff in den Hafen ein, wo uns der Hafenmeister schon sehnsüchtig und Arme schwingend erwartet. Wir gehen längsseits an die verlassene Pier und liegen wieder wunderschön mit tollem Ambiente in Bozyazi.
Später fährt uns der Hafenmeister, der von Beruf eigentlich Taxifahrer sein will, dessen Taxi sich aber infolge eines technischen Defekts in einer Werkstatt befindet, weil ein spezielles Teil fehlt, mit einem 20-Personen-Bus, der höchstens noch 30 km/h fährt, was bei der bergigen kurvenreichen Strecke auch genug ist, nach Anamur in eine stilvolle Kneipe. Wir essen fürstlich und lassen hier den Tag ausklingen.
Wir wollen auch nicht vergessen, dass wir uns hier in anderen Kulturen bewegen, deren Bauwerke teilweise 3000 Jahre alt sind. Können wir doch nur auf eine Kultur von ca. 1000 Jahren zurückblicken. Wer weiß, was bei uns in 2000 Jahren abgeht…
Morgen werden wir den Sprung nach Zypern wagen. Nur noch 50 Meilen bis dahin, die darauf warten, gesegelt zu werden. Vom Festland aus auf eine Insel zu fahren ist immer ein besonderes Erlebnis.

5. Tag

Kurz vor 6 aufstehen, Schiff waschen, Wasser bunkern und ablegen. Nach 15 Minuten unter Motor Segel setzen. Der Wind ist gut, er kommt aus Ost mit 4 Stärken. Das haben wir einer Wärmegewitterfront zu verdanken, die sich etwa 2 bis 3 Seemeilen östlich von uns entfaltet. 3 Stunden können wir von diesem Schauspiel profitieren, dann wird der Wind weniger und dreht ganz langsam über Nord nach West. Die Stärke pendelt zwischen 2 und 3. Damit machen wir 3 bis 4,5 Knoten Fahrt und können segeln. Wir baden ausgiebig und freuen uns, dass wir beim Queren der Schifffahrtslinien keine Kollisionen befürchten müssen, da die Frachter wirklich ausweichen. Es ist 16 Uhr, nun müssen wir rechnen. Bis 20 Uhr ist es hell, also haben wir noch 4 Stunden für 20 Meilen. 4 Knoten Fahrt sind dafür zu wenig.
Was ist eigentlich mit unserem Spinnaker? Der ist neu, hat viel Geld gekostet und sogar einen Bergeschlauch, eine Einrichtung mit der man das große Tuch vom Vordeck aus beim Setzen und Bergen komfortabel bändigen kann. Er befindet sich seit 3 Monaten an Bord. Fürs Spi-Segeln, zumal dieser noch nie gesetzt wurde und wir nicht genau wissen ob er passt, benötigt man eigentlich 3 Personen. Nun gut, der Autopilot ersetzt eine, aber, passt er überhaupt? Also los geht’s. Doch das Beiboot liegt immer noch auf dem Vorschiff. Kompressor raus, abgepumpt und verstaut. Eine Sache von 10 Minuten! Verdammt, das dürfen wir uns nicht wieder antun.
Alles funktioniert und weitere 10 Minuten später ziert der Ballon unser Schiff. Noch ein paar Trimmeinstellungen und alles ist optimal. Gespannt schauen wir auf die Logge…3,5…4…4.3…..4,8…zwischen 5,0 und 5,2 Knoten pegelt sie sich ein. Wir freuen uns als hätten wir etwas erfunden. Also das können wir jetzt unter Segeln schaffen. Die Sicht ist durch die hohe Luftfeuchtigkeit stark eingeschränkt. Es sind kaum mehr als 4 Seemeilen. Somit müssen wir uns für den Ruf „Land in Sicht“ lange gedulden.
Gegen 18.30 Uhr ist es dann soweit, die gewaltige Bergkulisse, es sind immerhin knappe Zweitausender und viele Lichter tauchen aus dem Dunst.
Wir segeln bis kurz vor die Hafeneinfahrt. Dann muss alles schnell gehen. Den Spi haben wir schon vor 20 Minuten geborgen.
Doch was ist das? Der bereits laufende Motor geht aus. Bis zur Einfahrt in den alten Hafen mit der imposanten Kulisse, sind es noch 100 Meter…
Angelika setzt schnell die Fock, somit können wir wieder segeln und sind manövrierfähig. Ich gehe in den Motorraum. Der Anlasser ist wie blockiert, doch es ist nicht der Anlasser, es ist diese vollelektronische Anlasseinrichtung, EVC genannt. Ich habe es immer mit solider Elektromechanik gehalten. Diese Steuerung war mir seit Lieferung suspekt. Immerhin sind der Motor und alles drum herum neu. Das Telefonat mit dem Hersteller am nächsten Tag bestätigt meine Feststellung: die EVC-Einheit muss ausgetauscht werden – ein Serienfehler….
Nach 10 Minuten haben wir die Sache im Griff und der Motor läuft wieder zuverlässig. Fock runter und rein in den alten Hafen von Kyrenia, türkisch auch Girne genannt. Die alte Burg, der Hafen, die Schiffe – einfach überwältigend. Das muss man gesehen haben, da es nicht zu beschreiben ist und es würde den Rahmen meines kleinen Berichtes sprengen. Die Geräuschkulisse ist aber ebenfalls atemberaubend und so empfinden wir es nicht als unangenehm, dass kein Platz für uns frei ist und wir in den Commercial Harbour, indem sich auch der Yachthafen befindet, einlaufen müssen. Der unglaublich beflissene Hafenmeister hilft uns am einzig freien Platz festzumachen, weist uns aber darauf hin, dass wir noch zur Polizei im Fährterminal zum Einklarieren müssen, die Polizeistation aber erst gegen 23 Uhr wieder besetzt ist.
Der Weg zur Polizei führt uns an einigen besetzten, aber klimatisierten und mit Vorhängeschlössern gut gesicherten Gefängniszellen vorbei direkt zum Terminal. Durch die Gitter können wir sogar einige schlafende Gefangene sehen.
Schon stehen wir vor dem Polizisten, ein unglaublich schöner Mann, wie Angelika findet. Er zaubert uns einen riesigen Stempel in den Pass und die Nacht kann beginnen.

6. Tag (1. auf Zypern)

Wir wollen Zypern entdecken.
Nach dem Frühstück geht es zum Hafenbüro indem uns eine Frau betreut, die mindesten noch schöner ist als der schöne Polizist von gestern Nacht, wie ich finde.
Die schöne Frau offeriert uns als erstes, dass der schöne Polizist, wahrscheinlich von Angelikas oder der eigenen Schönheit so geblendet war, dass er uns diesen Stempel versehentlich in den Pass gemacht hat und wir damit auch wenn wir noch so schön sind, Probleme vor allem im griechischen Teil, denn die Insel ist politisch geteilt, haben werden.
Also der Stempel muss wieder raus und wir wieder zur Polizei.
Diesmal empfangen uns mehrere Polizisten, die nicht so schön sind wie der von gestern Nacht, aber die sich dafür etwas besser auskennen. Zwar gibt es unterschiedliche Auffassungen über das Entfernen, was darin gipfelt, dass man uns in die Hauptstadt nach Nikosia schicken will, aber es dann doch bei einem sehr einfachen, gestempelten „Cancelled“ belässt.
Verbal bekommt der „Schöne Polizist“ von gestern Nacht keine besonderen Kritiken, was wiederum zeigt, dass es schöne Menschen auch schwer haben können. Nun vielleicht wird er demnächst versetzt an eine Schule für schöne Polizisten und kann dort seine Stempelerfahrungen weitergeben.
Dem Wunsch meinerseits, das „Cancelled“ mit einer Unterschrift zu versehen, wird stattgegeben.
Der Stempel gehört jedenfalls auf ein kleines Blatt Papier „White Paper“ genannt, welches wir immer mitführen müssen.
Inzwischen hat die noch schönere Frau im Hafenbüro auch einen nicht ganz so schönen Mietwagen für uns organisiert.
Nach einiger Wartezeit, die wir im Büro der Schönen mit Internetsurfen verbringen, kommt der Wagen, ein Ford Mondeo Kombi, was aber keine Rolle spielt. Vielmehr aber die Tatsache, dass das Lenkrad rechts eingebaut ist und somit der Fahrer auch rechts sitzen muss, was wiederum darauf hindeutet, dass hierzulande auf der linken Seite gefahren wird. Nun ja, wir lernen….
Wir fahren als Erstes, natürlich auf der linken Straßenseite, zu einem Badestrand, kühlen uns ab und lassen den Tag im alten Hafen mit dem atemberaubenden Ambiente ausklingen.
Natürlich schlafen wir wieder an Deck. Die Musik stört uns schon lange nicht mehr. Der Mond, das beleuchtete Hilarion Kastell, welches wir von unserem Schlafplatz beobachten können und die ein- und auslaufenden Fähren gehören nun zu unserem Leben.

7. Tag (2. auf Zypern)

Wir fahren nach Nikosia. Das sind etwa 40 Kilometer durch bergiges Land. Wie gesagt, das Land ist geteilt, was auch für die Hauptstadt gilt. Der türkische Teil ist eine eigene Republik, die Türkische Republik Zypern. Der andere Teil steht unter griechischer Verwaltung, ist aber ein eigenständiges Land. Die Teilung hat eine politische Geschichte, auf die ich hier nicht weiter eingehen will. Die Türken sind damit ganz glücklich, die Griechen wohl weniger, da Ihnen die schönen Nordstrände fehlen.
Es gibt, übrigens auf beiden Seiten nur unscheinbare Hinweise auf die Grenzübergänge. Wir suchen uns einen Parkplatz und pilgern durch Nikosia. Es ist trotz der Teilung eine interessante Stadt.
Am Grenzübergang in den Südteil holen wir uns den Stempel auf unser „White Paper“ und besuchen den griechischen Teil.
Der Unterschied liegt vor allem in der Religion. Die eine lässt sich eben von der anderen nicht gern unterdrücken.
Dieses Problem haben dann die Türken auf ihre Art und Weise gelöst.
Der Grenzübergang selbst erinnert an DDR-Zeiten. Es geht aber ziemlich entspannt zu.
Im griechischen Teil sitzen wir in einem Straßencafe und trinken Orangensaft im türkischen gehe ich zum Friseur, meine schönen Locken legen lassen, während Angelika shoppt. Mit dem Auto wollen wir noch nach Famagusta an der Ostküste, im türkischen Teil der Insel.
Eine schöne alte Stadt, nur der Hafen ist nicht mit in dieses Ambiente eingebunden.
Bemerkenswert ist noch eine alte romanische Kirche, mit einem Minarett kombiniert. Das nenne ich religiöse Toleranz….
Durch die Berge zurück an die Nordküste nach Kyrenia führt uns unser Weg in unsere „Orionheimat“. Die Bergpässe mit dem Auto zu bereisen ist immer eine Herausforderung. So ungefähr auf dem höchsten Punkt, versagt der Motor unseres Fords plötzlich den Dienst. Wir erinnern uns gleich an den Spruch: „Mit dem Ford fort – mit dem Zug nach Hause…“, können darüber aber dann doch schnell wieder lachen, da wir das Gefährt wieder zum Laufen bringen.
Ein Abendessen wieder im alten Hafen von Kyrenia rundet auch diesen Tag ab.

8. Tag (3. auf Zypern)

Mein Bericht beschreibt heute nicht so sehr die Landschaft, sondern mehr die Erlebnisdetails. Wir finden sie so spannend, dass sie einfach unter dem Motto „Wenn’s läuft, dann läuft’s“ festgehalten werden müssen.

Heute wollen wir mit dem Auto den Südteil bereisen und die Städte Larnaka und Limassol besuchen.
Zeitig aufstehen, frühstücken und los.
Die Strecke nach Nikosia kennen wir ja bereits, nun geht es darum, den Grenzübergang für Fahrzeuge zu finden. Das ist nicht einfach, da die Hinweise dazu auf türkischer Seite ziemlich spärlich sind. Später wissen wir, es ist auf der griechischen noch extremer, da die Griechen die zyprisch-türkische Republik bekanntlich nicht anerkennen.
Es soll ein spannender Tag werden, deshalb werde ich mich in meiner Berichterstattung auf das Wesentliche konzentrieren.
Nachdem wir den Checkpoint nach mehreren Anläufen finden, das Grenzprozedere. Auf türkischer Seite keine Kontrolle. Auf griechischer fragt man uns nach der Versicherung für den Ford. Das ist eine spezielle Police, welche man im griechischen Teil haben muss. O.K. – haben wir nicht. Dann verkaufen sie uns bitte eine. Geht nicht, da das Büro nur von Montag bis Freitag geöffnet ist und heute ist Sonntag. Gibt es keine Möglichkeit? Nein, keine.
Was können wir machen?
1. Auto stehen lassen und neues Auto mieten.
2. Auto stehen lassen, mit dem Bus zur Zentralstation und von dort mit dem Bus nach Limassol
3. umkehren und den türkischen Teil der Insel bereisen.
Da sich eine Bushaltestelle unmittelbar an der Grenzstation befindet, entschließen wir uns für eine Kombination aus 1.und 2.
Der Busfahrer begrüßt uns mit einem politisch motiviertem: „Welcome to Cyprus!“ Da stellt sich uns die Frage: Wo waren wir denn bis jetzt?
Wir fahren also zur Zentralstation und versuchen hier ein Mietauto zu bekommen. Alles geht hier ziemlich chaotisch zu und vor unserer Nase schnappt uns gerade einer den letzten freien Wagen weg. Die nächste Autovermietung hat geschlossen.
Verzweifelt fahren wir nun doch mit dem Bus. Der Bus ist neu und klimatisiert. Wo wollen wir denn eigentlich hin? Natürlich nach Limassol. Wir denken: ein Stadtzentrum wird es schon geben und dort wird der Bus schon hinfahren.
Der Bus fährt aber entlang der gesamten Küstenstraße, welche etwas an Piräus erinnert. Zuletzt sitzen, wie wir später wissen, nur noch eine Malteserin, eine Israelin und wir beide im Bus und die Umgebung an der Strecke wird immer industriemäßiger. Schließlich bleibt der Bus im Industriehafen stehen und wir schauen dumm drein. Der Versuch, ein Taxi zu chartern schlägt fehl, da gibt es hier keins und der Bus fährt erst in zwei Stunden zurück!
Glücklicherweise klärt uns ein philippinische Matrose über die Verkehrssituation auf. In 10 Minuten soll ein Stadtbus fahren. Das ist aber nicht so sicher, es kann auch eine Stunde dauern. Es ist heiß und rund herum nur Beton.
Wir verbünden uns mit den zwei jungen Damen und kommen dann nach ca. 40 Minuten, nachdem uns der Stadtbusfahrer noch 20 Minuten im heißen Beton warten lässt, während er sich mit dem anderen aus seinem klimatisierten Cockpit unterhält, mit dem Bus doch noch ins Zentrum und trennen uns von ihnen.
Was machen wir? Erst mal an den Strand, abkühlen. Wenn treffen wir dort? Die Malteserin. Sie erzählz uns, dass sie in Nikosia arbeitet, weil man dort mehr verdient als auf Malta.
Schließlich machen wir doch noch einen Stadtrundgang. Die Wiesen der Uferpromenade sind belagert von Hunderten oder gar Tausenden von Flüchtlingen aus den asiatischen Raum. Alle sind gut gekleidet und stören eigentlich nicht. Auch die Stadt ist voll mit ihnen. Leider müssen wir 15.45 Uhr an einer bestimmten Haltestelle sein, da der letzte Bus nach Nikosia gegen 16 Uhr fahren soll.
Das klappt. Der Bus kommt etwas später, ist aber ein 20-Sitzer, wie der des Taxifahrers in Bozyazi und etwa in dem gleichen technischen Zustand. Die Klimaanlage funktionierte früher einmal. Da alle Fenster geöffnet sind, gibt es nur bei Stoppeinlagen einen enormen Hitzestau, so dass man die Luft anhalten muss, bis es weiter geht.
Erstaunlich ist noch festzustellen, dass nach weiteren drei Haltestellen alle Sitzplätze besetzt sind und niemand mehr mitgenommen wird. Der Bus hält dann an und erklärt den Wartenden dass nichts mehr geht. Sehr anständig…
Jetzt wissen wir auch, warum wir unbedingt an dieser Haltestelle sein mussten…
Allerdings hatten wir bereits mit der Malteserin vereinbart, gemeinsam mit dem Taxi zurück zu fahren, wenn etwas schief gehen sollte.
Schließlich gelangen wir nach Nikosia zur Zentralstation. Nun müssen wir nur noch mit dem Stadtbus zur Grenzstation, wo unser Auto wartet.
Der Busfahrer, übrigens der gleiche, der uns am Morgen fuhr, kennt die Station nicht mehr und will auch nicht mehr wissen, dass er uns am Morgen schon mitgenommen hatte und fährt los.
Als alle Fahrgäste den Bus wieder verlassen haben, bedeutet er uns, dass auch wir aussteigen sollen. Ich übe gehörigen verbalen Druck auf ihn aus. Plötzlich stellt er das Gefährt in einer ziemlich verlassenen Gegend ab, nimmt seine Kasse, steigt aus dem Bus, verschließt ihn von außen und haut ab…
Bevor wir realisieren was abläuft, sind wir in einem Bus gefangen.
Was tun? Scheibe einschlagen? Nach kurzer Inspektion betätige ich die Notentriegelung der Vordertür, ich öffne die Plombe, entlüfte den Federspeicher und ziehe die Tür auf. Wir sind draußen – und erst einmal erleichtert.
Der Busfahrer hat sich in der Zwischenzeit vielleicht 200 Meter vom Bus entfernt.
Da er ja im Moment unser einziger sozialer Ansprechpartner ist, entschließe ich mich, die Verfolgung aufzunehmen. Mit einer Laufeinlage, die mich an meinen Marathonlauf in New York erinnert, komme ich ihm näher. Als er das mitbekommt, rennt er als ginge es um sein Leben. Die Situation ist grotesk.
Angelika bewacht in der Zwischenzeit den verlassenen aber offenen Bus.
Plötzlich kommt Polizei, die wahrscheinlich von einem PKW-Fahrer, den der Busfahrer in seiner Verzweiflung stoppte, gerufen wurde und noch so ziemlich alles was Rang und Namen hat, auch von der Busverwaltung.
Wir klären die Polizisten über die Situation auf. Die Polizei erklärt uns wiederum, dass es ein Problem zwischen Türken und Griechen gibt. Das erscheint uns unlogisch, denn dieses hier liegt eindeutig auf griechischer Seite.
Der Busfahrer, der sich inzwischen wieder an der Basis eingefunden hat, wird in die Mangel genommen und muss wieder in den Bus. Für uns wird ein Taxi bestellt, das uns zur Grenzstation bringt.
Die Rückreise mit unserem Ford verläuft dann problemlos, nachdem wir auf Anweisung des griechischen Grenzpersonals dann doch noch einen Schlenker durch griechisches Territorium, ohne gültige Versicherung, machen müssen, um wieder in die Spur zu kommen. Eigentlich sind wir froh, wieder im türkischen Teil zu sein. Angelika arbeitet den Tag nochmals auf und wir haben noch tagelang viel Spaß damit. Sie hat noch nie in Ihrem Leben einen flüchtenden Busfahrer gesehen.
Übrigens gab ich die Verfolgung auf, weil ich ihn ja hätte verprügeln müssen, um glaubwürdig zu bleiben. Der Gerechtigkeit halber hätte ich dann auch noch den Busfahrer der uns in den Industriehafen fuhr und den Stadtbusfahrer, der uns 20 Minuten in der Hitze stehen ließ und sich aus dem klimatisierten Cockpit seines Busses, mit dem anderen Verprügelungsreifen unterhielt, verprügeln müssen. Das wollte ich uns ersparen, aber es war ja auch so schon erlebnisreich genug.
Der Abend verläuft wie fast immer. Essen im Yachthafenrestaurant, indem man auch zollfrei einkaufen kann.
Wir wollen noch einen Tag länger bleiben und informieren die Mietwagenfirma darüber. Vielleicht fahren wir noch einmal mit Versicherung über die Grenze…
Abends kommt dann der Agent der Mietwagenfirma, um den Mietvertrag zu verlängern.
Im Gespräch über unser Vorhaben erfahren wir dann, dass wir mit diesem Wagen die Reise in den griechischen Teil aus versicherungsrechtlichen Gründen hätten gar nicht antreten dürfen… welche Kausalitäten!
Wir machen unseren Entschluss rückgängig, geben das Auto ab und wollen den nächsten Tag in Kyrenia verbringen.
Was für ein Tag.
Der Abend wird lang, bevor wir einschlafen können. Müssen wir doch das Erlebte noch aufarbeiten.

9. Tag (4. auf Zypern)

Wir bereiten uns auf die Rückreise vor, ruhen uns aus und kaufen noch etwas ein.
Dann gehen wir zeitig schlafen, denn wir wollen gegen Mitternacht auslaufen.
Es soll guten Wind aus West bis Nordwest geben. Damit können wir wieder nach Bozyazi zurück, oder wenn wir die Höhe nicht halten können, nach Aydincik gehen.
Abendessen in der Yachthafenkneipe.
Reminiszierend finden wir die türkische Seite von Zypern etwas gemütlicher und auch die Menschen etwas entspannter.
Da ich auch schon in Griechenland arbeitete und Projekte mit verschiedenen Teams verwirklichte, bestätigt sich mein Eindruck, dass die Türken besser zu uns passen als die Griechen. Aber auch das hat bestimmt etwas mit Kultur und Religion zu tun.

10. Tag

0.00 Uhr ist Ablegen. Wir sind hoch motiviert und haben uns vorbereitet. Beim Auslaufen fällte die Backbordlaterne aus. Früher konnte man noch eine Glühlampe wechseln. Jetzt haben wir LED und den Salat.
Wir setzen Segel und merken bereits an der Dünung, dass uns Einiges bevorsteht.
Und so ist es. In so einem Moment fällt dann noch die neue Instrumentenbeleuchtung aus. Alles ist automatisch und sensorgesteuert…
Wenigstens die Magnetkompassbeleuchtung funktioniert und der Autopilot. Außerdem haben wir eine schöne Maglite-Taschenlampe.
Der Wind kommt mit 5 aus Nordwest und wir können Bozyazi nicht ganz halten. Die Sicht ist unheimlich gut, ich schätze 30 Kilometer.
Der Wind wird stärker und dreht langsam auf West und wir reffen. Jetzt segeln wir besser. In Böen sind es jetzt 7 und die Wellen kommen über. Eine überspült das Schiff und wir sind komplett nass. Das passiert dann noch mehrmals. Das ist aber nicht schlimm, da es warm ist. Die Temperatur beträgt etwa 30 Grad und das nach Mitternacht. Da das Wasser die gleiche Temperatur hat, ist es fast wie entspanntes Baden….
Mit 7 bis 8 Knoten kommen wir sehr schnell voran und gewöhnen uns an die Bedingungen.
Nach 25 Meilen können wir immer noch das beleuchtete Hilarion Kastell sehen, auf der Festlandseite tauchen die ersten Lichter auf.
Die Schifffahrtslinien haben wir im Griff. Das ist bei der Geschwindigkeit leicht. Der Wind nimmt langsam ab
Mittlerweile können wir auch Kurs auf Bozyazi nehmen und freuen uns schon auf den Hafenmeister.
10 Meilen vor dem Ziel müssen wir ausreffen. Der Sonnenaufgang im Osten entschädigt uns von den Strapazen und wir können an Deck frühstücken.
Mit der letzten Mütze Wind erreichen wir schließlich den Hafen und legen mit Hilfe unseres Hafenmeisters an.
Doch was ist das? Ein weiteres Schiff läuft ein. Eine 20 Meter-Ketsch, übrigens bekannt aus der Celebi-Marina in Antalya. Hat aber den Hafen gewechselt und liegt mittlerweile in Finike.
Diesmal kochen wir selbst und unser Hafenmeister ist ein bisschen sauer, kann aber die Crew der Ketsch überreden, mit seinem Bus zur nächsten Kneipe zu fahren.
Sein Taxi sei immer noch defekt. Na ja, vielleicht war es auch nur eine Ausrede.
Nachts kommen dann immer die Angler und belagern die Pier, allerdings sind diese äußerst diszipliniert und tun so als wären sie gar nicht da. Sehr angenehm.

11. Tag

Wir bleiben im Hafen, da der Wind ziemlich stark aus Ost wehen soll.
Wir entspannen und genießen das Ambiente der türkischen Küste.
Touristisch ist hier nicht mehr so viel los wie in Antalya oder Alanya, aber das ist auch sehr angenehm. Die Hotels sind klein und man kann sie an einer Hand abzählen.

12. Tag

Weiter geht es Richtung Westen. Es soll Ostwind geben und wir legen zeitig ab.
Die Dünung ist, infolge des starken Windes vom Vortag und nachts, noch hoch und der Wind kommt schwach aus Ost. Segler wissen, dass das kein Traumsegeln zulässt, da die Segel schlagen, weil der Wind sie nicht voll halten kann.
Wir Motoren bis Kap Anamur und genießen noch einmal das Anamurium, eine alte Ruinenstadt und den Leuchtturm bzw. das Leuchthaus.
Dann setzen wir Segel und versuchen alles. Nach 4 Stunden und 12 gesegelten Meilen werfen wir den Motor wieder an.
Wir laufen 4 Stunden unter Motor und erreichen Gazipascha, unser eigentliches Tagesziel. Doch es ist erst 15 Uhr und was wollen wir jetzt schon im Hafen?
Weiter geht es nach Alanya. Der Wind frischt auf und wir setzen Segel, Großsegel und Spinnaker.
18.30 Uhr schläft der Wind wieder ein. Wir räumen auf und gehen die letzten 7 Meilen unter Motor.
Das war heute unser Motortag: 45 von insgesamt 68 Meilen unter Motor.
Na, dann ist dieser wenigstens auch mal wieder eine längere Zeit gelaufen und wir haben etwas Kraftstoff verbraucht. Die Tanks sind ja noch fast voll.
Alanya begrüßt uns mit Abendstimmung und ein tolles Menü im Yachthafenrestaurant auf der Hafenmole, runden den Tag ab. Das Restaurant hat Gourmetqualität und muss sich hinter unserem Yoma-Hafenrestaurant in Antalya nicht verstecken.
Eine alte Bekannte, die „Summerset“, eine 20 Meter Stahlketsch treffen wir an Land liegend. Dieses Schiff sollte vor einiger Zeit in unserer Werft instand gesetzt werden, der Eigner entschloss sich aber für die aufwändigere Methode.
Ich war deshalb mit Angelika extra in Finike um ein umfangreiches Angebot zu erstellen. Das Eignerehepaar aus der Schweiz trafen wir in Alanya nicht.
Wir schlafen, wie immer, an Deck.

13. Tag

9.00 Uhr laufen wir aus und die Bedingungen sind exzellent. Wind aus 60 Grad von Backbord, Stärke 3 bis 4 ein Traumsegeltag, auch mit Badeeinheiten. Unsere Persenning schützt uns vor direkter Sonneneinstrahlung. Gefrühstückt wird wieder an Deck und wir genießen das Ambiente.
Diesmal wollen wir in den alten Hafen von Side. Schon von weitem sehen wir die Ruinen und wir bereiten uns auf das Einlaufen vor. Mit der letzten Mütze Wind schaffen wir es bis vor die Hafeneinfahrt. Ein auslaufendes Boot deutet uns, wir sollten uns weiter Steuerbord halten. Die Strömung drückt uns aber immer wieder nach Backbord. Beim zweiten Versuch klappt es. Der Hafenmeister erwartet uns bereits Arme schwingend und wir legen mit dem Heck zur Pier und dem Buganker an. Das Manöver ist nicht so leicht, da ziemlich viel Schwell im Hafen steht und die Gulets den Rest erledigen. Jedes Manöver wird von dutzenden Schaulustigen begleitet.
Wir sind in Side, einer Touristenhochburg. So geht es hier auch zu. Anmache an jedem Restaurant. Das blieb uns bisher erspart, bewegten wir uns immer außerhalb dieser Ballungen.
Wir wählen ein Restaurant mit der wenigsten Anmache und siehe da, wir treffen unsere alten Bekannten aus Bozyazi.
Die Nacht wird spannend, denn direkt am Hafen gibt es eine High-Tech-Disco und wir sind so gut wie mitten drin. Mit dem Schiff in einer Disko und es gibt Techno vom Feinsten.
Das wussten wir aber vorher und haben es so gewählt.
Angelika schläft diesmal unter Deck, da sie vor Müdigkeit das Ende der Diskonacht gegen 4.00 Uhr nicht miterleben kann.
Die Aktivitäten im Hafen sind nicht zu beschreiben, deshalb möchte ich es auch dabei belassen.
Das Ambiente ist jedenfalls unschlagbar.

14. Tag

Das sollte der Letzte unserer Reise werde. Wir sind natürlich etwas müde und wollen relaxen, laufen 8.00 Uhr aus, liegen 300 m vor dem Hafen in der Flaute und frühstücken.
Beim Auslaufen bei spiegelglatter See sehen wir dann noch das Problem, welches wir beim Einlaufen nur durch Hinweise bemerkten. Da liegen auf der Backbordseite riesige Steinbrocken, die uns womöglich hätten Schwierigkeiten bereiten können.
Nach einer Stunde kommt der Wind, erst schwach, dann immer stärker und weht schließlich mit 5 und er kommt wieder von Backbord. Damit werden die 40 Meilen zum Kinderspiel. Uns ist so als geht es in die Heimat.
Erst recht beim Einlaufen in die Antalyabucht. Hier kennen wir jedes Haus und die Hotels, da wir in vielen bereits wohnten.
Wir machen noch einen kleinen Abstecher und segeln einige Meilen an der Promenade entlang. Das tun wir meistens, wenn die Bedingungen gut sind.
Im Hafen Segel runter. Das Serviceboot hilft uns beim Festmachen und wir sind wieder da.
Noch nicht richtig festgemacht, kommt der Besitzer des Yachtzubehörmarktes und drängt uns, am nächsten Tag die internationale Regatta mitzufahren. Ein Blick in Angelikas Antlitz und wir sagen innerhalb weniger Sekunden zu.

Insgesamt werden wir 5. und in unserer Klasse 2. Leider war sehr wenig Wind und wir haben am Anfang ein paar gravierende Fehler gemacht, sonst hätten wir wahrscheinlich gewonnen. Doch das gehört sich nicht beim ersten Gastspiel!!

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Letzter Segeltörn dieser Saison und Bergfahrt
vom 22. September bis 7. Oktober 2007

Die Koordination der Anreise ist eine erste Herausforderung: Andreas aus Dresden, Dorothea aus Ladenburg, Edmund und Karola aus Griesheim und Norbert und Birgit aus Hennef lassen die Tour mit dem Mietwagen bis Neustadt in der Lübecker Bucht mehr als 1300 Kilometer lang werden. Ferienbedingte Staus machen das Maß voll.
Zeit, sich näher kennen zu lernen, sich auf den Urlaub vorzubereiten und sich schon mal in Geduld zu üben, die bei Seglern sprichwörtlich keine Grenzen kennt.
Um 14:30 Uhr am Samstag erreichen wir dann endlich unseren Ablöseort und nehmen von der Orion Besitz.
Matthias fährt mit dem Mietwagen zurück, nachdem wir gemeinsam kleinere Instandsetzungsarbeiten mit mitgebrachten Ersatzteilen durchgeführt haben
Schnell ist die „Schlafordnung“ geregelt und der reichliche Proviant verstaut. Nach der langen Anreise entschließen wir uns, nicht mehr auszulaufen, verleitet die Nähe der Neustädter City doch noch zu einem Landgang mit abschließendem Abendessen in einer Hafenkneipe.
Nach der wohlverdienten Nachtruhe geht es am Sonntagmorgen dann los.
Die Neustädter Hafenausfahrt lässt es ahnen: spiegelglatte See und Nebel mit Sichtweite unter 50 Meter.
Unter Radar und Motor geht es dann Richtung Fehmarn.
Nach einer Stunde und etwa 7 Meilen kommt Wind auf und der Nebel lichtet sich. Segel setzen und der Segeltörn beginnt.
Die Grußzeremonie des Erasmus ist, nicht nur an diesem Tag, ein besonderes Highlight. Da unsere Dorothea mit Nachnamen Erasmus heißt, ist das auch für die nächsten Tage ihre Aufgabe.
Der Portwein ist gut und beschert uns dann auch den erforderlichen Wind, um unser Ziel Burg auf Fehmarn zu erreichen. Reinsegeln bis in den Hafen und dann ein schöner Heckanleger, um unsere Heckgangway auf dem Steg zu platzieren.
Gemeinsames Kochen unter Leitung unserer gourmetkocherfahrenen Edmund und Karola runden den Tag ab.
Der Abend gehört der Haifischbar und der Ramazzotti ist überall gut.
Montag wird zeitig aufgestanden, wollen wir doch versuchen, Aerö in der dänischen Südsee zu erreichen.
Norbert und Birgit nehmen sich der Aufgabe an, Brötchen zu holen und dabei die am Vortage geschriebenen Karten in einen Briefkasten zu stecken.
Aber sie sind mit beiden Aufgaben überfordert: keine Brötchen, dafür Karten wieder da. Da muss der Skipper ran. Ist kein Problem, kann er sich doch in seglerischer Hinsicht auf seine Crew verlassen. Vielleicht sollte es aber auch ein Test sein.
Gegen 10:00 Uhr geht es dann los. An der Ansteuerung Fehmarnsund werden die Segel gesetzt und der Segeltag nimmt seinen Lauf.
Immer wieder ein Erlebnis ist die Unterquerung der Fehmarnsundbrücke. Durchfahrtshöhe je nach Wasserstand ca. 22 Meter – Antennenhöhe der Orion ca. 21.7 Meter. Bange Blicke, aber es reicht mal wieder.
Gegen 16:00 Uhr erreichen wir Bagenkop und sind um 18:00 Uhr an der Ansteuerung von Marstal.
Ein exzellenter Segeltag, ca. 42 Meilen in sieben Stunden. Da muss man zufrieden sein, zumal wir bis in den Vorhafen segeln und dann erst die Lappen runter nehmen. Heckanleger in einer der zahlreichen freien Boxen, anders als in der Hauptsaison. Gangway raus und Anlegergetränk aufgetischt. Jeder hat da so seine speziellen Getränke.
Beim gemeinsamen Kochen lassen wir diesen wunderschönen Segeltag noch einmal Revue passieren.
Der Abend klingt in einem dänischen Pub bei Livemusik aus und will kein Ende nehmen.
Wir vereinbaren, noch am nächsten Tag, wenn es der Wind zulässt nach Aerösköbing zu gehen. Ein kurzer Trip, so um die 17 Seemeilen.
Am nächsten Morgen dann Regen in Strömen und böiger Wind. Das hatte der Ausdruck auf dem Wetterfax bereits angedeutet. Wir schlafen also aus und warten, denn der Wind und der Regen sollen nachlassen.
Die Crew vertreibt sich die Zeit mit Landgang und Shopping.
Um 14:00 Uhr geht es dann los. Edmund, wie so oft, am Steuer und der Rest der Crew setzt Segel. Das machen wir noch im Hafen, setzt der Wind doch so, dass wir das anspruchsvolle Fahrwasser segeln können. Im Groß binden wir das 1. Reff ein, um etwas Druck und Geschwindigkeit zu nehmen, da wir den Liftkiel ein Stück hochziehen müssen. Diese Arbeit übernimmt natürlich die Hydraulik.
In rasanter Fahrt geht es durch das Fahrwasser. Die letzten 5 Meilen heißt es kreuzen. An der Ansteuerung zum Fahrwasser Aerösköbing nehmen wir die Segel runter. Zweieinhalb Stunden für 16 Meilen sind kein schlechter Schnitt. Leider war der Segeltag sehr kurz.
Umso mehr genießen wir die wunderschöne alte Stadt, in der wir uns wie in einer anderen Welt fühlen. Hier empfinden wir, trifft der Spruch von der Welt, die noch in Ordnung ist, wohl am ehesten zu. Natürlich kochen wir auch heute wieder gemeinsam und entschließen uns – nach einem ausgiebigen „Zug durch die Gemeinde“ – noch zu einen Absacker auf dem Schiff.
Die Wettervorhersagen für die nächsten Tage lassen uns noch lange über die weitere Törnplanung diskutieren. Sturm bis zum Orkan ist angesagt. Für morgen bereits im Skagerrak mit der Tendenz südlicher Verlagerung.
Unser Ziel ist das deutsche Festland. Bis Heiligenhafen sind es fast 50 Meilen und für den Beginn des Tages ist schwacher umlaufender Wind gemeldet.
Gegen 9 Uhr laufen wir aus und setzen sofort die Segel. Vergeblich hoffen wir, dass sich die Meteorologen geirrt haben. Nicht nur heute, auch an den kommenden Tagen.
Nach drei Stunden werfen wir den Motor an und holen die Fock ein. Wollen die letzte Mütze Wind noch mitnehmen. Da kann auch „unser“ bordeigener Erasmus nichts ausrichten.
Gegen 19 Uhr queren wir den Kiel-Ostsee-Weg. Danach nehmen wir auch das Großsegel und den schwarzen Kegel weg. Es herrscht Windstille, die so genannte Ruhe vor dem Sturm. Dafür, dass wir unter Motor fahren müssen, werden wir mit einem traumhaften Sonnenuntergang entschädigt. Jeder genießt das und es wird fast nicht gesprochen.
Gekocht wird auf dem Schiff. Unter Leitung von Dorothea werden Bouletten zubereitet und danach gemeinsam verzehrt.
Dann fällt die Nacht aufs Meer, wir schalten wieder das Radar an und navigieren nach Leuchtfeuern.
So erreichen wir gegen 22:00 Uhr Heiligenhafen und machen unser Schiff mit einem Heckanleger in einer der zahlreichen Pfahlboxen fest. Die Crew ist jetzt so eingespielt, dass alle Manöver richtig Freude machen.
Einer Absackerkneipe zu finden ist nicht einfach, schließen die meisten Lokalitäten doch 22 Uhr.
Am Marktplatz gelingt es uns dann doch noch, den überwiegend unter Motor verbrachten Tag ausklingen zu lassen.
Nachts bricht der Sturm los. Das Schiff krängt bis zu 15 Grad im Hafen und die Nacht wird unruhig.
Am Morgen dann der Auslaufpoker. Noch bläst der Wind mit ca. 8 Bft zu stark, doch gegen Mittag soll es für einige Stunden auf 6 bis 7 Bft zurückgehen.
Das Problem ist: der Wind kommt aus Nordost und wir müssen in die Lübecker Bucht, da wir unser Schiff, wie jedes Jahr, nach Gernsheim am Oberrhein überführen müssen.
Das bedeutet, dass wir die gesamte Ostseewelle zu spüren bekommen.
Gegen 11.30 Uhr laufen wir aus. Andreas am Steuer, Edmund setzt das Groß, Norbert überwacht die Großschot, Birgit, Karola und Dorothea klarieren die Fallen und wachen über das Klarkommen der anderen Leinen.
Die Rettungswesten sind angelegt und die Lifebelts verteilt. Jeder hat einen Punkt, an dem er sich einpicken kann.
Wir reffen sofort. Im Fehmarnsundfahrwasser wird die Fock gesetzt. Das übernimmt Norbert.
Der Wind bläst mit Stärke 7, doch noch ist alles in Ordnung.
Gegen 12:30 Uhr verlassen wir das Fehrmarnsundfahrwasser und können abfallen. Mit 8 bis 9 Knoten, bei 60 Grad am Wind, geht es Richtung Dameshöved. Wenige Boote sind unterwegs, die meisten unter Motor. Eigentlich unverständlich bei 1,5 bis 2 Meter hoher Welle.
Um 14:30 Uhr erreichen wir die Gefahrentonne. Jetzt wird es spannend. Wir müssen noch weiter abfallen. Der Wind hat mittlerweile wieder Stärke 8 erreicht und kommt in Böen mit 9 bis 10. Wir müssen platt vors Laken. Eine Herausforderung an die Steuermänner. Wir holen die Fock ein und laufen bei 2,5 Meter hoher Welle nur unter gerefftem Groß mit bis zu 10 Knoten.
Außer uns ist niemand mehr unterwegs. Wir sind allein mit dieser rauhen See.
Der Wind nimmt weiter zu und dreht etwas rück, das bedeutet, wir müssen halsen. Natürlich fahren wir unter diesen Bedingungen eine Q-Wende: dreimal rechts abbiegen ist wie einmal links gefahren. Das ist allerdings bei Windstärke 9 ein aufregendes Manöver, welches keine Fehler verzeiht. Überhaupt, eine tolle Crew, einige können sogar noch essen.
Bis auf unseren Hauptsteuermann Edmund hat niemand mit Seekrankheit zu kämpfen, doch der löst dieses Problem während er steuert mit Bravour.
Wir entschließen uns, Neustadt anzulaufen, da Andreas mit der Ancora-Marina für Freitag einen Krantermin zur Montage eines größeren Propellers vereinbart hat.
Der Wind bläst mittlerweile mit 9 in Böen bis 11 und alles ist wie selbstverständlich. Auch als wir plötzlich bei Pelzerhaken Landschutz erreichen und die Welle nachlässt. Wir segeln bis in den Hafen von Neustadt und nehmen dann unser gerefftes Groß herunter.
Den Längsanleger nehmen wir an unserem gewohnten Platz, doch eine Veränderung stellen wir fest: Neustadt hat Hochwasser. Der Uferweg steht unter Wasser und ist unpassierbar.
Doch wir haben es geschafft. Danke an alle die diesen Trip miterlebt haben. Ihr habt bewiesen, dass ihr auch unter schwierigsten Bedingungen segeln könnt. Die Voraussetzung für das Führen von Schiffen.
Natürlich genießen wir den Abend und die Ruhe nach dem Sturm. Andreas bereitet seine Spezialität zu: gebratene Schollen nach Finkenwerder und Büsumer Art. Und danach fließt wieder … der Ramazzotti.
Am nächsten Tag fahren wir dann in die Ancora-Marina zum Travellerlift. Doch welche Enttäuschung: wir können infolge des Sturms nicht gekrant werden. Das ist zu gefährlich.
Eine landseitige Inspektion der Lübecker Bucht ergibt: Ein Meer voller Schaumkronen macht die auch noch so kurze Fahrt nach Travemünde unmöglich. Fazit: Zurück nach Neustadt und Hafenidylle genießen.
Ein klein wenig leidet unsere weitere Planung darunter und ein Wermutstropfen: Birgit und Norbert müssen uns am Samstag verlassen.
Angelika aus Dresden wird beide ersetzen müssen. Eine schwierige Aufgabe für sie, sind wir doch ein eingespieltes Team.
Das Warten auf Angelika verkürzen wir uns durch einen Besuch des zur Stammkneipe aufgestiegenen Hafenlokals.
Um 23:00 Uhr ist Angelika dann endlich da, langerwartet, denn in ihrem Gepäck befinden sich auch 3 Flaschen Ramazzotti, wichtiges Utensil zur Bekämpfung der Seekrankheit.
Bis 1:00 Uhr wird noch geklönt. In dieser Nacht sind wir sieben.
Morgens heißt es 5 Uhr früh aufstehen!
Gegen 6:30 Uhr verabschieden wir uns von Norbert und Birgit, wobei auch Tränen fließen. Die beiden ruft ihr Geschäft nach Hause. Sonst hätte es gepasst, fahren wir doch in den nächsten Tagen mit der Orion fast an ihrer Haustür vorbei.

Die nächste Etappe lässt uns wenig Zeit, über den Abschied nachzudenken.
Angelika wird ab jetzt das Schiff führen, da Andreas dienstlich nach Düsseldorf muss.
Bevor der Mast gelegt wird, müssen wir mindestens nach Travemünde, denn mit gelegtem Mast über die Lübecker Bucht bei der noch vorhandenen Dünung – das macht sich nicht so besonders.
Also zum letzten Mal die Segel hoch, zum letzten Mal den Erasmus gegrüßt, zum letzten Mal die See genießen. Machs gut Ostsee, bis zum nächsten Jahr. War ziemlich hart, aber fertig wurden wir mit dir allemal!
In Travemünde nehmen wir zum letzten Mal die Segel runter. Wir fahren nun doch bis Lübeck und schlagen bereits auf der Fahrt auf der Seetrave die Segel ab. So machen wir wieder etwas Zeit gut.
Im Hansehafen gegen 11:00 Uhr angelegt, beginnt das Spektakel. Der 6 Tonnen Kettenzug legt den Mast, dann wird er parallel gelegt. Aufräumen können wir während der Fahrt auf dem Elbe-Lübeck-Kanal.
Wegen des hohen Wasserstandes nehmen wir die Route über die Hubbrücke in Lübeck. Dann geht es durch die Stadt, der ersten Schleuse Büssau im Elbe Lübeck Kanal entgegen. Fünf Schleusen sind es bis Mölln. Wir kommen noch bis Witzeeze. Dort beendet ein spannendes Anlegemanöver den Tag. Das Anlegerbier bei Wera wird uns verwehrt, da die Kneipe bereits geschlossen ist.
Um 7 Uhr beginnt am nächsten Tag der Schleusenbetrieb. Wir sind mit dabei. Noch zwei Schleusen bis zur Elbe. Das schöne Lauenburg genießen wir nur vom Schiff aus, wollen wir doch morgen Hannover erreichen.
Über die Elbe geht es in den Elbe-Lübeck-Kanal. Dort ist das Schiffshebewerk in Lüneburg immer wieder ein Erlebnis. Hier beweist Dorothea, dass von ihrer Höhenangst nicht mehr viel übrig geblieben ist, oder sie lässt sie sich nicht anmerken.
Gegen Mitternacht erreichen wir Schleuse Uelzen, die Schleuse mit der höchsten Hubhöhe in Deutschland, genau 25 Meter. Wir werden allein geschleust und kommen uns wie in einem spannenden Krimi vor. Beleuchtung und Geräusche der Schwimmpoller sorgen für die perfekte Kulisse.
Es ist immer noch Nacht. Der Mittellandkanal empfängt uns mit leichtem Nebel. Um 6:00 Uhr sind wir an der Hindenburgschleuse in Hannover-Anderten.
Hier lässt sich Andreas mit dem Taxi abholen und zum Bahnhof bringen. Er will abends irgendwo am Kanal wieder zusteigen.
Er muss schnell von Bord, denn die Schleuse zeigt bereits grün und wir werden über Funk aufgefordert, einzufahren.
Karola, Dorothea und Edmund fahren das Schiff unter Angelikas Leitung.
Ist schon ein komisches Gefühl, die vier weiterfahren zu sehen.
Drei Frauen und ein Mann. Die meisten Freizeitbootsbesatzungen sind anders besetzt. Es ist einfach gut so.
In Hannover wird Wasser gebunkert. 30 Kilometer vor dem Dortmund-Ems-Kanal wird es dunkel. Die letzte durchfahrene Nacht steht bevor. Jeder steuert das Schiff auch nachts. Ist für alle eine Erfahrung, die niemand so schnell vergisst.
Bei Kilometer 85 im DEK streikt plötzlich der Motor. Mit dem letzten Schwung retten wir uns an einen Festmacher und eine Straßenbrücke ist auch in der Nähe.
Andreas lässt sich mit dem Taxi an den Kanal bringen und ist gegen 1:00 Uhr wieder dabei.
Die Kraftstoffleitung muss entlüftet und der Filter überprüft werden. Beim 3. Versuch springt der Diesel wieder an.
Gegen Morgen schleusen wir in Münster, dann geht es am Dattelner Meer sowie der Kanalstufe Henrichenburg mit dem schönen alten Schiffhebewerk vorbei in den Rhein-Herne-Kanal.
Unbefriedigend ist, dass wir von den Bunkerbooten keinen Kraftstoff erhalten. Wir rufen über Funk die Revierzentrale, die uns nach Castrop-Rauxel in den Yachthafen weiterleitet. Dort können wir volltanken.
Drei Tage und zwei Nächte sind wir jetzt ununterbrochen unterwegs, als wir im Yachthafen Oberhausen anlegen. Da waren wir noch nie!
Alle sind ziemlich müde. Aber Karola, Dorothea und Andreas wollen nochmal in die Disco. Dort wird uns aber empfohlen, lieber draußen zu bleiben. So ist das, wenn junge Frauen mit alten Männern ausgehen.
Dann finden doch noch eine schöne Kneipe, doch viel ist mit uns auch nicht mehr los!
Am nächsten Morgen geht es um sieben Uhr weiter. Welcher Tag ist eigentlich – ach ja, Mittwoch der 3. Oktober – Tag der deutschen Einheit. Da wollen wir mal schön brav sein und in unserer gemischt deutsch-deutschen Besatzung nicht streiten.
Die letzten beiden Schleusen sind die Kür, dann hat uns der Rhein wieder. Düsseldorf ist unser Ziel, was wir gegen 15:00 Uhr erreichen.
Hier verlässt uns unser Skipper Angelika. Mit dem Flieger geht es nach Dresden, aber nur für 3 Tage. Spätestens in Rüdesheim will sie wieder mit dabei sein.
Andreas übernimmt wieder das Kommando.
Nach einem Kö-Bummel statten wir der Altstadt einen Pflichtbesuch ab und landen beim „Uerigen“. Der Versuch, dort einen Schoppen Wein zu bestellen, beschert dem Kellner noch einen lustigen Abend.
Donnerstag, wir wollen nach Köln. Doch zuerst haben wir mit Nebel zu tun, müssen sogar das rechte Ufer anlaufen und warten, bis die Sicht wieder besser geworden ist. Um 16 Uhr sind wir im Rheinauhafen.
Die Altstadt ist Pflicht und wir haben Glück. In der ältesten deutschen Jazz-Kneipe gibt es Livemusik und wir verwandeln diese Lokalität noch in einen Tanzschuppen.
Es wird spät und wir müssen am nächsten Tag doch Koblenz erreichen. Also 5 Uhr aufstehen, Motor-Check und los geht’s.
Je näher wir nach Koblenz kommen, umso stärker wird die Strömung. Zum Teil fahren wir unter 6 km/h über Grund, Doch wir schaffen es. Um 20:00 Uhr sind wir in Koblenz am Mittelanleger, vor der ersten Moselbrücke.
Ein schönes Stück Rhein und dann das deutsche Eck und die beleuchtete Festung Ehrenbreitenstein.
Heute Abend muss wieder ein Lokal herhalten, welches wir zur Disko umfunktionieren. Tolle Stimmung. Ach ja und da war ja noch Joseph, so ein Kartenspielertyp……
Gegen Mitternacht geht’s wieder auf die Orion.
Freitag steht uns das härteste Stück Rhein bevor.
Die Lahnmündung, St. Goar, die Lorelei, die Rheinpfalz, dieses Stück bezeichnen wir gern als das Königsstück dieses Flusses.
Dann kommt das Binger Loch, in dem wir nur noch mit ca. 5 Km/h über Grund vorwärts kommen, der Mäuseturm, die Nahemündung und schließlich Bingen und dann Rüdesheim.
Das ist jetzt schon Heimat, liegen wir doch jedes Jahr ca. 2 Wochen in Bingen in der Werft.
In Rüdesheim ist natürlich die Drosselgasse Pflicht, wo wir wieder unsere Tanzleidenschaft ausleben können.
Inzwischen ist Angelika auch wieder mit dabei.
Der schöne Abend endet mit einem Absacker auf dem Schiff.
Die Reise nach Gernsheim am nächsten Tag über Wiesbaden und Mainz genießen alle mit etwas Wehmut. Alles Schöne geht mal zu Ende so auch diese spannende Reise und damit auch die Saison.
Kurz vor Gernsheim überrascht uns Skipper Andreas noch mit Wunderkerzen, die beim „Kapitänsdinner“ am Vortag irgendwie vergessen wurden.
Wir laufen in Gernsheim ein und das Schiff ist voller Leute, eigentlich wie jedes Jahr. Edmund und Karola werden von Freunden abgeholt. Angelika und Andreas fahren Dorothea nach Ladenburg und nach gemeinsamen Abendessen weiter nach Dresden.
Es war einfach wieder schön!

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